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Großes Ärgernis : Frankfurt fehlt es an öffentlichen Toiletten

  • Aktualisiert am

Frankfurt fehlen stille Örtchen. Bild: Daniel Pilar

Wildpinkeln ist ein großes Problem in den Innenstädten, vor allem jetzt im Sommer. In Frankfurt stinke es den Bürgern gewaltig, sagt der für Altstadt und Bahnhofsviertel zuständige Ortsvorsteher. Auch vor dem Rathaus und dem Dom machen die Täter nicht halt.

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          Der Sandstein bröckelt. Neben der neu aufgebauten Altstadt in Frankfurt zeigt Claudia Gabriel auf ein verfärbtes und angegriffenes Stück Mauerwerk. Hier an der Kunsthalle Schirn seien immer wieder Wildpinkler am Werk, berichtet die Leiterin der Stabstelle Sauberes Frankfurt. Sie entstammten unterschiedlichen Gruppen, darunter Partyvolk und Touristen, und richteten großen Schaden an. Am Kaiserdom nebenan hätten schon Steine ausgetauscht werden müssen, weil ihnen der Urin zu sehr zugesetzt habe.

          Die Altstadt hat sich zum Touristenmagneten entwickelt, jetzt im Sommer strömt Besuchgruppe nach Besuchergruppe durch die Gassen zwischen den bunten Häuschen. An öffentlichen Toiletten mangelt es jedoch, wie Gastronomen vor Ort kritisieren. Die Stadt verweist auf eine unterirdische WC-Anlage am nahen Paulsplatz. Nachts ist sie allerdings geschlossen und zudem kaum zu finden. Bald sollen zusätzliche Schilder aufgestellt werden, sagt ein Sprecher von Bau- und Immobiliendezernent Jan Schneider (CDU).

          Hunderte mögliche neue Standorte

          Im Dezernat wird auch an einem Toilettenkonzept gearbeitet. Alle 66 vorhandenen Anlagen sowie weitere mögliche sollen zusammengetragen und bewertet werden, wie etwa WCs von Behörden. Hinzu kommen die Ergebnisse einer Umfrage unter Bürgern, die 179 Vorschläge ergeben habe. Insgesamt würden mehr als 400 Standorte auf Eignung untersucht. Die Ergebnisse sollen dem Dezernatssprecher zufolge im laufenden Jahr vorgelegt werden. Vorgegangen werden soll dann nach Dringlichkeit. Bis dahin sollen an Hotspots wie etwa dem Mainufer mobile Anlagen aushelfen.

          Das sei auch dringend nötig, sagt Ortsvorsteher Oliver Strank, der neben dem Mainufer auch für die Altstadt und das Bahnhofsviertel zuständig ist. Die vom Baudezernenten angekündigten Maßnahmen seien schon seit Jahren angekündigt, passiert sei jedoch nichts. „Es stinkt den Leuten und es stinkt zum Himmel und das ist einer Metropole wie Frankfurt nicht würdig“, kritisiert der SPD-Politiker.

          Auch Gabriel bezeichnet Wildpinkeln als massives Problem, die Stabstellen-Leiterin appelliert aber vor allem an das Verantwortungsgefühl der Täter: „Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein extremes Ärgernis, das hohe Kosten verursacht und zu hohen Belästigungen der Mitmenschen führt.“ Es werde nicht nur gepinkelt, auch Exkremente müssten täglich beseitigt werden. Betroffen ist auch das Rathaus. Gabriel zeigt auf ein eisernes Tor am Römer, dessen Farbe sich unter Urineinwirkung verändert hat.

          Viele Touristen suchen nach Toilette

          Viele Sommertouristen in der Stadt - das kennt auch Kassel. Die Stadt betreibt wegen des zusätzlichen Andrangs im Sommer fünf zusätzliche Toilettenanlagen, wie ein Sprecher sagt. In Fulda sollen die öffentlichen WCs während des Sommers häufiger gereinigt werden. Zudem ist der Ausbau des Angebots geplant, wie die Stadt erklärte. Touristen könnten sich in Notfällen auch an die Gastronomie und den Einzelhandel wenden, dort seien sie in der Regel willkommen.

          Auf ein ähnliches Konzept, die „Nette Toilette“, setzt unter anderem Wetzlar . Dabei stellen Lokale oder Behörden ihr stilles Örtchen Passanten kostenlos zur Verfügung. Dadurch hätten mittlerweile zwölf zusätzliche öffentlich zugängliche Toiletten gewonnen werden können, teilte ein Sprecher mit. Eine Ausweitung sei möglich und erwünscht - denn das Konzept biete viele Vorteile, gerade in puncto Sauberkeit und Schutz vor Vandalismus. Mit Sponsoring behilft sich die Landeshauptstadt Wiesbaden. Ein Unternehmen betreibt insgesamt neun City-Toiletten und darf dafür an diesen Werbeflächen vermieten.

          Dies sei für Frankfurt keine Lösung, dafür aber die Zusammenarbeit mit Gaststättenbetreibern, sagt der Sprecher des Baudezernats. Einzelne solche Kooperationen gebe es bereits, etwa am Main in der Nähe der Europäischen Zentralbank (EZB), wo die Stadt dem Betreiber des „Oosten“ eine finanzielle Entschädigung zahle. Weitere solche Vereinbarungen sollen folgen.

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