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Frankfurt Skyliners : Ein Leichtgewicht für die schweren Würfe

  • -Aktualisiert am

Muli Katzurin, Trainer der Frankfurt Skyliners, könnte Larry Wright bald in den Profikader befördern. Bild: Bergmann, Wonge

Larry Wright ist drauf und dran, den Sprung von der zweiten in die erste Mannschaft der Frankfurt Skyliners zu schaffen. Er trifft oft aus großer Entfernung - aber er isst zu wenig.

          Klaus Mewes wusste um die Fähigkeiten des Aufbauspielers Larry Douglas Wright schon länger. Insofern traute der Basketballtrainer, der in der Vorsaison das Pro-B-Team der Fraport Skyliners betreute, dem Amerikaner in seiner Mannschaft den gewaltigen Sprung in die Bundesliga zu. Dort ließ dieser als namenloser Newcomer jüngst aufhorchen: Beim 89:80 der Frankfurter in Quakenbrück stand Wright mit 21 Punkten überraschend an der Spitze der Schützen - und das bei seinem erst zweiten Auftritt in neuer, sportlich viel anspruchsvollerer Umgebung. Natürlich wollte Mewes damals seine Mannschaft im Abstiegskampf der dritten Liga nicht schwächen, er sagt: „Ich war froh, Larry zu haben. Deshalb hatte ich keine Veranlassung, ihn nach oben zu komplimentieren.“ Mit knapp 17 Punkten und fast vier Rebounds im Schnitt war der Shooting Guard schließlich eine unverzichtbare Größe bei den „kleinen“ Skyliners.

          An die große Karriere in Frankfurt durfte er im Sommer trotzdem nicht denken, abermals erhielt der Fünfundzwanzigjährige nur einen Vertrag für die zweite Vereinsmannschaft. Doch jetzt könnte sein Traum vom späten Aufstieg an gleicher Stelle wahr werden: Unverhofft hat der geduldige New Yorker die Bundesliga-Bühne betreten - als sogenannter Aushilfsspieler mit der schönen Perspektive, zur gestandenen Kraft im Profikader zu werden. „Ich war ahnungslos“, sagt Wright und grinst. „Die Trainer geben mir die Chance - und ich möchte sie nutzen.“ Drei Möglichkeiten bieten sich ihm noch, sein Können auf der Position zwei zu zeigen. Anschließend treffen Cheftrainer Muli Katzurin und Sportdirektor Kamil Novak eine Entscheidung. Sehen beide seine Zukunft in der ersten Liga, wäre die Beförderung von Wright endgültig. Bei der herben Auftaktniederlage in Ludwigsburg konnte er sich allerdings noch nicht für höhere Aufgaben empfehlen.

          Mit der Rolle des „Go-to-Guy“ kennt Wright sich aus

          Ganz anders dann beim überraschenden Erfolg gegen Quakenbrück: Fünf erfolgreiche Dreipunktewürfe von acht Versuchen - in der Rolle des Topscorers machte Wright das, was er am besten kann. „Larry ist ein geborener Werfer“, findet Mewes. Ob in seiner Jugend oder später im College in Oakland, immer wies die Statistik des 1,88 Meter großen Spielers mit dem gewissen „Touch“ Werte von über 45 Prozent aus der Distanz aus. Mit der Rolle des „Go-to-Guy“ für die wichtigen Würfe kennt sich Wright also aus.

          Als Erstliga-Neuling gewann er schnell das Vertrauen seiner Mitspieler. So forderte ihn Quantez Robertson, der Kopf der jungen Mannschaft, auf, „immer zu schießen, wenn er frei ist“. Wright profitiert von der Qualität seiner neuen Kollegen, weil die ihn bei den Würfen besser in Position bringen. „Sie haben mich gefunden und mir dadurch das Selbstvertrauen gegeben“, sagt er. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich Wright durchsetzen kann, wenn sich die Gegner auf ihn eingestellt haben. Larry wer? Diese Frage wird sich der erste Heimgegner der Skyliners, der Aufsteiger Mitteldeutscher BC (MBC), an diesem Mittwoch (19.30 Uhr) in der Ballsporthalle nicht stellen. Mewes geht davon aus, dass sein früherer Schützling einen Erstliga-Vertrag erhält. Für beide Seiten wäre das eine glückliche Fügung. Das Budget der Skyliners, deren finanzielle Möglichkeiten in dieser Spielzeit begrenzt sind, würde wohl nicht belastet werden. Wright wiederum ist Nutznießer des großen Aderlasses auf seiner Position.

          Er zweifelt nicht an sich - aber er isst zu wenig

          Alles fing damit an, dass die Hessen ihre unumstrittene Stammkraft Jimmy McKinney an den Ligarivalen Würzburg verloren. Danach schockte Johannes Herber, der mitten in der Saisonvorbereitung seine Karriere beendete, die Vereinsverantwortlichen. Und Anthony Jones passte trotz mehrwöchigen Probetrainings am Ende nicht in das Konzept. „Alles kam irgendwie zusammen“, sagt Novak.

          Wright hingegen verdiente sich seine Chance durch überzeugende Vorstellungen in den Übungseinheiten und in den Testspielen. Nicht an sich zu zweifeln ist eine seiner Stärken. Seine Anpassungsfähigkeit zählt ebenfalls dazu. „Aber Larry neigt dazu, zu wenig zu essen“, sagt Mewes. Nur 78 Kilo wiegt Wright. „Es darf kein Wind durch die Halle fegen. Sonst fängt er von allein an zu fliegen.“ Kein Wunder, dass der Amerikaner das Trainingslager der Profis im italienischen Treviso genossen hat - auch wegen der guten Verköstigung.

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