https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt-skyliners-schachmatt-auf-der-koenigsposition-12042852.html

Frankfurt Skyliners : Schachmatt auf der Königsposition

  • -Aktualisiert am

Alleine gegen alle: Für Dawan Robinson ist derzeit nicht nur der Kampf unter dem Korb ein schwieriges Geschäft. Bild: Huebner/Celikci

Die Spielmacher der Skyliners finden keinen Rhythmus. Vor allem Neuzugang Dawan Robinson hat große Probleme, sich erfolgreich in Szene zu setzen.

          3 Min.

          Sie war viele Jahre eine Glanzseite der Fraport Skyliners - die Aufbauposition. Spieler wie Kai Nürnberger (1999 bis 2003) und Pascal Roller, der den Klub 2011 verließ, prägten das Gesicht des Basketball-Bundesligaklubs. 2011 wechselte auch der famose amerikanische Point Guard DaShaun Wood gemeinsam mit Trainer Gordon Herbert von den Skyliners nach Berlin. Nürnberger, Roller, Wood - das sind Namen bedeutender und herausragender Spieler auf der zentralen Position im Basketball. In dieser Saison ist in Frankfurt freilich vieles anders. Die Schlüsselstelle des Spiels ist zu einem zentralen Problem der Hessen geworden.

          Am Sonntag schlichen die Profis von Trainer Muli Katzurin enttäuscht vom Feld. Die Artland Dragons aus Quakenbrück waren eine Nummer zu groß für die Hessen gewesen. Und hätte das Team von Trainer Stefan Koch am Ende der Partie nicht den Faden verloren, wäre die Niederlage noch drastischer ausgefallen. Das 58:62 war aber auch so schlimm genug. Die Frankfurter schweben in akuter Abstiegsgefahr. Einer der offensichtlichsten Gründe dafür sind die Probleme im Spielaufbau. Am Sonntag war es vor 4700 Zuschauern in der Ballsporthalle scharf umrissen zu sehen. Weder Devin Gibson, noch Dawan Robinson waren in der Lage, das Spiel der Mannschaft erfolgversprechend zu lenken. Ballverluste, Fehlpässe und falsche Entscheidungen wirkten sich störend aus. Die Zahlen der Statistik sprechen für sich. Gibson brachte einen von vier Wurfversuchen im Dragons-Korb unter, Robinson keinen von sieben. Auch wenn das Punkten vielleicht nicht die vorrangige Aufgabe von Spielmachern ist, so fällt der Blick auf die für diese Position wohl wichtigste Quote auch nicht ganz positiv aus: Während aus Gibsons Zuspielen immerhin sechs Korberfolge resultierten, begnügte sich Robinson mit nur einem Assist. Die Königsposition war schachmatt.

          Dass die Skyliners über eine Verstärkung nachdenken, liegt auf der Hand

          Gibson spielt seit der vergangenen Saison in Frankfurt. Er kennt das Spiel der Skyliners also schon viel besser als der erst im Dezember vom italienischen Aufsteiger Trenkwalder Reggio Emilia an den Main gewechselten Robinson. Diesser brauche noch etwas Zeit, hat Gunnar Wöbke schon ein paar Mal gesagt. Der Skyliners-Manager hält prinzipiell große Stücke auf Robinson. Dass der Point Guard, der 2006 schon einmal eine Saisonvorbereitung im NBA-Team der Los Angeles Clippers bestritten hat, eine Risikoverpflichtung war, davon zeugt die schwere Verletzung, die sich der 29 Jahre alte Profi nach dem Aufstieg seiner Mannschaft in die erste italienische Liga zugezogen hatte. Im Mai des vergangenen Jahres hatte sich Robinson bei einem schweren Autounfall einen Trümmerbruch im Unterarm zugezogen - er war am Steuer seines Wagens eingeschlafen. Dass der Amerikaner noch nicht seine Normalform erreicht hat, ist eine legitime Annahme. Der Armbruch war nicht die einzige Verletzung in seiner Basketball-Karriere. Ein Handbruch und drei Beinbrüche hatten Robinson schon zuvor aus dem Takt gebracht. „Es ist, als ob irgend jemand die Rückstelltaste für deinen Körper und deine Karriere gedrückt hat“, hat er einmal zu den sportlichen Konsequenzen seiner Verletzungen gesagt.

