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Revisionsurteil in Frankfurt : Beinahe ein Mordversuch

Das Landgericht in Frankfurt hat einen 43 Jahre alten Mann zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt (Symbolbild). Bild: dpa

Das Frankfurter Landgericht hat einen 43 Jahre alten Angeklagten zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Er hatte einem Mann 2016 ins Bein geschossen.

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          Das Landgericht hat einen 43 Jahre alten Mann, der im Februar 2016 einem Mann ins Bein geschossen hatte, zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Ein Jahr muss der Angeklagte in Haft, den Rest der Zeit in eine Entziehungsanstalt. Er ist schwer alkoholabhängig und hat seit seiner Jugend Drogen konsumiert. Vor der Tat hatte er Kokain genommen, ein Alkoholtest ergab 3,1 Promille.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie mehrfach berichtet, waren die Schüsse nach einer Diskussion zwischen dem Angeklagten und seinem späteren Opfer gefallen; in dem Streit ging es um die Situation der Kurden in der Türkei. Das ursprüngliche Urteil in diesem Fall, 2017 von einer anderen Kammer des Landgerichts gefällt, hatte der Bundesgerichtshof zum Teil aufgehoben, weshalb neu verhandelt wurde.

          Bereits viele Vorstrafen

          Wie der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung sagte, ist die Tat „haarscharf am versuchten Heimtücke-Mord vorbeigeschrammt“. Der Angeklagte habe das Opfer in die Nähe seiner Wohnung gelockt, um dort seinen Revolver zu holen, den er zudem ohne Berechtigung besaß. Die Waffe befand sich in einem Versteck im Dachboden, zu dem der Mann über eine Leiter hinaufkletterte, während das Opfer nichtsahnend im Hof wartete. „Diesen Willen muss man erst mal haben“, sagte der Richter und sprach von einer Tat „mit Exekutionscharakter“. Der Angeklagte hat eine ganze Reihe an Vorstrafen, bei denen Alkohol und Waffen eine Rolle spielten. Der Richter mahnte ihn deshalb, endlich sein Verhältnis zu Waffen und Gewalt zu klären.

          In dem Verfahren gestand der Mann die Schüsse und einigte sich mit dem Opfer auf ein Schmerzensgeld von 10000 Euro. Ein Psychiater schätzte den Angeklagten wegen einer möglichen Persönlichkeitsstörung und seines Drogenkonsums als vermindert schuldfähig ein und riet zur Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Dieser Empfehlung folgte das Gericht. Es berücksichtigte bei der Strafe sowohl die Tatsache, dass sich der Angeklagte schon freiwillig in eine Therapie für Alkoholiker begeben hat, als auch die schwerwiegenden Folgen für das Opfer, das durch die Tat berufsunfähig geworden ist. „Sie sollten das Urteil als Hilfe sehen, nicht als Strafe“, sagte der Vorsitzende Richter abschließend zum Angeklagten. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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