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Frankfurt : Rasende Radler in der Fußgängerzone

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Fußgänger und Radfahrer kommen sich vielerorts leicht in die Quere. Gegenseitige Rücksichtnahme ist angesagt. Bild: dpa

Rasende Radler und flanierende Fußgänger - ein ewiger Zankapfel in hessischen Innenstädten. Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit lebt der Konflikt wieder auf. Vielerorts klappt das Nebeneinander aber auch erstaunlich reibungslos.

          Radfahrer in der Fußgängerzone - für so manchen Passanten ein einziges Ärgernis. Denn viele haben ein ordentliches Tempo drauf und fahren oft nur knapp an Fußgängern vorbei, wie im Slalom. „Sicher gibt es immer Einzelne, die mit so einer Regelung nicht verantwortlich umgehen“, sagt Eike Schulz vom Radfahrbüro der Stadt Frankfurt. „Und die bleiben manchem behelligten Passanten dann stärker in Erinnerung als die anderen Radfahrer.“

          Auf Hessens größter Einkaufsmeile, der Frankfurter „Zeil“, ist Radfahrern grundsätzlich erlaubt - in Schrittgeschwindigkeit. Wer es eilig hat, kann - allerdings nicht so gut ausgeschilderte - Parallelwege fahren. Andere Städte in Hessen sind da strenger oder nicht so attraktiv, weil sie - wie Marburg - zu hügelig sind oder Kopfsteinpflaster die Radler stoppt.

          „Es gibt immer mal Konflikte“

          In der Fußgängerzone in Darmstadts Stadtmitte mit dem Wahrzeichen „Langer Ludwig“ sind Fahrradfahrer auch erlaubt - und sie können radeln, wie sie wollen. Denn ein Radweg fehlt. Dafür sind auch noch Taxen, Busse und Straßenbahnen unterwegs. Wer zu Fuß ist, für den kann es ein gefährliches Pflaster werden. Stadt-Sprecherin Sigrid Dreiseitel appelliert an gegenseitige Rücksichtnahme: „Es gibt immer mal Konflikte. Das hat aber auch damit zu tun, dass sich Fußgänger und Radfahrer dann sehr egoistisch verhalten.“ Denn: „Es gibt relativ wenige echte Gefahrensituationen oder gar Unfälle.“

          Allerdings gibt es auch in Darmstadt drei Ausnahmen: In zwei sehr engen Straßen müssen die Radler vor 21 Uhr schieben. „Sonst wird es zu eng und keiner kann ausweichen.“ Die dritte Ausnahme ist die steile Wilhelminenstraße, auf der Radfahrer unter Umständen nicht mehr rechtzeitig bremsen könnten, wenn sie bergab fahren.

          „Die Räder müssen zusammen mit dem Lieferverkehr raus“

          Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Hessen, Volkmar Gerstein, appelliert auch an die Radfahrer, den Fußgängern Vorrang zu gewähren und Schrittgeschwindigkeit zu fahren. „Die Leute erschrecken sich, wenn man im Slalom durch die Fußgängerzone brettert.“

          Wiesbaden hat für radelnde Schulkinder Tangenten durch die Fußgängerzone eingerichtet. „Sie müssten sonst auf die stark befahrenen Straßen ausweichen“, sagt die Leiterin des Straßen- und Verkehrsamts, Ariane Patzelt. Auf den großen Einkaufmeilen ist Radfahren tagsüber aber nicht erlaubt: „Die Räder müssen zusammen mit dem Lieferverkehr raus.“ Von 11.00 bis 20.00 Uhr ist radfreie Zone. Dies ist allerdings nicht an allen Zufahrten erkennbar. „Und es gibt trotzdem welche, die so schnell und rücksichtslos fahren, dass das schon Thema im Seniorenbeirat war.“

          „Unfälle sind selten, Konflikte dagegen häufig“

          Die Kasseler Königsstraße ist von 11.00 bis 19.00 Uhr für Radfahrer - nicht aber für den Linienverkehr - ebenfalls tabu, wie Stadt-Sprecherin Petra Bohnenkamp sagt. „Gequert werden darf sie aber.“

          In Gießen müssen die Radfahrer in der Fußgängerzone schon ab 9.00 Uhr schieben, zehn Stunden später dürfen sie wieder aufsteigen - aber nur im Schritttempo in die Pedale treten, wie die Sprecherin der Universitätsstadt, Claudia Boje, berichtet. „Unfälle sind selten, Konflikte dagegen häufig.“ Denn: „Viele Radfahrer halten sich nicht unbedingt an die Uhrzeiten und auch nicht an das Gebot der Schrittgeschwindigkeit.“ Die Polizei kontrolliere die Radfahrer immer mal wieder und spreche auch mündliche Verwarnungen aus. „Wir versuchen so für mehr Aufklärung zu sorgen.“

          In Hanau ist die belebte Hammerstraße für Radfahrer ganz gesperrt, wie Joachim Haas-Feldmann von der Stadt berichtet. Die meisten nutzten die Parallelstraße, in der auch der Bus verkehrt. Andere Fußgängerstraßen seien dagegen für Radfahrer erlaubt. „Das ist hier kein größeres Konfliktthema.“

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