https://www.faz.net/-gzg-9f7lp

Skyliners schlagen Ulm : Frankfurter Kraftakt

  • -Aktualisiert am

Auf Pokaljagd: Brady Heslip (links), der Topscorer der Skyliners Bild: Jan Huebner

Die Skyliners schlagen im Pokal-Achtelfinale Ulm 78:74 und kommen ihrem Ziel einen Schritt näher. Spielmacher Trae Bell-Haynes hilft entscheidend.

          2 Min.

          Der Frankfurter Basketballtrainer Gordon Herbert saß mit grimmigem Blick auf dem Podium im Pressekonferenzraum und schaute angestrengt auf die Uhr. Zwei Plätze neben ihm in der Ballsporthalle dokumentierte die Anwesenheit des Ulmer Assistenztrainers Tyron McCoy, dass die Zeit von Thorsten Leibenath am Samstagabend sportlich ungewöhnlich früh abgelaufen war. Beim 78:74-Erfolg der Skyliners über Ulm im Pokal-Achtelfinale hatte sich der Headcoach dreieinhalb Minuten vor Spielende gleich von zwei Schiedsrichtern jeweils ein Technisches Foul eingehandelt.

          Der Arbeitstag war damit für den zürnenden Leibenath, der die beiden Zähler des Frankfurter Centers Erik Murphy (15 Punkte) als regelwidrig erachtete, gelaufen, zur Strafe musste er beim Stand von 69:66 für sein Team den Halleninnenraum verlassen. Sein Abgang fiel in die Zeit, als die Hessen in dem packenden Pokalfight das Heft des Handelns an sich rissen. Insofern war auch der die Kontrolle verlierende Leibenath seiner Mannschaft keine Hilfe.

          Pflicht erfüllt, Kür misslungen

          Für seinen siegreichen Kollegen Herbert hatte der Erfolg, der den Skyliners einen finanziellen Zugewinn von 50.000 Euro bringt, einen schalen Beigeschmack. Pflicht erfüllt, weil Frankfurt Pokalsieger werden will. Doch die Kür misslang aus seiner Sicht, „die Art unseres Spiels hat mir heute nicht gefallen“, kritisierte der 59 Jahre alte Kanadier: „Wir hatten überhaupt keinen Flow.“ Dass seine Spieler defensiv bei den Rebounds zu wenig zugepackt hatten, fand Herbert „schrecklich“. Allerdings rechnete er seiner Mannschaft hoch an, dass diese als Gemeinschaft noch „einen Weg gefunden hat, zu gewinnen. Die Jungs haben eine gute mentale Stärke gezeigt, sie kämpfen, und sie sind hart.“ Siegertypen eben wie schon in der gewonnenen Verlängerung gegen Turin im EuroCup.

          In diese Kategorie gehörte ganz sicher Trae Bell-Haynes (11). Der Frankfurter Point Guard Nummer zwei, der diesmal im richtigen Moment zum Anführer auf dem Parkett wurde. Herbert ließ den 23 Jahre alten Bundesliga-Rookie in den letzten zwölf Minuten durchspielen, das war das passende Signal zum Aufbruch. Dem athletischen Bell-Haynes, der erst einmal einen befristeten Vertrag bis 25. November erhalten hat, gelang Entscheidendes: Acht Sekunden vor der Schlusssirene zog der Kanadier zum Korb und vollendete zum 76:73. Seiner jungen und nervenstarken Führungskraft attestierte Herbert eine „sehr gute zweite Halbzeit“.

          Maßarbeit von Brady Heslip

          Keinen guten Tag erwischte hingegen der Starting-Point-Guard Jason Clark (5), unter dessen Anleitung kein richtiger Spielrhythmus bei den Frankfurtern aufkommen wollte. Der 28 Jahre alte Amerikaner ließ den Zug zum Ulmer Korb vermissen. Außerdem war er als Schütze alles andere als verlässlich für die Skyliners. Von acht Würfen aus dem Feld traf Clark nur einen, für seine Ansprüche ist das verschwindend wenig. Diesmal erwies sich die B-Lösung mit Bell-Haynes als die bessere.

          Den Frankfurter Topwert beim Abschluss erreichte Brady Heslip mit 24 Punkten. Die Maßarbeit des kanadischen Nationalspielers unterstrichen seine fünf erfolgreichen Würfe aus der Distanz. Bei Quantez Robertson (10) waren es nur zwei bei acht Versuchen. Der zweite zum 72:71 hatte als Dreipunktewurf jedoch eine besondere Bedeutung, denn gut zwei Minuten vor Spielschluss lagen die Hessen zum ersten Mal wieder in Führung. Wenig später ließ Robertson, der verteidigungsstarke Vorkämpfer, im Angriff noch einen Pull-up-Jumper zum 74:73 folgen, bevor Heslip den Ball eroberte und Bell-Haynes auf 76:73 erhöhte.

          „Am Ende konnten wir defensiv Stopps erzwingen und haben unsere Freiwürfe gemacht“, sagte Robertson. „Das war der Schlüssel zum Sieg.“ Seinen Anteil am Skyliners-Erfolg hatte schlussendlich auch der zu ungestüme Ulmer Topscorer Dwayne Ewans (25). Nachdem der Power Forward an der Freiwurflinie auf 74:76 verkürzt hatte, lief er bei seinem zweiten Freiwurf zu früh los und beförderte den Ball zum vermeintlichen 76:76 in den Frankfurter Korb. Die Punkte zählten aber nicht, da der Ball zunächst das Glas und dann erst den Ring berührt hatte. „Manchmal muss man auch die hässlichen Spiele gewinnen, um am Ende Titel zu feiern“, fasste Shawn Huff (5) das Frankfurter Weiterkommen ins Viertelfinale trefflich zusammen.

          Weitere Themen

          Zum ersten Mal auf dem neuen alten Goetheturm Video-Seite öffnen

          Wahrzeichen steht wieder : Zum ersten Mal auf dem neuen alten Goetheturm

          Er erstrahlt fast wieder in seinem alten Glanz - der Frankfurter Goetheturm. Und gäbe es Corona nicht, würde Frankfurt dieses Wochenende zu einer Eröffnungsfeier einladen. Zumindest ein kleiner Kreis konnte das Wahrzeichen am Freitag schon mal genauer in Augenschein nehmen.

          Busse fahren trotz Streiks

          Warnstreik im Nahverkehr : Busse fahren trotz Streiks

          Am Dienstag ist damit zu rechnen, dass die Frankfurter U-Bahnen und Straßenbahnen vom bundesweiten Warnstreik betroffen sind, teile die Stadt mit. Fahrgäste sollen sich auf den Social-Media-Kanälen über die aktuelle Lage informieren.

          Topmeldungen

          SPD-Kandidat Thomas Westphal mit seiner Frau Janine

          OB-Stichwahl in Dortmund : Die SPD verteidigt ihre „Herzkammer“

          Grüne und CDU hatten in Dortmund ein Bündnis gegen die seit 74 Jahren regierenden Sozialdemokraten gebildet. Trotzdem kann sich SPD-Kandidat Thomas Westphal bei den Oberbürgermeisterstichwahlen mit klarem Abstand auf seinen Herausforderer Andreas Hollstein durchsetzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.