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Frankfurt Skyliners : Die letzte Chance

  • -Aktualisiert am

Volle Konzentration bitte: Trainer Muli Katzurin fordert von seinen Profis noch einmal alles. Bild: Wonge Bergmann

Die Skyliners müssen gegen Ludwigsburg gewinnen, um den Abstieg zu verhindern. Verlieren sie, steht die Zukunft des Vereins auf dem Spiel.

          3 Min.

          Es war der erste Spieltag dieser Saison in der Basketball-Bundesliga (BBL), der 3. Oktober 2012. Die Spielzeit hatte für die Fraport Skyliners mit einer Auswärtspartie angefangen - und mit einer bitteren Niederlage. 56:74 unterlag das Team von Trainer Muli Katzurin am Tag der Deutschen Einheit. Es waren die ersten Signale, dass eine schwere Saison auf die Hessen zukommen würde. Kurz vor deren Ende steht fest: Es wird vielleicht sogar die schwerste in der Vereinsgeschichte. Denn an diesen Samstag schließt sich am letzten HauptrundenSpieltag der BBL der Kreis: Wieder ist Ludwigsburg der Gegner (Ballsporthalle, 20 Uhr/live auf Sport1). Und wenn es schlecht läuft für die Frankfurter, verlieren sie auch diese Partie. Dann stünde der erste Abstieg des 1999 in die Bundesliga gestarteten Klubs fest.

          Ein „Do or Die“-Spiel

          Und die Neckar Riesen aus Ludwigburg werden alles dafür tun, dass dieses Szenario genau so eintritt. Denn auch für sie geht es um alles. Die Schwaben verfügen als Vorletzter der Tabelle über 24:26 Punkte, die Skyliners als Drittletzter über 26:40. Gleicht Ludwigsburg nun aus, gilt das Kriterium des „direkten Vergleiches“. Der spricht für die Riesen, da sie das Hinspiel im Oktober gewannen. John Patrick, der Ludwigsburger Trainer, bringt es auf den Punkt: „Es gibt nicht viel zu sagen. Es ist ein ,Do or Die‘-Spiel. That’s it!“ Nachrechnen, auf andere Ergebnisse schauen, Zwischenstände kontrollieren - alles unnötig. Denn bei dieser Partie ist alles so einfach wie knallhart: Der Verlierer steigt ab.

          Der Frankfurter Trainer Muli Katzurin saß am Donnerstag mit ernster Miene bei der Pressekonferenz der Skyliners. Es wird vielleicht der letzte Auftritt des Israelis als Headcoach dieses Klubs sein. Denn die Frankfurter werden ihren Sparkurs auch dann weiterfahren müssen, wenn die Mannschaft den Abstieg verhindern kann. Die Annahme, dass Katzurin mit den ihm hier zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zufrieden ist, kann man als eher unwahrscheinlich betrachten. Seine Worte konnte man auch diesmal als eine diplomatische Feststellung der begrenzten Frankfurter Möglichkeiten interpretieren. „Wir bereiten uns auf jedes Spiel sorgfältig vor“, sagte Katzurin, „und dass dieses Spiel ein besonderes ist, muss ich niemandem extra erklären. Sonst wäre derjenige im falschen Beruf.“

          Vielleicht entscheidend: der Heimvorteil

          So werden die Frankfurter einfach tun, was sie können. Und eines können sie wirklich gut: verteidigen. „Wir haben neben Würzburg die beste Verteidigung der Liga“, sagte Katzurin, „darauf kann man auch stolz sein.“ Was noch für Frankfurt spricht: der Heimvorteil. „Es könnte ein entscheidender Faktor sein, dass wir in unserer Halle, vor unseren Fans spielen“, sagte Devin Gibson, der wiedergenesene Frankfurter Spielmacher. Die zurückliegende Partie gegen Trier war freilich ebenfalls ein Heimspiel. Das die Skyliners verloren, weshalb sie nun ums Überleben kämpfen.

          Nicht nur sportlich geht es um alles oder nichts. Sollten die Frankfurter den Gang in die zweite Liga antreten müssen, wäre dies bei der Realisierung des Baus einer Multifunktionshalle am Kaiserlei-Kreisel alles andere als förderlich. Das Projekt ist ohnehin ins Stocken geraten, die Ausschreibung ist seit vielen Monaten überfällig. Mal waren es verfahrenstechnische Probleme, mal verzögerten unterschiedliche Auffassungen über die Kapazitäten der Verkehrswege und der Parkplätze das Projekt, das Skyliners-Manager Gunnar Wöbke für überlebenswichtig für seinen Klub hält. Die Ballsporthalle biete seinem Team keine zeitgemäßen Vermarktungsmöglichkeiten. Diese Frage werden die Politiker sicher neu stellen, sollten die Frankfurter nun tatsächlich in der zweiten Liga landen.

          Bei Abstieg könnte auch Protest gegen die neue Arena steigen

          Schon jetzt zanken sich die Fraktionen. Jüngst forderte Roland Walter, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Offenbacher CDU, in der Tageszeitung „Offenbach Post“ „ein endgültiges Bekenntnis zur Beerdigung des Hallenprojektes“. Wöbke mag derzeit zu alldem nichts sagen. Noch nicht, muss man annehmen. Denn dass der Skyliners-Manager und Gesellschafter sogar einen Wegzug aus Frankfurt erwägt, sollte die neue Halle nicht gebaut werden, hat er schon erklärt. Dass die Widerstände gegen die Multifunktionsarena durch einen Abstieg der Skyliners wachsen würden, dürfte auch Wöbke klar sein.

          Freilich haben die Hessen noch einen Joker in der Tasche: eine Wildcard. Zwar hat die Basketball-Bundesliga sowohl der BG Karlsruhe als auch dem SC Vechta im Aufstiegsfall die Lizenz für die erste Liga erteilt. Nach oben kommt aber nur eines der beiden Teams. Und dies nur unter „umfangreichen Auflagen“ und „erheblichen Bedingungen“, wie BBL-Geschäftsführer Jan Pommer mitteilte. Düsseldorf ist schon aufgestiegen, aber die BBL hat dem vom ehemaligen Skyliners-Headcoach Murat Didin geführten Klub die Lizenz verweigert. Nun wollen die Rheinländer klagen.

          Wöbke versucht dies alles mit dem Blick auf das Schicksalsspiel auszublenden. Mit seiner Sicht der Dinge ist er sicher eine Ausnahmeerscheinung: „Ich freue mich richtig auf das Spiel. Es ist wie ein Finale bei einer WM. Und es bietet die unglaubliche Chance, sich zu positionieren.“

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