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Anti-Terror-Konzept : Frankfurt prüft versenkbare Barrieren für Zeil

Abgesperrt: Betonbarrieren beim Museumsuferfest in Frankfurt Bild: Helmut Fricke

Sicherheitsdezernent Markus Frank sagt: Frankfurt braucht ein Anti-Terror-Konzept. Feste Sperren an bestimmten Orten in der Stadt sollen mobile ersetzen.

          2 Min.

          Um künftig gegen terroristische Angriffe besser geschützt zu sein, sollen stark frequentierte Plätze in Frankfurt mit Barrieren versehen werden. Wie Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) gestern mitteilte, gibt es derartige Überlegungen schon länger. Nach dem Anschlag in Nizza sei es zunächst einmal darum gegangen, die großen Stadtfeste durch mobile Betonpoller abzusichern, so dass es nicht möglich sei, mit größeren Fahrzeugen in Menschenmengen hineinzurasen. „Das allein reicht aber noch nicht aus“, sagte Frank. „Wir brauchen an neuralgischen Orten fest installierte Barrieren. Das können versenkbare Poller oder auch Tore sein.“ Im nächsten Monat findet ein Treffen zwischen Sicherheitsdezernat und Polizei statt, an dem auch Vertreter des Stadtplanungsamts und des Straßenverkehrsamts teilnehmen. Laut Frank soll es dann um eine mögliche Realisierung der Pläne gehen.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
          Theresa Weiß
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dem Vernehmen nach hat die Landespolizei schon vor einiger Zeit eine Liste mit „gefährdeten Straßen und Plätzen“ erarbeitet. Auf dieser Grundlage soll geprüft werden, an welchen Orten feste Barrikaden installiert werden könnten. Frank betont, es gehe nicht darum, „Frankfurt in eine Festung zu verwandeln“. Der sogenannte Perimeterschutz solle nur an ausgewählten Standorten eingesetzt werden. Es müsse aber „ein kontinuierlicher Prozess sein, die Stadt sicherer zu machen“. Dazu brauche man ein einheitliches Konzept. Für Großbanken und andere schützenswerte Gebäude seien schon Vorkehrungen getroffen worden, „nun stellt sich die Frage, wo man sonst in der Stadt noch nachrüsten muss“.

          Freßgass’, Hauptwache, Römerberg

          Welche Orte auf der Liste stehen, wird noch nicht öffentlich bekanntgegeben. Dem Vernehmen nach sind die Zeil, die Freßgass’, die Hauptwache, der Römerberg und der Paulsplatz genannt – also die prominentesten Orte der Stadt. Möglicherweise werden auch der Mainkai und der Schaumainkai in die Überlegungen einbezogen. Allein schon der Aufwand, zum Museumsuferfest Dutzende von mobilen Betonsperren aufzustellen, ist enorm. Wie gestern zu hören war, wird in diesem Jahr auch der Weihnachtsmarkt mit Betonpollern eingefriedet. Damit soll sichergestellt werden, dass der Markt auf dem Römerberg und dem Paulsplatz von keiner Seite aus angegriffen werden kann.

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          Aus dem Planungsdezernat war gestern zu hören, über versenkbare Poller berate der im Dezernat angesiedelte Arbeitskreis Sicherheit schon länger. Es gebe aber „keine Pauschallösung“, da die Anforderungen an jedem einzelnen Ort sehr unterschiedlich seien. An den Eingängen der Zeil etwa wäre es schwierig, Barrieren zu errichten, so ein Sprecher. Schließlich müsse es weiterhin uneingeschränkt möglich sein, dass Geschäfte mit Lieferwagen angefahren würden. Zudem sei es nicht erstrebenswert, die Haupteinkaufsstraße „zuzubetonieren“. Die Barrieren müssten auch ins Stadtbild passen. „Diese ästhetischen Argumente kenne ich und nehme sie ernst“, sagte Frank. Es sei deshalb wichtig, die Möglichkeiten an jedem Ort genau abzuwägen. „Insgesamt wird es aber eine gute Investition sein, weil es auch auf das Sicherheitsgefühl der Bürger Einfluss hat.“

          Dass aber Poller, ob versenkbar oder nicht, im Zweifelsfall nicht ausreichen werden, das hat die Polizei mehrfach deutlich gemacht. Sie fordert unter anderem, an der Hauptwache und auf der Zeil Videokameras zu installieren, um verdächtige Aktivitäten schnell erkennen zu können. Ein Sprecher sagte gestern, die Erfahrung habe gezeigt, dass islamistisch motivierte Attentäter immer wieder neue Strategien und Methoden suchten, um möglichst viele Menschen zu töten. Ebenso wichtig wie Barrieren sei deshalb die „soziale Kontrolle“. Es sei nicht zu unterschätzen, wie wichtig Hinweise von Bürgern sein können. „Die meisten Menschen haben einen sehr guten Blick dafür, ob sich jemand verdächtig verhält.“

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