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Mord im Niddapark : Von Marmorfliesen, Handtaschen und einem Alibi

Vor Gericht: Jan M. soll sein Opfer mit 21 Messerstichen ermordet haben. Bild: Helmut Fricke

Vor mehr als einem Jahr ist Irina A. im Frankfurter Niddapark ermordet worden. Auch nach dem vierten Prozesstag bleiben vielen Fragen offen. Die Lebensgefährtin des mutmaßlichen Täters gibt Rätsel auf.

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          Zu rekonstruieren, was in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 2018 im Niddapark geschehen ist, wird für das Landgericht wohl eine noch schwierigere Aufgabe als ohnehin angenommen. Ob in der Grünanlage das Opfer Irina A. und der des Mordes angeklagte Jan M. aufeinandertrafen oder ob dessen 29 Jahre alte Geschäftspartnerin von einem unbekannten Dritten getötet wurde, wie es die Verteidigung als möglich darstellt, ist weiterhin offen.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am vierten Verhandlungstag sagte die Frau aus, die bis zu M.s Verhaftung dessen Lebensgefährtin war. Ob sie es noch ist, blieb gestern unklar, wie so vieles andere auch. Nachdem die Dreißigjährige mehr als eine Stunde ziemlich munter im Zeugenstand erzählt hatte, wie das Leben mit dem Gastronomen so verlief, zog ihre Rechtsanwältin die Notbremse. Auf ihren Rat hin verweigerte die Frau fortan die Aussage mit der Begründung, sie könnte sich damit selbst belasten. Gegen sie wird wegen des Verdachts der versuchten Strafvereitelung ermittelt. Sie hatte dem Angeklagten für die Nacht ursprünglich ein Alibi gegeben.

          Das sei ein Irrtum gewesen, sie habe die Tage verwechselt, unter anderem, weil sie einen Tag später als gewöhnlich ins Fitnessstudio gegangen sei, sagte sie zu Beginn ihrer Vernehmung. Dann berichtete sie, ehe sie plötzlich schwieg, vom Abend des 8. Mai als einem, den sie gemeinsam mit Jan M. recht geschäftig in dessen Maisonettewohnung im Westend verbracht habe. Da waren noch bis gegen 22 Uhr die Handwerker, die einfach nicht fertig wurden mit den von ihr gewünschten neuen Bodenfliesen aus Marmor. Dann habe man noch saubergemacht, ein Bett aufgebaut, Fernsehen geschaut, geduscht, Haare geföhnt und geglättet, bis es schon kurz vor Mitternacht gewesen sei. Der Plan, schick essen zu gehen, schnurrte nach Angaben der Zeugin auf die Online-Suche nach einem Lokal zusammen, das zu dieser Zeit noch den von ihr bevorzugten Hähnchensalat anbot.

          Details zur Tat

          Um es etwas abzukürzen: Zu Hause seien sie wieder gegen 1.30 Uhr gewesen und dann zu Bett gegangen. Nachts habe ihr Lebensgefährte etwas mit dem Handy gemacht, wovon sie aufgewacht sei. Als sie ihrer Erinnerung nach noch einmal aufwachte, sei er nicht mehr da gewesen. Erst gegen 8 Uhr, als sie aufgestanden sei, habe sie ihn wiedergesehen.

          Kurz nach dem Mord im Niddapark: Blumen, Grablichter und Porträts sollen in der Nähe des Tatorts an das Opfer erinnern.

          Die Verteidigung hatte zu Prozessbeginn vorgetragen, M. sei nachts, weil er keine Nachricht von Irina A. erhalten habe, aus Sorge aufgebrochen, um sie im Niddapark zu suchen, wo man schon in der Nacht zuvor gemeinsam einen Mann habe treffen wollen. Er habe die Leiche von A. gefunden und sei wieder weg, weil er befürchtet habe, man werde ihn verdächtigen.

          Die Staatsanwaltschaft nimmt an, M. habe seine Geschäftspartnerin im Streit um ein hohes Darlehen ermordet, das er ihr nicht habe zurückzahlen können. Befragt zu dessen finanziellen Verhältnissen, sagte gestern seine Lebensgefährtin, diese seien, soweit sie es beurteilen könne, sehr gut gewesen. Woraus sie das schließe, wollte Kammervorsitzender Volker Kaiser-Klan wissen. Aus den schönen und teuren Urlauben oder den Geschenken, die er ihr gemacht habe. Zum Beispiel? Schmuck und Handtaschen zu Geburtstag oder Weihnachten. Wie teuer? Zwischen 3000 und 8000 Euro. Die Chance wollte sich der Richter nicht entgehen lassen: „Sagen Sie mal“, fragte er die Zeugin, „machen Handtaschen eigentlich glücklich?“ „Glücklich nicht, aber Freude“, war die Antwort. „Ich kann Ihnen mal eine leihen.“ Kaiser-Klan hob abwehrend die Hände.

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