https://www.faz.net/-gzg-6zlwn

Frankfurt Skyliners : Achterbahnfahrer mit Substanz

Daumen hoch: Trainer Katzurin findet am Ende doch noch Gefallen am Spiel seiner Mannschaft. Bild: Bergmann, Wonge

Bei den Skyliners stehen vorerst vier Basketballprofis für die neue Saison unter Vertrag. „Der Spielermarkt ist gerade dabei, aufzuwachen.“

          Den Blick auf den Main, den Muli Katzurin am Donnerstagmittag beim Essen noch einmal genießen konnte, wird er demnächst tauschen mit der Aussicht auf das Mittelmeer. Denn bald kehrt der Trainer der Basketball-Bundesligamannschaft Frankfurt Skyliners zurück in seine Heimatstadt Tel Aviv. Dass der Headcoach des Teams, das am letzten Spieltag der Hauptrunde am Sonntag in Bonn den Sprung ins Play-off der Bundesliga verpasste, sich auch von dort aus um seine Frankfurter Aufgaben kümmert, ist klar. „Der Markt mit den Spielern ist gerade dabei, aufzuwachen“, sagt Katzurin. Er selbst wird hellwach sein müssen, um während dieser wichtigen Phase die richtigen Spieler zu den passenden Bedingungen nach Frankfurt holen zu können.

          Vieles deutet darauf hin, dass es bei den Skyliners der kommenden Saison wieder allerhand Veränderungen geben wird. Nur vier Profis haben einen Vertrag, der die nächste Spielzeit umfasst: der Amerikaner Quantez Robertson, Kapitän Marius Nolte, Flügelspieler Johannes Herber und Nachwuchsmann Danilo Barthel. Mit Tim Ohlbrecht, sagt Katzurin, sei eine Option für die Skyliners vereinbart worden, über die der Verein bis spätestens kommende Woche entscheiden werde. Was den großen Rest der Mannschaft betrifft, herrscht offenbar noch eine große Unsicherheit. Der Wunsch, möglichst viele Spieler der aktuellen Mannschaft zu halten, ist spürbar. Ob er auch erfüllbar ist? „Kontinuität ist immer gut“, sagt Katzurin, „unsere Möglichkeiten hängen aber auch von den wirtschaftlichen Bedingungen ab.“ Auch Sportdirektor Kamil Novak hält es für sinnvoll, auf das Fundament zu bauen, das sich in der zweiten Hälfte der Saison doch noch als überraschend stabil erwiesen hatte. „Wir würden am liebsten einen Großteil der Mannschaft halten“, sagt Novak. „Die zweite Saisonhälfte hat gezeigt, zu was das Team imstande ist.“

          Spannende Monate

          Von fast ganz unten bis beinahe unter die ersten acht hatten es die Frankfurter Achterbahnfahrer noch geschafft. Im Dezember standen sie als Siebzehnter der Tabelle auf einem Abstiegsrang, der Winter war eine packende Aufholjagd, bei der die Skyliners mit überraschenden Siegen wie denen über Bamberg, Quakenbrück oder Ulm glänzten, sich aber auch fatale Ausrutscher leisteten und gegen die Absteiger Göttingen und Gießen verloren. Trotz der verpassten Endrunde hat der Aufschwung den Hessen spürbar zu Mut verholfen. „Er hat gezeigt, zu was die Mannschaft in der Lage ist“, sagt Katzurin. Für die Anlaufschwierigkeiten nach dem sehr holprigen Saisonstart hat der Headcoach eine Erklärung: „So ein Verletzungspech, wie wir es da hatten, habe ich in meiner ganzen Laufbahn noch nicht erlebt.“ Vorsichtsmaßnahmen gegen so großes Pech könne man nicht treffen, sagt Katzurin. Was sicher auch an den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Klubs liegt. Wie hoch die Skyliners in der kommenden Saison fliegen werden, hängt sicher auch von Hauptsponsor Fraport ab. Katzurin hat jedenfalls einige Wunschkandidaten, die er im Oktober beim Ligastart gerne in seiner Mannschaft sehen würde. Einer von ihnen ist sicherlich Jermareo Davidson, den der Skyliners-Trainer schätzen gelernt hat, nachdem der Amerikaner seine Verletzungsprobleme überwunden hatte. „Er ist ein hochtalentierter Spieler, ein Typ mit sportlicher Finesse, der weniger von seiner Athletik, aber dafür um so mehr von seiner Beweglichkeit und Technik profitiert.“ Dass Davidson nach seinem ersten Jahr in der Bundesliga im zweiten mehr Geld verdienen will, liegt auf der Hand. Halten würde Katzurin auch gerne einen Spieler, der einmal gesagt hat, er sei ein „Skyliner fürs Leben“: Jimmy McKinney. Der 30 Jahre alte Flügelspieler hat gerade seine fünfte Saison am Main hinter sich gebracht. „Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn gerne in der Mannschaft hätte in der kommenden Saison“, sagt Katzurin. Doch McKinney scheint sich anders zu orientieren. „Zur Zeit schalten sich gerade die Manager und Agenten ein, die bei solchen Verhandlungen natürlich mitreden wollen“, erklärt der Frankfurter Headcoach.

          Die kommenden Monate werden also wieder spannend für die Verantwortlichen bei den Skyliners. Wer wird der Spielmacher Nummer eins? Werden die Frankfurter unter dem Korb wieder Größe zeigen und einen starken Center verpflichten? Die Antworten müssen bis zum August gegeben worden sein, wenn Katzurin mit seiner Mannschaft ein Trainingslager beziehen will. „Das ist der Vorteil, wenn man nicht ins Play-off gekommen ist“, sagt der Frankfurter Trainer. „Man hat mehr Zeit, die kommende Spielzeit vorzubereiten.“

          Weitere Themen

          BVB tankt Selbstvertrauen vor Barça-Duell

          Stärke gezeigt : BVB tankt Selbstvertrauen vor Barça-Duell

          Aus heftiger Kritik wird überschwängliches Lob. Der BVB zeigt nach der Niederlage bei Aufsteiger Union Berlin seine bisher beste Saisonleistung. Der deutliche Erfolg gegen Leverkusen macht Hoffnung auf ein „Fußball-Fest“ in der Champions League.

          Topmeldungen

          Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei der Stimmabgabe

          Wahl in Israel : Netanjahus Zukunft ungewiss

          Ausweg große Koalition? Zum zweiten Mal binnen fünf Monaten haben die Israelis ein neues Parlament gewählt. Ergebnis ist ein Nahezu-Patt zwischen Benjamin Netanjahu und seinem Herausforderer.
          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.
          Demnächst möglicherweise seltener zu sehen: „Zu vermieten“-Schild an einem Haus in Berlin-Schöneberg.

          F.A.Z. exklusiv : Mietendeckel schadet den Mietern

          Der Mietendeckel in Berlin soll das Wohnen bezahlbar halten. Doch die Studie eines renommierten Forschungsinstituts zeigt jetzt: Tatsächlich könnte er genau das Gegenteil bewirken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.