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Stolpersteine in Frankfurt : Steine des Anstoßes

  • -Aktualisiert am

Gegenwart: Die Namen vieler NS-Opfer – wie die Frankfurter Kaufhaus-Inhaber Hermann und Ida Wronker – leben auf Stolpersteinen fort. Bild: dpa

Metallisch glänzend stechen sie aus dem Grau der Gehwege heraus: Mehr als 1500 Stolpersteine erinnern allein in Frankfurt an die Opfer der NS-Zeit. Ein wegweisendes Projekt, das allerdings nicht überall so gut ankommt.

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          Hermann Wronker zog 1891 mit seiner Frau Ida aus Pforzheim nach Frankfurt und gründete auf der Zeil ein Textilgeschäft. Aus dem kleinen Laden wurde bald ein großer: 1908 ließ Wronker das größte Frankfurter Kaufhaus mit einer Fassadenlänge von 80 Metern bauen. Zu Hochzeiten beschäftigte der Unternehmer in Frankfurt und in den Filialen in Pforzheim, Mannheim, Nürnberg oder Hanau mehr als 3000 Mitarbeiter und generierte einen Jahresumsatz von mehr als 35 Millionen Reichsmark. Heute prägen weiß-graue Glas- und Metallfronten die Zeil. Reste der rückwärtigen Fassade des Kaufhauses Wronker im Holzgraben lassen immerhin noch erahnen, wie repräsentativ das Gebäude einst gestaltet war.

          1933 wurde Hermann Wronker von den Nationalsozialisten enteignet; zu diesem Zeitpunkt war er 66 Jahre alt. Die Kinder Alice und Max Wronker flohen bald darauf aus Deutschland, die Tochter nach Ägypten, der Sohn in die Vereinigten Staaten. Hermann und Ida Wronker schafften es nicht mehr, zu entkommen: 1942 wurden sie in Auschwitz ermordet. Heute erinnern auf der Zeil zwei in das Pflaster eingelassene Stolpersteine an das Ehepaar. „Hier arbeitete Hermann Wronker, Jg. 1867. Flucht 1938 Frankreich, interniert Drancy. Deportiert 1942, ermordet in Auschwitz“, heißt es auf einem Stein. Und auf dem anderen: „Hier arbeitete Ida Wronker, geb. Friedeberg, Jg. 1871. Flucht 1939 Frankreich, interniert Drancy. Deportiert 1942, ermordet in Auschwitz“. Ein weiterer Stein erinnert an das einstige Kaufhaus. Geflüchtet, interniert, deportiert, ermordet – Worte, die nachhallen und zum Nachdenken anregen.

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