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Urteil in Frankfurt : Verdurstetes jesidisches Mädchen – lebenslange Haftstrafe

Zusammengesackt nach dem Richterspruch: Der angeklagte Iraker Taha al-J. im Hochsicherheitssaal in Frankfurt vor der Urteilsverkündung. Bild: dpa

Es sei das weltweit erste Urteil wegen des Völkermords, den der „Islamische Staat“ an den Jesiden verübt hat. Der Angeklagte hatte eine Jesidin und ihre Tochter als Sklavinnen gehalten. Nach der Urteilsverkündung war der Mann nicht mehr ansprechbar.

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          Das Oberlandesgericht Frankfurt hat den Angeklagten im Prozess um den Tod eines versklavten jesidischen Mädchens am Dienstag zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Die Entscheidung ist wegweisend: Es sei das weltweit erste Urteil wegen des Völkermords, den der „Islamische Staat“ (IS) an den Jesiden verübt hat, sagte der Vorsitzende Richter Christoph Koller. Der Staatsschutzsenat sprach den Angeklagten Taha Al-J. schuldig, obwohl er kein Deutscher ist und die Tat nicht in Deutschland begangen wurde, und berief sich dabei auf das internationale Recht. Al-J. muss der Mutter des Mädchens, die als Nebenklägerin und wichtigste Zeugin aufgetreten war, zudem einen Schadenersatz von 50.000 Euro zahlen.

          Matthias Trautsch
          Koordination Reportage Rhein-Main.

          Nach Überzeugung des Gerichts hat sich der heute 29 Jahre alte Iraker als Mitglied des IS an der geplanten Vernichtung der Religionsgemeinschaft der Jesiden beteiligt. Gemeinsam mit seiner deutschen Frau Jennifer W. habe er eine verschleppte Jesidin und deren Tochter in seinem Haus in Falludscha als Sklavinnen gehalten und ausgebeutet. Er habe Mutter und Tochter gezwungen, auf dem Boden zu schlafen, bitteres Leitungswasser zu trinken, er habe sie geschlagen, zum Befolgen islamischer Religionsriten gezwungen und systematisch gedemütigt.

          Auslöschung der jesidischen Identität

          Zum Tod der Fünfjährigen kam es durch eine grausame Bestrafung. Weil das Kind sich krankheitsbedingt auf einer Matratze eingenässt hatte, band Al-J. sie im Hof des Anwesens an das Außengitter eines Fensters, wo sie der prallen Sonne und Temperaturen von mehr als 50 Grad ausgesetzt war. Als sie abgenommen wurde, war sie entweder tot oder dem Tod nahe. Dass Al-J. in diesem Moment erschrocken wirkte, wertete das Gericht als einen der wenigen entlastenden Umstände und sah von der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld ab.

          Als Beleg dafür, dass Ausbeutung und Brutalität nicht nur persönlich motiviert waren, nannte der Vorsitzende Richter, dass die Jesidin ihre Tochter nicht mehr bei deren eigentlichem, sondern nur mit einem vom Angeklagten gegebenen arabischen Namen rufen durfte. Dies zeige, dass es Al-J. um die Auslöschung der jesidischen Identität gegangen sei – getreu der Ideologie des IS, nach der Jesiden „Teufelsanbeter“ seien und vernichtet werden müssten. Auch die Aussage von Jennifer W., die gerade in einem Prozess in München zu zehnjähriger Haft verurteilt wurde, stütze diese Sicht. W. habe gesagt, ihr damaliger Mann habe Jesiden als „nichts wert“ bezeichnet.

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          Zwischen der Verkündung des Urteils und der Begründung kam es im Gerichtssaal zu einem Zwischenfall: Der Angeklagte sackte zusammen und war minutenlang nicht ansprechbar. Das Gericht unterbrach die Sitzung und alarmierte den Rettungsdienst. Nach der Pause zeigte sich der Angeklagte dann wieder so, wie er es zuvor während der anderthalbjährigen Prozessdauer getan hatte: aufmerksam, sich Notizen machend, angeregt mit seinen Dolmetschern und den Verteidigern diskutierend. Zu einem Wort des Bedauerns gegenüber der Mutter konnte er sich nicht durchringen. Der Vorsitzende Richter wandte sich in abschließenden Worten an sie mit dem Wunsch, sie möge einen Weg finden, ihr Leid zu tragen und Frieden zu finden.

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