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Frankfurt-Marathon : Puzzeln und ein Glas Sekt

  • -Aktualisiert am

Die Straßen von London: Platz 39 bei der WM in 2:39:59 Stunden – damit war Katharina Heinig nicht zufrieden. Bild: Imago

Bei ihrem Debüt beim Frankfurt-Marathon hat Katharina Heinig zwar Heimvorteil, aber im Kampf um den deutschen Meistertitel ist Fate Tola klar im Vorteil.

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          Wer wissen wollte, wie sich unter Sportlerinnen Hochachtung für die Konkurrentin äußert, der musste am Donnerstag nur genau hinschauen. Fate Tola und Katharina Heinig saßen jeweils mit ihren Partnern am runden Tisch und beantworteten die Fragen der Medienvertreter. Während die gebürtige Äthiopierin Tola leise über ihre Vorbereitung für den Frankfurt Marathon am Sonntag sprach, drehte sich Heinig immer wieder staunend zu ihrem Freund. „Letztes Jahr wurde ich nach 18 Kilometern richtig warm“, sagte Tola beispielsweise, ohne es aber im Entferntesten arrogant zu meinen. Heinig strahlte sie an, halb ungläubig, halb bewundernd.

          Und so sind die Rollen klar verteilt im Kampf um die deutsche Meisterschaft, die am Sonntag im Rahmen des Frankfurt Marathons ausgetragen werden. Hier die Außenseiterin Heinig vor ihrem Debüt an der Startlinie der Mainmetropole, dort die Favoritin und aktuelle deutsche Meisterin Tola. „Ich möchte schon den Titel holen“, sagt Heinig zwar, um aber direkt einzuschränken: „Aber ich habe eben eine super Konkurrenz. Deswegen bin ich nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt.“ Für Tola hat die 28-Jährige nur lobende Worte parat: „Sie hat schon völlig andere Zeiten als ich stehen. Ihr Training hat wahrscheinlich eine ganz andere Qualität.“ Heinigs Bestzeit datiert vom Berlin-Marathon im Vorjahr: 2:28:34 Stunden sind über drei Minuten mehr als die von Tola (2:25:14 Stunden), deren Leistung allerdings schon fünf Jahre alt ist. Im vergangenen Jahr kam Tola allerdings bis auf 28 Sekunden an ihre Bestzeit heran.

          Zur Beruhigung ein Glas Sekt

          Um den Gesamtsieg werden beide Deutsche aller Voraussicht nach nicht mitlaufen können, da die internationale Konkurrenz mit 5000-Meter-Olympasiegerin Vivian Cheruiyot aus Kenia und der Äthiopierin Feyse Tadese (Bestzeit 2:20:27 Stunden) zu stark sein dürfte. Doch eine neue persönliche Bestleistung soll es schon sein für Katharina Heinig. Seit vergangenem Samstag hat die gebürtige Leipzigerin, die im Frankfurter Stadtteil Niederrad wohnt, viel Zeit bei ihren Eltern verbracht, bei der Marathon-Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig und dem ehemaligen Sprinter Wolfgang Heinig. Eine gute Umgebung, um sich noch einmal über den Wettkampf auszutauschen und Tipps zu sammeln – könnte man meinen. Doch genau darum ging es der Tochter nicht: „Ich bin froh, wenn ich nicht 24 Stunden mit dem Marathon konfrontiert werde“, sagt sie, die zur Beruhigung am Vorabend eines Marathons ein Glas Sekt zu trinken pflegt. „Ich bin schon nervös genug. Wir haben das Thema gar nicht angesprochen.“

          Stattdessen habe die Woche vorwiegend aus Puzzeln bestanden. Viel entspannender. „Jetzt ist die Zeit dafür da“, sagt Heinig beinahe entschuldigend. Die harte Vorbereitung, in der die Athletin von Eintracht Frankfurt Anfang September einmal 71 Trainingskilometer in zwei Tagen abspulte, ist abgeschlossen. „Ich bin eher der Umfangstyp“, sagt die zierliche, 1,66 Meter große Sportlerin und spielt damit nicht darauf an, dass sie gern Currywurst, Pommes und Döner isst , sondern dass ihr die langen Läufe nicht so leicht fallen wie die Sprinteinheiten. Womöglich auch wegen der Karriere ihres Vaters. Daher müsse sie gerade die großen Distanzen öfter und intensiver trainieren.

          Nur eine Woche Urlaub war zu wenig

          „Die Zeit war ein bisschen knapp seit der Weltmeisterschaft“, sagt Heinig. Bei der WM in London im August hatte sie in 2:39:59 Stunden Rang 39 belegt. Keine zufriedenstellende Zeit, aber immerhin habe sie so in der Vorbereitung nicht bei null anfangen müssen, sondern auf das Training für London aufbauen können. Dennoch, nur eine Woche Urlaub sei zu wenig gewesen. Das soll nach diesem Sonntag anders aussehen.

          Während des Rennens werden Freunde in Niederrad und in Schwanheim an der Strecke stehen, auch ein paar Kollegen von der Wache wollen die Polizeikommissarin unterwegs anfeuern. „Es bedeutet für mich absolute Motivation, durch die Straßen und Stadtteile zu laufen, in denen meine Freunde wohnen“, sagt Heinig. Der Sonntag wird aber auch für ihre Mutter und Trainerin ein besonderer sein. Exakt 20 Jahre und drei Tage zuvor feierte Katrin Dörre-Heinig den letzten ihrer drei Erfolge in Frankfurt, die acht Jahre alte Katharina war bei der Siegerehrung dabei. Der familiäre Hintergrund sei aber nicht immer förderlich, gibt Heinig zu bedenken: „Ich bin die Tochter der Bundestrainerin, da wird genauer hingeschaut.“

          Zum Beispiel, wenn es um die Erfüllung von Normen gehe. Und ihre Form muss sich Heinig trotz familiärer Veranlagung ohnehin hart erarbeiten. Konkurrentin und Freundin Tola scheinen die schnellen Zeiten dagegen leichter zuzufliegen – auch wenn das wohl nur so wirkt. Oder? „Ich muss Fate im Training keine Geschwindigkeit vorgeben“, sagt Tolas Mann und Trainer, Musa Roba-Kinkal. „Sie läuft ihr Tempo automatisch.“ Wieder dreht sich Heinig zu ihrem Freund. „Automatisch“, wiederholt sie flüsternd, hebt die Augenbrauen. Und lächelt.

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