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Frankfurt-Niederrad : Investoren warten auf Baurecht

Im Wandel: In der Bürostadt sollen bis zu 3500 Wohnungen entstehen. Bild: Patricia Kühfuss

Die Bürostadt soll bald auch Wohnstadt sein. Noch aber warten Investoren ungeduldig auf den Bebauungsplan. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) verspricht, sich dem Thema anzunehmen.

          Detlef Franke wird langsam ungeduldig. Seit Monaten schon wartet der Geschäftsführer der Standortinitiative Neues Niederrad (Sinn) auf den neuen Bebauungsplan für die Bürostadt. Die Stadt will das bisher ganz auf Arbeitsplätze ausgerichtete Viertel in ein durchmischtes Quartier umwandeln und in der Bürostadt den Bau von 3000 bis 3500 Wohnungen ermöglichen. Doch der Bebauungsplan ist noch nicht fertig.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Jede Menge Investoren stehen in den Startlöchern und warten“, sagt Franke und zählt drei Bauvorhaben auf. Weil der Bebauungsplan für den westlichen Teil des Viertels noch nicht in Kraft ist, können die Bauherren nicht mit den Arbeiten beginnen. Der Umbau der Bürostadt habe für den Magistrat offenbar keine Priorität, meint Franke.

          Wohnungen teurer als geplant

          Die Stadt will den Wandel der Bürostadt mit zwei Bebauungsplänen vorantreiben. Seit 2014 ist der Plan für den östlichen Abschnitt in Kraft. „Der zweite Bebauungsplan wäre ein wichtiger Schritt zur Beschleunigung des Wandels. Derzeit wirkt das Quartier noch wie im Wartestand“, sagt David Roitman, Vorsitzender der Standortinitiative Sinn. Die Bürostadt könne schon bald die Heimat von 10 000 Menschen werden. Bisher seien jedoch erst 700 Wohnungen fertig.

          Außer der städtischen ABG engagieren sich auch einige private Bauherren in der Bürostadt. Klaus Franken, Geschäftsführer des Unternehmens Catella, will an der Rhonestraße anstelle eines alten Bürogebäudes der Postgewerkschaft 123 Mietwohnungen bauen und wartet „händeringend“ auf den Bebauungsplan, wie er sagt. „Der Bauantrag ist fertig, wir können jederzeit loslegen.“ Weil die Stadt ein zusätzliches Fluchttreppenhaus verlange, obwohl die Feuerwehr das Gebäude auch mit der Leiter erreichen könne, würden die Wohnungen allerdings teurer als geplant.

          Standort für Grundschule gesucht

          Franken spricht lieber vom „Lyoner Viertel“ als von der Bürostadt, denn der Name signalisiere, dass neben Büroarbeitsplätzen auch Wohnungen entstünden. Um die Aufenthaltsqualität in Niederrad zu verbessern, müsse die Stadt auch den öffentliche Raum umgestalten. Franken empfiehlt, die Fahrspuren schmaler zu machen. „Wir müssen weg vom Autokonzept und brauchen breitere Geh- und Radwege“, sagt er und hofft, dass sich der neue Planungsdezernent Mike Josef (SPD) des Themas annimmt.

          Josef versichert, dass er den Bebauungsplan zügig voranbringen wolle. Der Plan sei „in der Endabstimmung“ und werde dem Magistrat nach der Sommerpause vorgelegt. Auch die Defizite im öffentlichen Raum und bei der sozialen Infrastruktur seien der Stadt bekannt. Ein Standort für eine Grundschule in dem Stadtteil werde noch gesucht. Josef will sich Anfang September mit Vertretern der Sinn-Initiative treffen.

          Initiative will eigenes Konzept entwickeln

          Roitman wünscht sich auch eine weiterführende Schule für das Viertel und besteht auf besseren Sicht- und Lärmschutz entlang der Bahntrasse. Außerdem ist die Initiative mit dem vom Stadtplanungsamt gewählten Namen „Lyoner Viertel“ nicht zufrieden. Ein eigens ausgerichteter Namenswettbewerb, dessen Jury die Namen Rothenham, Südweststadt und Südend favorisierte, stieß allerdings im Ortsbeirat auf wenig Resonanz. Für das Image des Quartiers und die Vermarktung neuer Wohnungen sei das ein großes Problem, meint Sinn-Geschäftsführer Franke. „Das ist ungefähr so, als ob ich mit dem Foto eines Containerschiffs für eine Urlaubskreuzfahrt werbe.“

          Die Initiative will nun selbst ein Freiraum-Konzept entwickeln, dass sich allerdings auf den privaten Grund beschränken soll. „Unser Verein bündelt Unternehmen am Standort, die gerne mithelfen, das Quartier zu entwickeln“, sagt Franke. „Allerdings können wir als Verein nicht die Arbeit machen, für die letztlich die Stadt Frankfurt zuständig ist.“

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