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Rudergesellschaft Germania : Im Fluss der Zeit

Viel Wasser ist in 150 Jahren den Main heruntergelaufen, die Rudergesellschaft Germania ist immer noch da. Bild: dpa

In einer Flößerhütte am Main fing es an: Vor 150 Jahren wurde die Frankfurter Rudergesellschaft Germania gegründet und blickt auf eine stolze Vergangenheit zurück.

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          Vier Schirme sind auf der Terrasse des Bootshauses aufgespannt. Unten im Hof sitzt Stephan Bub. Mit geöffneten Handflächen weist er hinauf zum Vereinssitz. „Dieses Bootshaus ist ein gesellschaftliches Gebäude“, sagt er. Während die Terrasse sich an diesem Morgen wie ein Stillleben ausnimmt, ist unten auf dem Hof Bewegung. Junge Leistungssportler kehren vom Training auf dem Main zurück. Wenig später spaziert eine Schulklasse lärmend zu den Booten im Erdgeschoss.

          Bub ist der 30. Vorsitzende der Frankfurter Rudergesellschaft Germania (FRG), die an diesem Montag (am 15. 7. 1869) vor 150 Jahren gegründet worden ist. Das Vereinsleben spielt sich auf zwei Ebenen ab. In den gesellschaftlichen Räumen des ersten Stockwerks und in den Etagen darunter, wo die Boote lagern und im Winter an Geräten trainiert wird. Unterm Strich konnte die FRG ihr hohes sportliches Niveau immer halten. Der gesellschaftliche Glanz früherer Tage hingegen ist etwas verblasst. Der Saal im ersten Stock zeugt von der großen Vergangenheit: Knarzende Eichendielen, Kamin, daneben ein aus Silber getriebenes Schiff. Doch das Bürgertum, das sich einst in der Germania versammelte, gibt es so nicht mehr. „Die Germania war immer ein Abbild der Stadtgesellschaft“, sagt Bub. Ihre Geschichte lehrt viel über Frankfurt im Fluss der Zeit.

          Selbstorganisation des Bürgertums

          Thomas Bauer vom Institut für Stadtgeschichte legt einen dicken Ordner vor sich auf den Tisch. „Das Vereinswesen war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine wichtige Form der Selbstorganisation des Bürgertums“, sagt der Historiker. Bedeutend seien die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft, der Städelsche Museumsverein, der Rennklub und eben die Germania gewesen. Hier sei das Bürgertum zusammengekommen, zu dem nur rund zehn Prozent der Stadtgesellschaft gehörte. In der Germania hätten sich besonders Kaufleute, Bankiers und Handwerksmeister versammelt. Auf der Mitgliederliste der ersten Jahrzehnte stehen viele große Frankfurter Namen: von Bethmann, von Metzler, Oppenheimer, Binding, Henninger, Brüning oder Familie von Opel. Oberbürgermeister Franz Adickes, Philipp Holzmann oder Wilhelm Merton engagierten sich. Bauer denkt kurz nach, um über eine Frage zur Gegenwart nachzudenken. Was macht das Bürgertum heute aus, wo doch jeder dazugehört? In unseren Tagen, sagt Bauer, müsse jeder Einzelne eine Entscheidung treffen: „Will ich Einwohner oder Bürger sein?“

          Sportlich und gesellschaftlich ein wichtiges Ereignis: die Frankfurter Regatta 1910

          Ganz so staatstragend sind die Ambitionen der Jugendlichen, die sich im Jahr 1869 zum Rudern verabreden, vermutlich noch nicht. In einer Flößerhütte unterhalb des Eisernen Stegs in Sachsenhausen lagern sie damals ihre Boote mit den Namen „Vasco da Gama“ und „Germania“. Mehr als 30 Jahre zuvor hatte sich in Hamburg der erste Ruderklub Deutschlands gegründet, auch der Frankfurter Ruderverein bestand schon vor der Gründung der Germania. Der junge Verein findet dank bemerkenswerter Anfangserfolge früh Unterstützer. Im August 1880 startet ein Germania-Achter bei der berühmten Henley-Regatta und macht in einem Rennen den zweiten Platz hinter dem London Rowing Club. Zwei Jahre später richten die Frankfurter den ersten deutschen Rudertag aus und schmieden Pläne zur Gründung des Deutschen Ruderverbandes. Bei diesen ersten deutschen Meisterschaften wird der Germane Achilles Wild „Meister von Deutschland“. Im Juli 1886 wird das Klubhaus am „Schaumainkai 65“ eingeweiht.

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