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Frankfurt : Mehr Diplomaten gibt es nur in Berlin und Bayern

Unscheinbar, aber wichtig: Hinter dieser Tür residiert der amerikanischen Generalkonsul in Frankfurt. Bild: Röth, Frank

Der Konsularstandort Frankfurt wächst weiter: 106 Staaten sind inzwischen am Main vertreten.

          Über mangelnde Beschäftigung kann sich Kevin Milas nicht beklagen. Sein Kalender ist vollgestopft mit Terminen. Und das liegt nicht nur daran, das der amerikanische Generalkonsul die mit Abstand größte Auslandsvertretung in Frankfurt mit mehr als tausend Mitarbeitern führt. Auch seine Kollegen, die anderen aus anderen Ländern an den Main entsandten Diplomaten, können sich über Mangel an Beschäftigung nicht beschweren: Empfänge für Gäste und Delegationen, Amtseinführungen und Antrittsbesuche, Nationalfeiertage, Verabschiedungen, Vertragsunterzeichnungen, Konzerte und Theateraufführungen - es ist nicht nur für Kevin Milas unmöglich, allen Einladungen Folge zu leisten.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zu drei Anlässen aber gilt es, unbedingt zu erscheinen: beim Jahresempfang des Konsularischen Korps und bei den Empfängen der Stadt Frankfurt und des Landes Hessen für die diplomatische „community“. Das sind die protokollarischen Höhepunkte im Kalender der Gesandten.

          Hamburg hat Frankfurt hinter sich gelassen

          Zu solchen Gelegenheiten wird es im Frankfurter Römer und im Wiesbadener Schloss Biebrich inzwischen durchaus eng. Denn der Konsularstandort Frankfurt wächst und wächst. Inzwischen haben 106Staaten in Frankfurt einen Vertreter, und Dieter Beine hofft, dass es noch viel mehr werden. Der Protokollchef des Landes Hessen verfolgt nämlich ein Ziel: Er will Bayern als führenden Standort überholen.

          Mit Berlin als Hauptstadt und Ort von fast 120 Botschaften können es die Hessen nicht aufnehmen, aber Hamburg haben sie in den vergangenen Jahren immerhin schon hinter sich gelassen. Im Römer und in der Staatskanzlei sieht man das als Beleg für die Attraktivität des Landes im Allgemeinen und Frankfurts im Besonderen. Grund für die große internationale Präsenz in der Mainmetropole sei in erster Linie die wirtschaftliche Bedeutung des Finanzplatzes, heißt es immer wieder auch von Seiten der Diplomaten. Aber auch die zentrale Lage, die gute Verkehrsanbindung und die Internationalität kommen der Stadt zugute.

          Hälfte sind Berufsdiplomaten

          Vor allem der Rang als internationales Finanz- und Dienstleistungszentrum erklärt, dass Frankfurt überhaupt zur Diplomatenhochburg werden konnte. In allen anderen Bundesländern kommt nämlich den Landeshauptstädten diese Rolle zu. Der Frankfurter Status hat ursprünglich aber auch damit zu tun, dass die Stadt seit jeher mit großem Abstand größte hessische Kommune ist. Deshalb haben nur einige wenige Diplomaten Quartier außerhalb der Mainmetropole bezogen, etwa in Kassel, Wiesbaden und Bad Homburg,

          Das Korps in Frankfurt besteht gut zur Hälfte aus Berufsdiplomaten, die von ihren Heimatländern an den Main entsandt wurden. Die andere Hälfte stellen die Honorar-Diplomaten. Im Gegensatz zu den Generalkonsulen sind diese keine Staatsbürger des von ihnen repräsentierten Landes und gehen ihrer Tätigkeit ehrenamtlich nach - eine günstige und oft dennoch sehr effektive Art der Diplomatie für das Entsendeland, mitunter kostspielig und zeitraubend für den ehrenamtlichen Konsul. Der Glanz des Titels macht das offenbar mehr als wett.

          Mehr Interesse aus Osteuropa und der arabischen Welt

          Die größten Vertretungen in Frankfurt werden von vier der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates - den Vereinigten Staaten, China, Russland und Frankreich - sowie von der Türkei, Indien und Japan unterhalten. Großbritannien ist vor einigen Jahren aus dieser Riege ausgeschieden und hat damit ebenso wie die Niederlande und einige andere EU-Staaten darauf reagiert, dass ihre Bürger in Deutschland völlige Freizügigkeit genießen und seltener Hilfe und Unterstützung brauchen.

          Diplomatischer Ersatz kommt aus anderen Teilen der Welt: Protokollchef Beine zufolge ist in den vergangenen Jahren vor allem in Osteuropa und in der arabischen Welt das Interesse am Standort Frankfurt gewachsen. Darum haben sich die Landesregierung und er besonders über die neuen Generalkonsulate Kuweits und Saudi-Arabiens gefreut - „extrem wichtige Vertretungen“, wie Beine meint. Aber auch Angola als einer der jüngsten Neuzugänge hat eine besondere Bedeutung. Abgesehen davon, dass der afrikanische Kontinent bisher nur schwach und wenn überhaupt, dann meistens durch Honorarkonsuln in Frankfurt vertreten ist, registriert die Wiesbadener Staatskanzlei, dass der angolanische Generalkonsul Manuel Domingos zwar auch für Bayern zuständig ist, dort aber kein Büro eröffnet hat.

          Einen Außenseiter gibt es

          Das wichtigste Generalkonsulat am Main ist unbestritten das amerikanische. Kevin Milas führt nicht nur die größte diplomatische Vertretung überhaupt in Deutschland. Das Konsulat, das Ende 2005 vom Frankfurter Westend in das ehemalige General Hospital im Stadtteil Eckenheim verlegt wurde, ist auch eine der größten diplomatischen Einrichtungen Amerikas weltweit. Während die Botschaft in Berlin die Vereinigten Staaten politisch vertritt, sind in Frankfurt in erster Linie Managementqualitäten gefragt. Das Generalkonsulat mit seinen 30.000 Quadratmetern Bürofläche ist die Drehscheibe zur Versorgung und Unterstützung von fast der Hälfte aller knapp 270 amerikanischen Auslandsvertretungen.

          Der große Außenseiter unter den Diplomaten in Frankfurt ist Jui-Kun Huang. Er repräsentiert zwar auch sein Heimatland, hat ein offizielles Büro, viele Kontakte und immerhin 20 Mitarbeiter - Generalkonsul darf er sich dennoch nicht nennen. Denn der Mittfünfziger vertritt die Republik China - und die wird im Gegensatz zur Volksrepublik China von den meisten Staaten nicht anerkannt. Auch in Deutschland hat das kleine Land, das heute meist als Taiwan bezeichnet wird, keinen offiziellen Status. Das macht die Sache für Huang alles andere als leicht. Versehen mit dem Titel eines Generaldirektors erledigt er zwar die üblichen konsularischen Aufgaben, Teil des Korps ist er aber nicht. Zu den Empfängen der Stadt und des Landes wird er ebenso wenig eingeladen wie zu Veranstaltungen anderer Diplomaten. Entmutigen lässt sich Huang dadurch allerdings nicht. Auch sein Terminkalender ist gut gefüllt.

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