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Nachtbürgermeister in Hessen : Neutral, empathisch, kreativ

  • -Aktualisiert am

Blick von außen: Hendrik Meier arbeitet 28 Stunden die Woche für die Stadt. Bild: privat

Das Regierungsbündnis im Römer setzt sich dafür ein, dass Frankfurt einen Nachtbürgermeister einstellt. Seine Aufgabe soll es sein, das hektische Nachleben zu beruhigen. Mannheim hat bereits ein solches Amt geschaffen. Mit Erfolg?

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          Mannheim hat ihn schon, die Wiesbadener Jugend will ihn gerne, Frankfurter Parteien haben ihn beantragt – den Nachtbürgermeister. Nach Wunsch der schwarz-rot-grünen Koalition soll er „ein Kümmerer, ein Vermittler“ sein. So steht es in einem Haushaltsantrag. Da kann es nicht schaden, den Mannheimer Nachtbürgermeister Hendrik Meier zu fragen, wie seine Arbeit aussieht.

          Dessen Amtszeit begann im August 2018, Meier wurde damals zum ersten deutschen Nachtbürgermeister ernannt. Gewählt wurde er von einer Jury, die aus Vertretern der Stadtverwaltung und der Clubszene bestand. Fortan sollte sich der Siebenundzwanzigjährige um die Probleme der Mannheimer Nacht kümmern: Müll, Lärm, genervte Anwohner und gestresste Barbetreiber. „Die Nacht wird als der kleine böse Bruder des Tages wahrgenommen“, sagt der Veranstaltungsmanager. „Und ist eher geprägt von negativen Zusammenstößen.“

          Nach einem Bachelor-Studium in Nürnberg war Meier an die Popakademie in Mannheim gewechselt, wo er einen Masterstudiengang in Musik und Kreativwirtschaft absolvierte. „Ich war neu in Mannheim und habe die Stadt mit anderen Augen gesehen“, erinnert er sich. Das habe ihm in seinem neuen Job geholfen.

          Meier verdient 1400 Euro im Monat

          Als Nachtbürgermeister ist er für den Dialog zwischen Anwohnern, Barbetreibern, Feiernden und der Stadt zuständig. Er setzt sich mit Anwohnerbeschwerden auseinander, ist Ansprechpartner für Bar- und Clubbetreiber und diskutiert mit Stadt und Ordnungsamt an einem Tisch. „Man muss auch die Politik und Verwaltung verstehen“, sagt Meier und fügt hinzu: „Idealerweise ist man neutral, empathisch, kreativ.“ Die Stelle in Mannheim umfasst 28 Wochenstunden, Meier bekommt nach eigenen Worten 1400 Euro netto für die Arbeit.

          Seit kurzem beschäftigen sich auch die hiesigen Stadtverordneten mit einer Stellenbeschreibung. CDU, SPD und Grüne sind sich einig, dass ein Nachtbürgermeister vor allem als Vermittler agieren und „dadurch das Frankfurter Nachtleben beleben, Konflikte zwischen Akteuren abmildern oder verhindern sowie der Szene als zentrale Ansprechperson dienen“ soll, heißt es in dem Antrag. 68.000 Euro haben die Parteien für das zunächst auf ein Jahr befristete Projekt beantragt.

          Meier freut sich, dass sich nach Mannheim auch andere deutsche Städte mit einem Konzept befassen. „Es kann sicher überall funktionieren“, sagt er. „Es kommt aber sehr auf die Strukturen der Stadt an.“ Hinter der Stelle müsse auch ein passendes Konzept stehen. Deshalb warnen andere Städte davor, „einfach loszurennen und zu machen“.

          Nachtbürgermeister auch in Wiesbaden?

          Während in Mannheim das ausufernde Nachtleben geregelt werden soll, möchte Frankfurt das Nachtleben durch die Stelle eher stärken. Das wünscht sich Silas Gottwald auch für Wiesbaden. Der 20 Jahre alte Vorsitzende des dortigen Jugendparlaments wirbt schon länger für den Posten des Nachtbürgermeisters. „Im Oktober 2018 gab es in der Stadtverordnetenversammlung eine überwältigende Mehrheit für das Konzept“, sagt Gottwald. „Zurzeit läuft es durch die Dezernate.“ Er hoffe auf eine Entscheidung bis zum Jahresende. Ginge es nach dem Jugendparlament, soll der Wiesbadener Nachtbürgermeister auch das Sicherheitsgefühl in den späten Stunden verbessern. „Viele Jugendliche fühlen sich nachts in der Stadt unsicher“, sagt Gottwald. „Der Nachtbürgermeister soll mit den Behörden zusammen dagegen angehen.“

          Für den Wiesbadener Gottwald ist klar: „Wir wollen keinen Law-and-Order-Typ und auch keinen Nachtwächter.“ Auch in Wiesbaden solle der Nachtbürgermeister hauptsächlich Vermittler sein. Deshalb muss er viel Verständnis mitbringen, wie Hendrik Meier aus Mannheim weiß. „Es sind schon extrem eigenwillige Menschen, mit denen man zu tun hat.

          Ein kompletter Querschnitt der Gesellschaft“, sagt er. Dennoch sei es wichtig, dass es in jeder Stadt jemanden gebe, der die Interessen der Stadt und der Akteure des Nachtlebens verstehe. Denn die Probleme der Nacht verschwänden nicht mit dem Sonnenaufgang. „Alles was in der Nacht hilft, versuche ich auch am Tag umzusetzen.“ Meiers Vertrag läuft bis Anfang 2020. Was dann aus der Stelle des ersten Nachtbürgermeisters Deutschlands wird, steht noch nicht fest.

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