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Bauprojekt in Frankfurt : Geteiltes Echo für neue Multifunktionsarena

Riesige Arena für Frankfurt: Das Projekt erntet nicht nur Lob. Bild: ©Archimation 2016

300 Millionen Euro teuer und Platz für 23.000 Zuschauer: Frankfurt soll eine neue Arena der Superlative bekommen. Doch es gibt auch kritische Stimmen gegenüber dem Projekt.

          Rechtsanwalt Thomas Schröer hat als Experte für Vergaberecht schon viele Großprojekte begleitet. Mit den juristischen Feinheiten von Bauvorhaben ist er vertraut. Die Idee, am Flughafen eine Multifunktionsarena zu errichten, hat den Frankfurter Anwalt aber sofort stutzig gemacht. Wie berichtet, plant eine Gruppe aus Investoren um den kanadischen Entwickler Katz Group einen Bau, der Platz für 23.000 Zuschauer bieten und 300 Millionen Euro kosten soll. Die Halle stünde damit in Konkurrenz zur seit Jahren geplanten Multifunktionshalle am Kaiserlei.

          Schröer sieht beim Baurecht große Fragezeichen. „Planungsrechtlich liegt das Areal eindeutig im Außenbereich des Flughafens und im Planfeststellungsbereich der Bundesstraßen.“ Der Fachmann spricht sich für eine Bauleitplanung durch die Stadt aus. Das würde bedeuten, dass nicht der Entwickler die Oberhand hätte, sondern alle Belange abgewogen werden müssten. Nach diesem Verfahren entstehe auch das benachbarte Projekt Gateway Gardens, für das es ebenfalls einen Bebauungsplan gibt.

          „Baulich nicht sinnvoll“

          Die geplante Arena soll laut Investor die Bundesstraße 43 überspannen. Schröer hält das für „verzwickt“. Nördlich der B 43 beginnt nämlich der Stadtwald und damit das Schutzgebiet des Grüngürtels. „Die Überbauung ist eindeutig genehmigungspflichtig und bedarf detaillierter Regelungen.“ Zudem könne eine Evakuierung der Halle schwierig werden. „Die Sicherheit des Verkehrs geht vor.“ Schröer beurteilt die Pläne für die Arena in ihrer jetzigen Form als „baulich nicht sinnvoll“.

          Eine weitere Frage wirft das Grundstück als solches auf. Wenn der Eigentümer Fraport plane, das Gelände als Erbpacht an den kanadischen Investor zu vergeben, sei eine öffentliche Ausschreibung zu prüfen, so Schröer. Sie könne nötig sein, wenn die neben der Arena geplante Betriebssporthalle für die Fraport AG einen Auftragswert von mehr als 5,5, Millionen hätte. Denn diese Halle dient dem Flughafenbetrieb.

          Gunnar Wöbke, Geschäftsführer des Basketballklubs Fraport Skyliners, rechnet mit einer Ausschreibung: „Auch wenn das Gelände mit einer Pacht vergeben wird, müsste diese zuvor ausgeschrieben werden.“ Wie berichtet, ist die neue Arena auch als Spielstätte der Skyliners und der Frankfurter Löwen vorgesehen. Der Investor sagte dieser Zeitung am Dienstag: „Die Sportclubs müssen dabei sein.“ Wöbke hingegen meint nun: „Ich halte das Projekt für sehr unrealistisch, da es weit entrückt ist.“ Er unterstütze weiterhin die geplante Arena am Kaiserlei: „Das hat für uns oberste Priorität.“

          Begeisterung für die Arena

          Stefan Krämer wiederum ist von der Arena am Flughafen begeistert. Der Geschäftsführer des Eishockeyklubs Löwen sagt: „Der Verein braucht so schnell wie möglich eine neue Halle, der Standort ist zweitrangig.“ Das Projekt am Kaiserlei hingegen sei ins Stocken geraten. Zwar sei er dankbar für das Bemühen der Stadt und des Sportdezernats, das Areal dort zu entwickeln. „Wir können aber nicht noch weitere Jahre über die Bürgschaft reden, ohne dass etwas passiert.“ Der Flughafen sei wegen der guten Anbindung ein „großer Vorteil“. Um die derzeitige Spielstätte der Löwen am Ratsweg bildeten sich an den Spieltagen regelmäßig große Staus. Krämer sagt: „Wir sind von der Arena am Flughafen überzeugt.“

          Am Standort Kaiserlei festhalten möchte indes Sportdezernent Markus Frank (CDU). Die Ausschreibung stehe kurz vor dem Abschluss, die Stadt habe dort viel Geld investiert und lange Vorarbeit geleistet. „Das zeigt, wie komplex so ein Großprojekt ist. Am Flughafen müsste man erst wieder von vorne beginnen.“

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