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Frankfurt : Mühsame Suche nach neuem Wohnbauland

Mehr als eine Bürostadt: Im Frankfurter Europaviertel entstehen auch Wohnungen. Bild: Fricke, Helmut

Der Bedarf an Wohnbauland in Frankfurt ist groß, trotzdem treffen Projekte überall auf Widerstand. Die Politik muss sich etwas überlegen.

          In dieser Woche ist es soweit. Für Dienstag hat der Frankfurter Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) zu einer Pressekonferenz eingeladen. Dort wird er einen „Grundsatzbeschluss“ präsentieren, mit dem die Entwicklung von neuem Wohnbauland im Stadtgebiet vorangetrieben werden soll. Genaueres ist noch nicht bekannt, doch eines steht fest: Knapp zwei Jahre nach der Wahl von Cunitz zum Planungsdezernenten versucht die schwarz-grüne Koalition, auf diesem zentralen Feld der Kommunalpolitik wieder die Deutungshoheit zu übernehmen.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Es wird auch Zeit: Cunitz’ Wahl fand nur wenige Wochen vor der Wahl von Peter Feldmann zum neuen Oberbürgermeister statt; zum Überraschungserfolg des Sozialdemokraten hatte maßgeblich beigetragen, dass er die Versorgung mit „bezahlbarem“ Wohnraum in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes stellte. Seither stehen SPD und Koalition in einer Art Ideenwettbewerb, wie und wo mehr Wohnraum entstehen könnte.

          SPD hat gewarnt und gewonnen

          Die Debatten der vergangenen Jahre haben allerdings vor allem gezeigt, wie schwer sich die Stadtpolitik in der Praxis tut, geeignete Flächen auszuweisen. Der Vorschlag der SPD, auf den Ackerflächen zwischen Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach einen neuen Stadtteil für bis zu 16.000 Bewohner zu errichten, wurde von CDU und Grünen verworfen. Vor allem der CDU konnte der drohende massive Protest in ihren Hochburgen im ländlich geprägten Norden nicht behagen.

          Umgekehrt wurden erste, nur vage Ideen des Stadtplanungsamts, die Platensiedlung in Ginnheim zu verdichten, von der SPD genutzt, um die Bewohner vor einem angeblich drohenden Komplettabriss ihrer Siedlung zu warnen. Nach den sehr guten Ergebnissen zu schließen, die sie bei den jüngsten Wahlen in den betreffenden Quartieren erzielt hat, hat diese SPD-Strategie verfangen.

          Die Konkurrenz um die Nutzungsart ist groß

          Auch die Grünen wissen, was sie ihrer Klientel schuldig sind. Der Bau eines Wohn- und Restaurant-Turms auf der Maininsel an der Alten Brücke wurde von ihnen trotz einer klaren Verpflichtung gegenüber den Initiatoren des Projekts abgelehnt. Aus ihrer Sicht wäre eine wertvolle Grünfläche für wenige Luxuswohnungen geopfert worden. Und bei der Planung des Kulturcampus Bockenheim waren es vor allem die Grünen, die den Wunsch von Bürgerinitiativen nach großzügigen Freiflächen in bester Innenstadtlage aufgriffen und dafür die gebotene urbane Verdichtung durch mehr Wohnungen opferten.

          Erschwerend kommt hinzu, dass die Konkurrenz verschiedener Nutzungsarten in Frankfurt groß ist. Das lässt sich besonders deutlich am Osthafen ablesen. An den Hafenbecken liegen einige der wenigen Flächen, die sich in Frankfurt noch für gehobenen Wohnungsbau anbieten. Nach einem Showdown zwischen Industrie und Immobilienwirtschaft wurde die gewerbliche Nutzung des gesamten Hafenareals für die nächsten zwei Generationen festgeschrieben. Dabei wäre eine etwas komplexere, aber intelligentere Lösung denkbar gewesen. Der gewerbliche Kern hätte geschützt und an den Rändern eine Perspektive für Wohnen geschaffen werden können, indem Kümmernutzungen beseitigt und nicht hafenaffine Betriebe nach und nach verlagert worden wären. Voraussetzung dafür wäre allerdings gewesen, dass Ersatzflächen für die betroffenen Unternehmen bereitgehalten würden.

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