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Frankfurt Skyliners : Verhinderter Anführer

  • -Aktualisiert am

Entnervt: Dawan Robinson gerät in der Partie gegen Ludwigsburg an seine Grenzen. Bild: Huebner/Einbock

Dawan Robinson gelingt beim 78:90 der Skyliners kaum etwas. Zudem zieht sich der amerikanische Spielmacher abermals den Zorn von Trainer Herbert zu.

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          Dawan Robinson stand mit düsterer Miene am Spielfeldrand. Der Schweiß der Anstrengung perlte ihm noch von der Stirn, das Autogrammeschreiben war diesmal vielmehr ungeliebte Pflichtübung als Kür. 78:90 hatte er gerade mit den Fraport Skyliners in heimischer Halle gegen die Neckar Riesen aus Ludwigsburg verloren. Das war für den 31 Jahre alten Amerikaner nicht der einzige Grund, betrübt zu sein. Denn Robinson war in dieser Partie eine negative Ausnahmeerscheinung im Team von Trainer Gordon Herbert. Mehr als 30 Minuten hatte er auf dem Feld gestanden und umzusetzen versucht, was der Headcoach schon vor dem Spiel nicht nur vom ihm gefordert hatte: „Die erfahrenen Spieler müssen Verantwortung übernehmen.“

          Robinson tat es nicht – weil er es nicht konnte an diesem Abend, an dem die Skyliners einen 14-Punkte-Vorsprung verspielten, von den routinierten Profis aus Schwaben beim Stande von 75:75 in die Verlängerung gezwungen wurden und dort entkräftet und entnervt von ihrem solide und taktisch geschickt spielenden Gegner abgefertigt wurden. Robinsons Schwäche war erstaunlich an diesem Abend. Er wirkte verkrampft, streckenweise unkonzentriert und nach Fehlern schnell frustriert. Von denen gab es allzu viele. Die fünf Ballverluste, die die Statistik hinterher verzeichnete, waren noch nicht einmal sonderlich schlimm angesichts der Wurfausbeute des Spielmachers. Seine sechs Distanzwürfe verfehlten alle das Ziel, und – noch schlimmer – auch bei den Versuchen aus kürzerer Entfernung ging fast alles daneben. 15 Würfe, zwei Treffer. Den Rest seiner insgesamt neun Punkte holte sich der Point Guard von der Freiwurflinie aus. „Mein Wurf war schrecklich“, räumte er unmittelbar nach Spielende ein, „ich weiß auch nicht, woran das lag.“ Es ist nach seiner schweren Erkrankung, als Robinson in der vergangenen Saison von einer Lungenembolie aus der Bahn geworfen wurde, sicherlich die schwierigste Zeit, die der Amerikaner derzeit durchmachen muss. Körperlich fit ist der Spielmacher. Im September hatte er die blutverdünnenden Mittel absetzen und voll mittrainieren können. „Aus meiner Sicht“, so sagte Teamarzt Dr. Wolfgang Raussen, „gibt es keinen Grund für die Leistung von Dawan.“ Rätsel gibt der Profi, der schon mal Testspiele mit den Los Angeles Clippers mitgemacht hat, auch anderen auf. Vor allem Trainer Herbert. Dass Robinson drauf und dran ist, die Rückendeckung seines Chefs zu verlieren, war deutlich zu spüren „Ich hatte ihn ja schon einmal für drei Tage suspendiert“, sagte der deprimiert wirkende Herbert nach der Partie mit beinahe schon flüsternd leiser Stimme. Vor gut zwei Wochen hatte Robinson sich mit dem Verteidigungssystem der Frankfurter nicht anfreunden können, was den Trainer schließlich so erzürnt hatte, dass er ihn vorübergehend aus der Mannschaft nahm. Und nun dies: „Bei den Auszeiten schaut er weg, scheint überhaupt nicht bei der Sache zu sein. Auf dem Feld schart er das Team nicht um sich.“ Selten hat der Kanadier öffentlich so deutliche Kritik an einem seiner Spieler geäußert wie an diesem Samstagabend. Der „Huddle“, den Herbert von seinem Regisseur vermisste, ist die Absprache von Spielzügen und Varianten vor einem nächsten Angriff. „Dawan hat nicht gehuddelt“, sagte Herbert. Warum sich Robinson so verhält, kann sich der Frankfurter Trainer nicht erklären: „Ich habe überhaupt keine Ahnung, was für ein Problem er hat. Aber fest steht: So können wir nicht weitermachen.“

          „Ich konnte einfach nicht treffen“

          Während Manager Gunnar Wöbke damit rechnete, dass in dieser Angelegenheit noch einmal Gespräche mit Robinson geführt werden, erweckte Herbert nicht den Eindruck, dass er große Lust auf einen derartigen Gedankenaustausch habe: „Es sind ein paar Dinge mit ihm durchgegangen. Entweder er kapiert es oder eben nicht.“ Robinson selbst hatte sich eine Stunde nach der Partie schon wieder ein wenig gefangen. Es seien ihm so viele Sachen durch den Kopf gegangen während des Spiels, erklärte er hinterher. „Es war eben einfach einer dieser Tage, an denen einem nicht viel gelingt.“ Und ja, er sei frustriert gewesen über eine ganze Menge Dinge.

          Der Grund: „Ich konnte einfach nicht treffen.“ Nun wartet Robinson auf die Entscheidung des Trainers. „Wenn ich eine Chance kriege, werde ich alles tun, um sie zu nutzen. Wenn nicht, liegt das auch nicht in meiner Macht.“ Den freien Sonntag wollte Robinson einfach zur Entspannung nutzen. „Klar bin ich dazu in der Lage – und ob“, sagte der Amerikaner cool. „Ich werde ein paar Filme schauen und mich dabei wunderbar erholen.“ Im Dezember hat Robinson geplant, Frau und Tochter nach Frankfurt zu holen. „Das hat die absolute Priorität für mich“, sagte er, „das ist die Nummer eins.“

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