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Frankfurt : Neues Selbstbewusstsein im Buchhandel

Platzhirsch: Die Buchhandelskette Hugendubel hat ihren Mietvertrag am Steinweg in Frankfurt verlängert. Bild: Wonge Bergmann

Bücher werden wieder öfter im Laden gekauft. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verbreitet Optimismus. In Frankfurt spricht einiges dafür.

          3 Min.

          Bereits im vergangenen Jahr hat sich der stationäre Buchhandel besser entwickelt als der Gesamtmarkt – das heißt: inklusive Internethandel, Kaufhäuser und Bahnhofsbüchereien. Erstmals seit sieben Jahren legte das Buchgeschäft im Laden zu, um ein knappes Prozent, während der Onlinehandel 0,5 Prozent verlor.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dieser Trend setzt sich nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in diesem Jahr weiter fort. Entscheidend wird das Weihnachtsgeschäft, in dem traditionell ein Viertel bis ein Drittel des Jahresumsatzes gemacht wird. Aktuell liegen die Zahlen mit einem Prozent noch leicht unter dem des Zeitraumes im Vorjahr (Gesamtmarkt: minus 2,2 Prozent). Die Branche rechnet zumindest mit einem gleichbleibenden Geschäft.

          „Auch von Amazon gelernt“

          „Das Selbstbewusstsein im Buchhandel ist stark und wächst“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, der den Buchhandel und die Verlage in Deutschland vertritt – und damit einen Markt, der von seiner Größe her weltweit auf Platz zwei liegt, wie Skipis hervorhebt. Dafür, dass Qualität und Vielfalt erhalten bleiben, rühren die Börsenvereinsvertreter kräftig die Trommel. Gern zitiert wird der Satz, den Buchhändler in letzter Zeit offenbar immer öfter zu hören bekommen: „Früher habe ich bei Amazon gekauft.“

          Woran liegt es, dass Kunden wieder ins Geschäft kommen? „Wir haben in der Vergangenheit viel investiert und gelernt, auch von Amazon“, sagt Skipis. Dazu zählt er die gute Beratung in der Buchhandlung ebenso wie ein „ausgezeichnetes“ Internet-Angebot und die sofortige Verfügbarkeit von Titeln. „Wir verbinden des Gute von beiden Verkaufswelten und erzeugen so einen größeren Nutzen für den Kunden, als es ein reiner Onlinehändler kann.“ Offensichtlich dächten Leser inzwischen auch über die Konsequenzen ihres Kaufverhaltens nach.

          Hugendubel bleibt „langfristig“

          Die Signale zeigen zumindest auf dem Frankfurter Buchmarkt in die Richtung, die der Börsenverein aufzeigt. Ohnehin war in der Stadt bisher keine dramatische Abwärtsbewegung zu erkennen. 76 Buchhandlungen verzeichnet die Statistik des Börsenvereins für 2013, drei weniger als in den zwei Jahren davor. Die Zahlen für 2014 liegen noch nicht vor, aber es dürften wieder mehr werden.

          Die guten Nachrichten aus jüngster Zeit: Hugendubel am Steinweg, seit 1990 Flaggschiff der Bücherwelt in der Innenstadt, hat seinen Mietvertrag „langfristig“ verlängert, wie es auf Anfrage heißt. Und auch die Buchhandlung Carolus, die an der Neuen Kräme 2015 Platz machen muss für die Einrichtungskette Butlers, wird nicht aus Frankfurt verschwinden. Die Verhandlungen für einen neuen Standort laufen.

          Auf allen Kanälen aktiv

          Während andernorts im Buchhandel Flächen weniger werden, auch weil Filialisten wie Thalia wichtige Standorte ganz aufgeben, legt die Fläche in Frankfurt sogar noch zu. Am Oeder Weg haben zwei büchererfahrene Quereinsteigerinnen das ehemalige Antiquariat Rabe übernommen und an der Stelle mit viel Leidenschaft und Profession ihre Buchhandlung „Weltenleser“ eröffnet. Beim Sortiment verlassen sich die Betreiberinnen auf ihren eigenen Geschmack. Zum Konzept gehört, dass Bücher nach den Ländern geordnet sind, in denen der Inhalt spielt. Regelmäßig finden Lesungen und andere Veranstaltungen bei den Weltenlesern statt.

          Neuling: „Weltenleser“ ist die neue Buchhandlung am Oeder Weg (ehemals Antiquariat Rabe).
          Neuling: „Weltenleser“ ist die neue Buchhandlung am Oeder Weg (ehemals Antiquariat Rabe). : Bild: Wohlfahrt, Rainer

          Auf ein großes Kinderbuchsortiment und viele englischsprachige Titel setzt Daniel Bogdanov, der in Sachsenhausen gegenüber dem Supermarkt Hit vor drei Wochen die Buchhandlung „Buchplatz“ eröffnet hat. Früher war hier ein Geschäft für Raumausstattung. „Buchplatz“ macht das, was der Börsenverein als die Antwort auf Amazon versteht: Er ist auf allen Kanälen aktiv, pflegt einen Online-Shop und eine Facebook-Seite. Dort sollen Kunden ihre Lektüre-Erlebnisse mitteilen und sich mit anderen austauschen. Recht ehrgeizig sind die Öffnungszeiten von 9 bis 20 Uhr unter der Woche. Doch Bogdanov, ein Betriebswirt, der bisher im Buch-Großhandel tätig war, hat auch ein klares Ziel vor Augen: „Ich will von der Buchhandlung leben.“

          Das freilich fällt – unabhängig vom Wiedererstarken des Selbstbewusstseins in der Branche – vielen Buchhändlern bei steigenden Mieten in deutschen Innenstädten immer schwerer. „Die Umsatzrendite im Buchhandel ist gering“, sagt Skipis. Daher plädiert der Branchenvertreter dafür, die Innenstadt auch im Sinne der Buchkultur zu gestalten. Der Börsenverein ist laut Skipis mit dem Deutschen Städtetag im Gespräch darüber, ob es nicht möglich sei, Kommunen ein Instrument an die Hand zu geben, mit dem sie beim Mietermix steuernd eingreifen könnten. „Wir wollen keine Subventionen, es geht um einen fairen Wettbewerb bei der Vermietung und darum, wie deutsche Innenstädte letztendlich in Zukunft aussehen sollen“, sagt Skipis.

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