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Für Autos gesperrter Mainkai : Von der Rennstrecke zur Amüsiermeile

Die E-Scooter-Fahrer haben den Mainkai für sich entdeckt. Bild: Pepaj, Marina

Am für Autos gesperrten Mainkai ist es ruhig geworden. Doch einige Anwohner fürchten jetzt Belästigungen durch Partyvolk. Andere sehen die Straßensperrung als Chance.

          Es ist ein Paradies für die Fahrer der in Frankfurt so beliebten E-Scooter. Begeistert brausen die Fahrer der elektrischen Tretroller auf den 900 Metern zwischen Untermainbrücke und Alter Brücke herum und genießen den Freiraum und vielleicht auch den Blick auf den Fluss und das belebte Ufer. Mehr als Fußgänger und Radfahrer wissen sie, die offiziell nur auf Straßen und nicht auf dem Weg unmittelbar am Mainufer unterwegs sein dürfen, die autofreie Zone am nördlichen Mainufer zu schätzen. Seit dem 29. Juli und mindestens für ein Jahr wird es dort keinen regulären Auto- und Lastwagenverkehr mehr geben. Vermutlich an keinem anderen Ort in der Stadt gibt es drei ausgebaute Fahrspuren und so wenig motorisierten Verkehr.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dennoch herrscht auf dem Mainkai keine Spielstraßen-Atmosphäre. Niemand hält sich dort länger auf, die fast leere Straße wird bisher nur dafür genutzt, um ungehindert voranzukommen. Die meisten Rollerfahrer biegen in Höhe des Eisernen Stegs in Richtung Römerberg ab, um in die Innenstadt zu gelangen. Andere nutzen die schmale Straße Zum Pfarrturm, die weiter von Autos befahren werden darf und auf den Mainkai führt, damit nicht alle Nutzer des Parkhauses Dom/Römer durch die schmalen Straßen der einstigen Frankfurter Altstadt – über den Weckmarkt und die Fahrgasse – hinausfahren müssen. Auf 300 Metern ist deshalb der Mainkai nicht ganz autofrei.

          „Das ist schlimmer als der Verkehr“

          Der Jubel der Anwohner über ihr neues lärmfreies Leben hält sich überraschenderweise in Grenzen. Einem Anwohner, der auch zuvor nicht sehr unter Lärm gelitten hat, da er im westlichen Abschnitt des Mainkais wohnt, wo sich ein etwa 20 Meter breiter Grünstreifen mit großen alten Platanen zwischen Straße und Häuserzeile befindet, fehlt nun die soziale Kontrolle, also Verkehr und Menschen. Einsam, ruhig und still sei es, doch nun kämen nachts die jungen Leute. Angetrunken und „wer weiß nicht was“ lümmelten sie vor den Terrassen und Balkonen, Blumentöpfe seien schon heruntergestoßen worden. Seine Nachbarinnen seien mittlerweile „sehr, sehr ängstlich“. Aber auch er, der seit 14 Jahren in einer Parterre-Wohnung wohnt, wünscht sich einen Zaun, wie es ihn regelmäßig zum Museumsuferfest vor ihrem Wohnhaus gebe, um deutlich zu machen, wo Schluss sei für die Öffentlichkeit. Die Ungewissheit, was andere nachts vor seiner Terrasse treiben, „das ist schlimmer als der Verkehr“.

          Eine Frau, die im dritten Stock am Mainkai 18 wohnt, also dort, wo bis vor wenigen Wochen nur ein Bürgersteig ihr Wohnhaus von vorbeidonnernden Betonmischfahrzeugen, Lastwagen mit Anhängern und tausenden Autos täglich trennte, sorgt sich, dass der Mainkai zur Partymeile werden könnte. Das ganze südliche Mainufer sei bei schönem Wetter bereits dazu degeneriert – das ganze „asoziale Programm“ mit lautem Radau, Gegröle, ohrenbetäubender Musik und riesigen Müllbergen am Tag danach.

          Und der Verkehrslärm zuvor, der habe nicht gestört? „Doch, schon“, sagt sie, aber spätestens um 23 oder 24 Uhr sei es ruhig gewesen. „Da war nur noch wenig los.“ Nun sei es in dieser so zentralen Lage sehr beschaulich, sie könne fast durchschlafen. Allerdings höre sie nun andere Geräusche und Lärm von weiter her viel deutlicher und werde dadurch geweckt. „Nein“, sie sei immer gegen die Sperrung des Mainkais für den Autoverkehr gewesen. Sie habe immer befürchtet, dass dann „alles ausartet“. Der Verkehrslärm, „das ist doch in Frankfurt unser geringstes Problem“.

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