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Salsa auf dem Mainkai : Karibische Tanznächte sind lang

  • -Aktualisiert am

Fast wie in Havanna: Am Mainufer treffen sich Könner und Anfänger. Bild: Tom Wesse

Wer die Salsa-Tänzer in Frankfurt beobachtet, kann in Urlaubsstimmung kommen. Doch die Tänzer suchen noch immer einen Platz auf Dauer.

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          Auf dem derzeit gesperrten Mainkai hat die Stadt für Basketballer, Tennis- oder Schachspieler bunt bemalte Spielflächen anlegen lassen. An die Latin Dancer, die vor einem Jahr ihren Platz an der Gedenkstätte für die deportierten Juden vor der Europäischen Zentralbank räumen mussten, hatte jedoch keiner gedacht. Jetzt haben sie sich den Raum für ihren lebensfrohen Tanz wieder erobert. Am Samstag bewegten sich viele Paare vor dem Historischen Museum auf dem Mainkai im Salsa-Rhythmus – getanzt wurde zu Livemusik der einheimischen kubanischen Community. Ein DJ mit einer Salsa-Tanzgruppe aus Darmstadt war für Vorführungen zusätzlich eingeladen worden.

          „Das ist der Mittelpunkt der Stadt, mit dem Eisernen Steg und dem Main. Besser geht es nicht“, sagte die Organisatorin, die Frankfurter Tanzlehrerin Mariluz Fuente, über die Premiere am Mainkai. Auch Ungeübte mischten sich einfach unter die Tanzenden, entspannter hätte die Atmosphäre auch in Havanna kaum sein können.

          Verheißungsvolle Aussichten

          Noch bis zum 5. September soll der Mainkai zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke gesperrt bleiben. Nach dem Beschluss der Römer-Koalition soll das künftig immer während der Sommerferien der Fall sein. Außerdem sollen dort zu einem noch zu bestimmenden Zeitpunkt alle Kraftfahrzeuge täglich von 19 bis 6 Uhr, an allen Wochenenden und Feiertagen verbannt bleiben.

          Eigentlich verheißungsvolle Aussichten für die Latin Dancer, die den Mainkai gerne öfter nutzen würden, wie Fuente hofft. Für den Auftritt am Samstag hatten die Salsa-Tänzer eine Genehmigung der Stadt eingeholt. Mit Rücksicht auf die Anwohner war nur eine „Matinée cubana“ erlaubt – von 17 bis 22 Uhr.

          „Man fühlt sich wie ein Landstreicher“

          Auf der EZB-Gedenkstätte hatte die Stadt das Tanzen verboten. Von der früheren Großmarkthalle, die heute Teil der Europäischen Zentralbank ist, wurden in der Nazizeit Tausende von Frankfurter Juden mit Zügen in die Vernichtungslager abtransportiert. Daran erinnert die Gedenkstätte an der EZB. Seitdem dort das Tanzverbot ausgesprochen wurde, sucht die Salsa-Community nach einem anderen Ort am Main. Beim Tanzen an der Honsellbrücke im Ostend komme man aber dem dort ansässigen Kunstverein Montez in die Quere, sagt Leo Tobias, der ebenfalls zu den Organisatoren der Frankfurter Salsa-Szene gehört. An der Deutschherrnbrücke wiederum nahe dem Hafenpark, wo auch schon in diesem Sommer getanzt wurde, gebe es seit Längerem schon Beschwerden von Anwohnern und einer Bürgerinitiative. „Man fühlt sich wie ein Landstreicher, der ständig verscheucht wird“, klagt Tobias.

          Bleibt der alte Uni-Campus in Bockenheim, den die Stadt den Streetdancern aus der Latin-Szene nach dem Tanzverbot an der EZB zugewiesen hat. Am Freitagabend waren dort immerhin noch fast 100 Menschen versammelt. Aber der unebene Boden auf dem alten Campus erschwert das Tanzen. Der öde Platz lässt auch jegliches Ambiente vermissen. Der alte Campus sei bei den Tänzern nicht besonders beliebt, bestätigte der Bockenheimer DJ, Künstlername Nobody, der an diesem Abend auflegt.

          „Wir wollen einen attraktiven und dauerhaft nutzbaren Platz haben“, lautet daher die Forderung von Leo Tobias an die Stadt. Die Salsa-Tänzer wissen, dass es nicht einfach ist, einen solchen in der Innenstadt zu finden. Karibische Tanznächte sind meist lang, die Proteste der Anwohner lassen daher nie lange auf sich warten. Auch der Mainkai könnte daher nur ein Sommer-Intermezzo sein. Die Latin Dancer hätten die Hoffnung auf eine für sie akzeptable Lösung zwar noch nicht aufgegeben, sagt Tobias, „aber viele fahren inzwischen nach Mainz-Kastel“. Das Rheinufer gilt derzeit als der neue attraktive Hotspot für Salsa-Tanzen in der Region.

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