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Frankfurt - die wachsende Stadt : Renaissance der Region

Großstadt im Blick: Jahrzehntelang war das Umland, wie der Vordertaunus bei Bad Homburg, eine beliebterer Ort zum Wohnen als die Großstadt. Bild: Wolfgang Eilmes

Frankfurt kann sein Bevölkerungswachstum allein nicht bewältigen. Das Umland könnte profitieren, wenn es alte Fehler nicht wiederholt.

          6 Min.

          Was kostet der Quadratmeter? Wann kann ich anfangen zu bauen? Habe ich schnelles Internet, und wie sieht es mit der Kinderbetreuung aus? Das waren die Fragen, die auf den Rodgauer Bürgermeister Jürgen Hoffmann einprasselten, als er unlängst an einem Informationsabend ein geplantes Neubaugebiet für Familien im Stadtteil Hainhausen vorstellte. Der SPD-Politiker weiß, die Grundstücke werden wegen des S-Bahn-Anschlusses und trotz eines Quadratmeterpreises von 400 Euro „weggehen wie geschnitten Brot“.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und auch in Friedberg, der Kreisstadt des Wetteraukreises, werden auf einem zentrumsnahen Gelände, auf dem einst amerikanische Offiziere wohnten, 600 bis 700 neue Wohnungen entstehen. 116 davon baut die städtische Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG. „Das ist eine Entwicklung, die wäre so vor zwei Jahren undenkbar gewesen“, sagt Bürgermeister Michael Keller. Er plant schon, zusätzlich ein früheres Kasernengelände zu entwickeln, für immerhin 5000 Neubürger.

          Auch Keller, ein SPD-Politiker, setzt auf die gute Bahn-Bindung, „man ist in 21 Minuten am Frankfurter Hauptbahnhof“, aber auch auf den Charme der Kleinstadt und darauf, dass nicht jeder, der am liebsten in Frankfurt wohnen möchte, sich das Leben in der Großstadt leisten kann.

          Investoren werden vorsichtiger

          Die spannende Frage lautet, ob die Projekte in der Wetterau und im Kreis Offenbach eine kleine Trendwende anzeigen, nachdem jüngst Frankfurt innerhalb der Region immer stärker gefragt war. Die Bautätigkeit in der Rhein-Main-Region hat sich in den vergangenen 15 bis 20 Jahren durchaus dramatisch verschoben. Noch zur Jahrtausendwende entstanden im Umland 80 Prozent der Neubaugebiete, 20 Prozent der Bautätigkeit entfiel auf Frankfurt. Heute entstehen in Frankfurt die Hälfte aller Neubauten und die andere Hälfte zusammen in den 74 Regionalverbandskommunen. Durch die Neubaugebiete in Frankfurt, den Riedberg, den Preungesheimer Bogen und das Europaviertel beispielsweise, hat sich der Schwerpunkt des Bauens vom Umland in die Großstadt verschoben. Parallel dazu sind die Investoren vorsichtiger geworden, was Engagements im Umland angeht.

          Neubauten im Umland I: Auf der Hafeninsel in Offenbach hat die Wohnungsbaugesellschaft ABG im Auftrag der Stadt 178 Wohnungen gebaut.

          Dass sich die Bautätigkeit zugunsten der Metropole verschoben hat, spiegelt sich im Bevölkerungswachstum der vergangenen drei Jahre wider. Im Gebiet des Regionalverbands ist die Bevölkerungszahl um 2,3 Prozent oder insgesamt 49.000 Einwohner gestiegen. Davon sind 25.000, also mehr als die Hälfte, nach Frankfurt gezogen. In der Großstadt stieg die Einwohnerzahl allein seit 2011 um 3,8 Prozent an.

          Berufstätige Eltern brauchen kurze Wege

          Deuten die Projekte in Rodgau und in Friedberg also auf eine „Renaissance des Umlandes“ hin, zumindest auf eine kleine? Trendforscher Christian Rauch vom Frankfurter Zukunftsinstitut berichtet jedenfalls: „Wir denken eigentlich schon wieder über die Zukunft der Kommunen außerhalb der Großstadt nach“ und nicht mehr über den Trend „zurück in die Stadt“. Eine Wiederkehr jener Zeiten, als praktisch jedes neue Baugebiet im Umland ein Erfolgsschlager war, wenn nur der Bodenpreis stimmte, ist jedenfalls unwahrscheinlich. Die Lage wird wichtiger werden. Und deshalb werde es im Umland Verlierer-Kommunen und Verlierer-Stadtteile geben, sagt Rauch. Diese Entwicklung gilt sogar für Frankfurt, wo längst nicht jeder Stadtteil vom Boom profitiert.

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