          Nun sucht Robinson bei den Skyliners seinen Rhythmus. Gefunden hat er ihn bislang genau so wenig wie der zweite Mann auf der Position eins, Gibson. „Devin hatte Probleme heute“, räumte Cheftrainer Katzurin ein. Und Kapitan Marius Nolte macht auf einen anderen Aspekt aufmerksam: „Die beiden haben ein paar Schwierigkeiten mit ihren Rollenverteilungen.“ Was eigentlich erstaunlich ist. Denn genau in dieser Hinsicht hatte das Trainingslager, das die Frankfurter in der Bundesligapause um den Allstar-Day auf Teneriffa abgehalten hatten, für klare Verhältnisse sorgen sollen. Zumindest gegen Quakenbrück hatte es nicht die erwünschte Wirkung gezeigt.

          Dass die Skyliners über eine Verstärkung nachdenken, liegt auf der Hand. Wöbke schloss es zuletzt nicht aus, dass der Klub in dieser Hinsicht aktiv werden könne. Die Notwendigkeit, das Team noch einmal zu stärken, ist deutlich spürbar. Denn die Abstiegsgefahr ist so groß wie lange nicht mehr. Ob die Frankfurter dann tatsächlich einen zusätzlichen Profi in ihrem Kader aufnehmen, oder sich dann von einem Spieler trennen werden, ist ungewiss. Laut Katzurin sind die Verträge von Ted Scott, Robinson und Gibson bis zum Saisonende verlängert worden. Wöbke bestätigte dies am Sonntag. Wie dies mit seiner Äußerung, die er jüngst in dieser Zeitung gemacht hat, zusammenpasst, muss sich freilich noch zeigen: „Für jeden Spieler, den wir holen, müssten wir einen wegschicken.“

          Weitere Themen

          Reden wie der Bahnbabo

          Heute in Rhein-Main : Reden wie der Bahnbabo

          Peter Wirth, „Bahnbabo“ und Oberbürgermeisterkandidat, ist ein Hit bei Jugendlichen. Die Fastnachter blicken mit Sorge auf ihre Finanzen. Und ChatGPT wird die Welt verändern. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Wissen, wer der Babo ist

          „Bahnbabo“ im Wahlkampf : Wissen, wer der Babo ist

          Die Podiumsdiskussion zur Frankfurter Oberbürgermeisterwahl im Gymnasium Riedberg ist für den „Bahnbabo“ ein Heimspiel. Keiner der Kandidaten spricht die jungen Wähler so geschickt an wie der Straßenbahnfahrer Peter Wirth.

          Topmeldungen

          Die Sonne geht auf: Blick auf die Commerzbank und den Main in Frankfurt

          Comeback der Commerzbank : Von wegen „alte gelbe Bank“

          Die Rückkehr in den Dax krönt die Sanierung des Kreditinstituts. Es gibt einen Platz für die Commerzbank, wenn sie ihren klaren Fokus behält, mutig ist und die verbleibenden Baustellen abarbeitet.
          Der chinesische Ballon am 4. Februar vor der Küste von South Carolina

          Chinas Ballonfahrt : Das Misstrauen wächst

          Der Vorfall mit dem chinesischen Ballon über Nordamerika wird das Verhältnis zwischen Washington und Peking weiter belasten. Die Folgen können bis nach Europa reichen.
          Vielen zu teuer: Für 49 Euro pro Monat im Nahverkehr in ganz Deutschland nutzen

          Deutschlandticket : Das 49-Euro-Ticket ist vielen wohl zu teuer

          Von Mai an sollen Bürger für einen Festpreis den ganzen Nahverkehr im Lande nutzen können. Doch Forscher erwarten, dass nur eine Minderheit vom Auto in Busse, U- und S-Bahnen umsteigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.