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Frankfurt : Spekulationen über neue Hochhäuser

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FRANKFURT. Die Überraschung in der Frankfurter Immobilienbranche war groß, als Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) im vorigen Jahr bekanntgab, einen neuen Hochhausrahmenplan erarbeiten lassen zu wollen.

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          Die Überraschung in der Frankfurter Immobilienbranche war groß, als Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) im vorigen Jahr bekanntgab, einen neuen Hochhausrahmenplan erarbeiten lassen zu wollen. Schließlich ist an dem Dutzend neuer Standorte, die in die zweite Auflage des Plans von 1998 aufgenommen worden waren, noch kein Projekt begonnen worden. Schwarz hält dagegen, daß sich die Nachfrage verändere. Wenn sich bisher nicht berücksichtigte Grundstückseigentümer meldeten, die einen Turm errichten wollten, müßten deren Wünsche unvoreingenommen geprüft werden.

          Zudem will Schwarz die Hochhausstandorte nachträglich berücksichtigen, die in den vergangenen Jahren am Rahmenplan vorbei genehmigt wurden. Es handelt sich immerhin um so wichtige Projekte wie den neuen Hauptsitz der Europäischen Zentralbank auf dem Großmarkthallen-Gelände, die Neubebauung des Zürich-Areals an der Alten Oper und das MAB-Projekt "Frankfurt Hoch Vier" auf dem früheren Telekom-Grundstück in der Innenstadt.

          Laut Schwarz sollen außerdem die Hochhausstandorte, über die die Entwicklung hinweggegangen ist, aus dem Plan herausgenommen werden. Dabei geht es um jene sechs Türme, die auf dem Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs entstehen sollten, nachdem dieser unter die Erde verlegt worden wäre. Heute spricht von dem Projekt "Frankfurt 21" jedoch niemand mehr.

          Mit der Abfassung des neuen Rahmenplans wurde der Frankfurter Stadtplaner Jochem Jourdan beauftragt, der schon das Werk von 1998 verfaßt hat. Der Entwurf Jourdans muß dann von Magistrat und Stadtverordneten beschlossen werden. Auch diesmal werden wohl nur "fernwirksame" Türme von mehr als 80 Metern Höhe aufgenommen werden. Jourdan arbeitet mit dem Stadtplanungsamt zusammen, das ihm nach Angaben von Amtsleiter Dieter von Lüpke einige Vorschläge zur Prüfung vorlegen wird, insbesondere für Wohnhochhäuser. Ob der Bedarf dafür allerdings sehr groß ist, muß nach den Erfahrungen mit "Skylight" und "Main-Plaza" bezweifelt werden. Die Klientel, die die konstruktionsbedingt hohen Preise für Hochhauswohnungen zahlen kann, ist klein.

          Jourdan, der seine Arbeit bis Ende des Jahres abgeschlossen haben soll, hat bisher keine Hinweise darauf gegeben, wo er sich neue Hochhäuser vorstellen kann. Vor allem stellt sich die Frage, ob er bei der bewährten Pulkbildung bleibt oder auch an der Peripherie Türme vorsieht. Es darf immerhin als ausgemacht gelten, daß Jourdan seine eigenen Planungen für einen Umbau des Henninger-Turms zu einem Hochhaus berücksichtigen wird. Auch der 85-Meter-Turm, den er nebendran plant, wird sich wohl im Entwurf für den Rahmenplan wiederfinden.

          Planungsdezernent Schwarz hat dagegen einzelne Hinweise gegeben, welche neuen Hochhausstandorte er favorisiert. Auf dem Degussa-Areal sei ein kleiner Turm denkbar, allerdings nur in der Höhe des benachbarten 57-Meter-Hochhauses der Schweizer National. Einen 150-Meter-Turm, wie er im Auftrag des Grundstückseigentümers konzipiert wurde, hat Schwarz abgelehnt. Hier könne sich Jourdan großzügiger zeigen, meinen einige Stadtplaner.

          Die Deutsche Post darf sich Hoffnung machen, am nördlichen Ausgang des Hafentunnels ein zweites Hochhaus zu errichten. Dieses könnte etwas höher werden als der schon vorhandene 92-Meter-Turm. Höher hinaus möchte die Deka-Bank zusammen mit den Immobilienfondstöchtern von Dresdner Bank und Deutscher Bank auf der "Marieninsel" an der Ecke von Mainzer Landstraße und Taunusanlage. Sie wollen einen 250-Meter-Turm bauen, für den das Hochhaus T11 abgerissen werden müßte. In ersten Gesprächen soll Schwarz darauf gedrungen haben, die Höhe um rund 100 Meter zu reduzieren.

          Auch die Messe hat schon seit langen Jahren Pläne für ein weiteres Hochhaus in der Schublade liegen. Gegenüber dem IBC an der Omegabrücke könnte ein 110 Meter hoher Turm entstehen. Der Messe ist es mit der Realisierung nicht eilig, doch könnte sie die Gelegenheit nutzen, sich das Baurecht zu sichern.

          Bis zu drei Hochhäuser mit einer Höhe von 100 bis 140 Metern sollen anstelle des AfE-Turms der Universität entstehen. Dort sind Büros und hochwertige Wohnungen geplant. Der AfE-Turm muß voraussichtlich in drei Jahren geräumt werden. Bis dahin dürfte auch das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen sein, das demnächst beginnt. Daß unmittelbar danach mit Abriß und Neubebauung begonnen wird, muß als unwahrscheinlich gelten. Denn die Flächen gelten als schwer vermarktbar.

          Ebenfalls recht weit sind die Planungen für ein Hochhaus auf dem Telenorma-Areal an der Mainzer Landstraße gediehen. Im Rahmenplan von 1998 war dieser Standort noch zurückgestellt worden. Im März 2003 hat dann der Architekt Dieter Köhler einen städtebaulichen Wettbewerb mit dem Vorschlag für einen trapezförmigen 160-Meter-Turm am Güterplatz gewonnen. Politisch gilt der Vorschlag mittlerweile als akzeptiert, schwieriger dürfte die Suche nach einem Investor sein.

          Mit Spannung wird im Römer erwartet, ob Jourdan das Campanile-Projekt wieder auf die planungspolitische Tagesordnung setzt. Der Turm auf dem Parkplatz südlich des Hauptbahnhofs war in den frühen neunziger Jahren zum Gegenstand politischen Zanks geworden und nicht zuletzt an der Weigerung einer Nachbarin gescheitert, dem Bau gegen die Zahlung von Geld zuzustimmen. Gleichwohl gilt der Standort als denkbar geeignet für ein Hochhaus.

          Ein altes Streitthema ist auch der Wunsch der Allianz-Versicherung, auf ihrem Areal an der Taunusanlage ein Hochhaus zu errichten. Der Versicherungskonzern würde am liebsten 170 Meter hoch bauen. Doch der Planungsdezernent hat klargestellt, daß allenfalls 90 Meter denkbar seien, da sonst der Opernlatz verschattet würde. MATTHIAS ALEXANDER

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