https://www.faz.net/-gzg-7jmnl

Frankfurt : Sportstadt mit Abstrichen

  • -Aktualisiert am

Im Herzen von Europa: Beim Ironman wird der Frankfurter Römerberg zum großen Sportplatz. Bild: Wonge Bergmann

Die Multifunktionshalle am Kaiserleikreisel soll kommen, das Fußball-Leistungszentrum auch. Eine Podiumsdiskussion geht der Frage nach, welchen Stellenwert der Sport in Frankfurt hat.

          3 Min.

          Sicher: Nicht alles lässt sich am Geld messen. Aber ein Anhaltspunkt für so manchen Zusammenhang sind die Finanzen ja schon. Als Markus Frank, der für den Frankfurter Sport zuständige Dezernent, am Dienstagabend eine Zahl in die Runde warf, stutzte unter den Zuhörern im DaVinci-Haus am Frankfurter Flughafen der eine oder andere dann doch. 1,7 Prozent des Gesamthaushaltes betrage der Sportetat der Stadt Frankfurt. „Nur so wenig“, murmelte ein Gast bei der Podiumsrunde, zu der der Marketing-Klub Frankfurt geladen hatte. Es ist sogar noch weniger, wie am Mittwoch auf Nachfrage dieser Zeitung im Büro des Sportdezernenten zu erfahren war: 1,57 Prozent des Gesamthaushaltes sind für 2014 für den Sport veranschlagt, das sind ungefähr 55 Millionen Euro. Die Tendenz für die kommenden Jahre: sinkend. Die Frage, die bei der Gesprächsrunde am Rande des im Regen glitzernden nächtlichen Rollfeldes gestellt wurde, war also berechtigt: „Sind wir eine Sportstadt?“

          Frank hatte die in die Runde geworfene Prozentzahl eigentlich als Argument für die Frankfurter Sportfreundlichkeit verstanden wissen wollen. „Ja, wir sind eine Sportstadt“, erklärte Frank, dessen Aussage im Laufe des Abends doch noch relativiert wurde. Ein wenig zumindest. Denn die Männer, die auf dem Podium Platz genommen hatten, sind alle dem Sport in der Stadt am Main verbunden. Frank als zuständiger Dezernent, Jürgen Harrer, der Leiter der Unternehmens-Kommunikation beim Flughafenbetreiber Fraport, weil der Konzern zahlreiche Breitensportvereine und den Basketball-Profiklub Frankfurt Skyliners als Sponsor unterstützt, Peter Fischer als Präsident der Frankfurter Eintracht, Gunnar Wöbke als Geschäftsführer der Skyliners und schließlich Roland Frischkorn als Vorsitzender des Sportkreises Frankfurt.

          Neue Halle um „unbegrenzt wettbewerbsfähig“ zu sein

          Natürlich hatte Frank auf die Vielfalt des Sports in der Stadt hingewiesen, auf die 200.000 Menschen, die in Vereinen oder Betriebssportgruppen aktiv sind, und auf die vielen spektakulären Spitzensportereignisse, die von den Spielen der Eintracht oder der Skyliners über den Marathon, den Ironman-Triathlon oder das Festhallen-Reitturnier reichen. Auch Frischkorn widersprach da nicht, aber ergänzte: „Frankfurt ist eine Sportstadt, die man ausbauen muss.“ Der Sportkreisvorsitzende kritisierte vor allem die Hallensituation, die es manchem Verein erst gar nicht mehr erlaube, weitere Mitglieder aufzunehmen. „Wir haben eine Mängelverwaltung bei den Sportstätten und an der Infrastruktur“, sagte Frischkorn, „und unsere Schulturnhallen sind teilweise eine Katastrophe“. Doch selbst Frischkorn, der Mann des Breitensports, hält die Förderung des Spitzensports als „Lokomotive für den Breitensport“ für unverzichtbar. Und daher zählt auch er zu den Befürwortern eines Projektes, das die Frankfurter nun schon etliche Jahre beschäftigt: den Bau einer Multifunktionsarena.

          „Ganz dringend“, so sagte Eintracht-Präsident Fischer, benötige die Stadt eine solche Halle. Für Skyliners-Manager Wöbke, dessen Basketball-Profiteam als Nutzer von einer solchen Halle profitieren würde, „führt kein Weg an einer modernen Sportstätte vorbei, wenn man unbegrenzt wettbewerbsfähig sein will“. Harrer, dessen Arbeitgeber das Namensrecht an der Ballsporthalle, dem aktuellen Spielort der Skyliners, erworben hat, findet: „Die Fraport-Arena wird den Anforderungen an eine moderne Sportarena nicht mehr gerecht.“ Auch wenn alle, einschließlich der Stadt Frankfurt, eine solche Halle wollen, scheint vor allem eines gefragt auf dem langen, nach wie vor unsicheren Weg bis zum Baustart: Geduld. Noch im April hatte Frank gegenüber der „Frankfurter Rundschau“ geäußert, die Ausschreibung für den mit 130 Millionen Euro veranschlagten Hallenbau am Kaiserleikreisel – halb auf Frankfurter, halb auf Offenbacher Gemarkung – werde noch in diesem Jahr erfolgen. Am Dienstagabend erklärte er aber, dass die Stadt dabei sei, „sicher zu stellen, dass der Verkehr dort nicht zusammenbricht“. Immerhin sei man „zuversichtlich, diese harte Nuss zu knacken“. Die Ausschreibung könne dann „noch vor der Sommerpause des kommenden Jahres rausgehen“. Es werde aber „eher ein Marathon als ein Kurzstreckenlauf“.

          Geeignetes Grundstück werde zur Verfügung gestellt

          Erwartungen an Frankfurt hat auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der neben seiner Zentrale in der Otto-Fleck-Schneise auch ein Leistungszentrum in Frankfurt ansiedeln will. „Wir werden dem DFB den roten Teppich ausrollen und alles dafür tun, dass Frankfurt den Zuschlag bekommt“, sagte Frank. „Und selbstverständlich werden wir ein geeignetes Grundstück zur Verfügung stellen.“ Zu welchen Konditionen, verriet Frank freilich nicht.

          Am Ende des Diskussionsabends wollten dann alle schnell nach Hause, um das Fußball-Länderspiel zwischen England und Deutschland nicht ganz zu verpassen. Fischer, dem Eintracht-Präsidenten, wurden dann gleich zwei Wünsche erfüllt: „Dass Deutschland gewinnt.“ Und schon am Abend zuvor: „Dass keiner mehr eine Frage stellt.“ Frankfurt ist eben doch eine Sportstadt – wenn es um Fußball geht, ganz sicher.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ron DeSantis im August 2021 in Miami

          Ron DeSantis : Wie Trump – aber nicht Trump

          Ron DeSantis weigert sich, eine Präsidentschaftskandidatur 2024 auszuschließen. Dafür müsste er aber wohl erst an Donald Trump vorbei. Der fühlt sich von Floridas republikanischem Gouverneur verraten.
          Insulin-Fläschchen waren schon 1923, also ein Jahr nach den ersten Experimenten am Menschen, bereit zur Auslieferung.

          100 Jahre Insulin : Wie sieht die Diabetes-Behandlung der Zukunft aus?

          Als die Insulin-Therapie vor hundert Jahren erfunden wurde, sprachen viele von Magie: Seither rettete das Hormon Millionen Menschen. Dennoch haben viele Diabetiker haben keinen Zugang zur lebensrettenden Arznei. Was bringt die Zukunft?