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Frankfurt : Milliardengeschäft mit Büroflächen

Bürogebäude in Frankfurt: Von den sieben erfolgreichsten Großstädten hat Frankfurt die höchste Leerstandsquote. Bild: Helmut Fricke

Der Handel mit Gewerbeimmobilien in Frankfurt floriert, viele Büros stehen allerdings leer. Makler vermuten, dass Kommunen in der nächsten Zeit auf Eigentümer zugehen, um Flüchtlinge in leerstehenden Bürogebäuden unterzubringen.

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          Investoren suchen in Frankfurt weiterhin nach Anlagemöglichkeiten für ihr Vermögen: Wie das Maklerunternehmen Colliers meldet, wurden in den ersten neun Monaten des Jahres Bürogebäude im Wert von vier Milliarden Euro veräußert; die Summe ist um 83 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Unter anderen wechselten die beiden Hochhäuser Trianon und Eurotower den Eigentümer.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zudem werden weitere Millionen-Deals erwartet: So ist nun sogar der Commerzbank-Turm auf dem Markt, wie die Deutsche Presse-Agentur kürzlich meldete. Und auch der FBC-Büroturm steht dem Maklerhaus JLL zufolge zum Verkauf. Das Unternehmen rechnet damit, dass bis zum Jahresende sogar Gewerbeimmobilien im Wert von fünf bis fünfeinhalb Milliarden Euro verkauft werden.

          Großabschlüsse bei Bürovermietung fehlen

          Der Investmentmarkt ist also in Hochstimmung, doch der Frankfurter Bürovermietungsmarkt schwächelt weiter, während Berlin, Düsseldorf und München deutlich zulegen können. Im Vergleich zum vergangenen Jahr, in dem die Vermietungsleistung deutlich unter dem Zehn-Jahres-Schnitt geblieben war, hat sich der Markt in Frankfurt zwar etwas erholt. Er bleibe aber hinter den Erwartungen zurück, urteilt JLL.

          Ende September lag das Umsatzvolumen bei rund 291.000 Quadratmetern, das sind sieben Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Das bereits bescheiden gesteckte Ziel von 400.000 Quadratmetern scheint noch in weiter Ferne“, sagt Christian Lanfer von JLL. Zwar würden viele kleinere und mittelgroßen Flächen neu vermietet. Was fehle, seien Großabschlüsse.

          Debatte um Unterbringung von Flüchtlingen in Bürogebäuden

          Im Vergleich zu anderen Bürohochburgen stehen in Frankfurt besonders viele Büros leer: Mit einer Leerstandsquote von 11,7 Prozent ist die Mainmetropole laut Colliers die einzige Stadt mit einem zweistelligen Wert unter den erfolgreichsten sieben Großstädten. Allerdings werden in Frankfurt die höchsten Preise gezahlt: Colliers zufolge ist die Durchschnittsmiete um fünf Prozent auf zwanzig Euro gestiegen. Die Spitzenmiete erhöhte sich um ein Prozent auf 38,50 Euro pro Quadratmeter.

          Makler wie JLL erwarten, dass die Herausforderung, die vielen Flüchtlinge unterzubringen, auch für den Büromarkt Folgen haben wird. Analyst Helge Scheunemann erinnert an die Debatte über das Beschlagnahmen von Immobilien. Außerdem erwartet er, dass die Kommunen in der nächsten Zeit öfter auf Eigentümer zugingen, um Flüchtlinge in leerstehenden Bürohäusern einzuquartieren. Eine solche Umnutzung könne dazu führen, dass die Leerstandsraten sänken. Allerdings gibt Christian Lanfer zu bedenken, dass die für einen Umbau zu Wohngebäuden geeigneten Bürohäuser zur Neige gingen. Die interessanten Objekte seien schon umgebaut oder zu teuer.

           

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