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Zehn Jahre Frankfurt Lab : Neue Kunst, neue Leute

In deutscher Erstaufführung: „Odisseia“ der brasilianischen Compagnie Hiato Bild: Ligia Jardim

Zehn Jahre Frankfurt Lab: Der Produktionsort feiert das zweite „FºLAB“, ein interdisziplinäres Festival der Darstellenden Künste. Es gibt viel zu entdecken.

          Worte und Torte: Beides muss es bei runden Geburtstagen geben. Das Frankfurt Lab am Ende des Gallus, in einer ehemaligen Fabrik an der Schmidtstraße, ist mit zehn schon eine erwachsene Sache. Weshalb es nach der tortenreichen Jubiläumsfeier gestern nahtlos weitermacht mit einem Festivalprogramm, das bis 16. Juni mit mehreren Veranstaltungen am Tag zeigt, wer sich alles im Frankfurt Lab tummelt.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Schon zum zweiten Mal nach 2017 lädt das Frankfurt Lab unter der etwas seltsamen Abkürzung „FºLAB“ ein, zu erkunden, wer sich, oft ohne dass es das Laufpublikum wahrnimmt, in der Halle tummelt. Es gibt Vorträge, etwa heute des Choreographen Jonathan Burrows, danach zeigt Herbert Graf „Oh, I’m sorry“, das erste von mehreren Studienprojekten vom Institut für Angewandte Theaterwissenschaften in Gießen. Es wird diskutiert, das Ensemble Modern wird mit dem Orchester der Frankfurter Musikhochschule am Sonntag erstmals gemeinsam ein Programm gestalten, und der Frankfurter Mousonturm gönnt sich zum Festival eine mit viereinhalb Stunden opulente und raumgreifende Theaterarbeit in deutscher Erstaufführung: „Odisseia“ der brasilianischen Compagnie Hiato, die mit der sehr schönen Arbeit „O Jardim“ schon einmal im Lab gastierte.

          Es geht um Raum und Zeit

          Dass fast alle Veranstaltungen, ob Erstlingsarbeiten oder Projekte renommierter Künstler, Premieren sind und einen gleichen bescheidenen Eintritt von zwölf beziehungsweise sechs Euro kosten, ist ein Zeichen: Damit solle das Publikum, sagt Lab-Projektleiterin Hanna Knell, einen Einblick in die vielfältigen Arbeitsweisen am Lab bekommen und ermuntert werden, Unterschiedliches anzusehen: neue Leute für neue Kunst.

          Vor zehn Jahren haben sich das Ensemble Modern, die Hessische Theaterakademie, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, das Künstlerhaus Mousonturm und die damalige Forsythe Company, für die heute die Dresden Frankfurt Dance Company Mitglied ist, zusammengeschlossen, um einen Ort für neue Darstellende Künste zu schaffen. Sie bringen die Projektmittel ein, Miete und Infrastruktur werden mittlerweile von Stadt, Land Hessen und Förderern ermöglicht. Gearbeitet wird, wie Knell sagt, im Grunde an 365 Tagen. „Es ist hier permanent Betrieb, und das ist unser Kerngeschäft. Es geht um Raum und Zeit für künstlerische Produktion und um die Fläche.“

          „Halle 2 ist einzigartig“

          Denn es stehen insgesamt gut 900 Quadratmeter zur Verfügung, Halle 1 misst 650 und Halle 2 220 Quadratmeter. Jeder Partner nutze die Halle unterschiedlich. „Halle 2 ist einzigartig“, sagt Knell. „Dort arbeiten Studierende und bekommen, nach einer Einführung und Übergaben, ihren eigenen Schlüssel. Sie können auch am Wochenende oder nachts um drei dort arbeiten und das in professionellem Setting. Das ist eine absolute Ausnahme, dass Studierenden solche Räume zur Verfügung stehen.“

          Der Mousonturm wiederum nutzt die Halle vor allem für große internationale Gastspiele, das Ensemble Modern bereitet große Produktionen vor wie im vergangenen Jahr seine Kooperation mit der Tanzcompagnie von Emmanuel Gat für „Story Water“, das in Avignon beim Festival uraufgeführt wurde.

          Dass die Halle nicht mitten in Frankfurt zu finden ist oder noch nicht auf dem erhofften Kulturcampus, ist für die Kunst nicht so wichtig: Proben, das geht überall. Mit dem zweijährigen Festival aber, das mit Fördermitteln und durch Eigenleistungen der Partner zustande kommt, sollen die Zuschauer noch aufmerksamer werden auf das, was die Lab-Kollegen für so bieten.

          FºLAB FESTIVAL,Frankfurt Lab, Schmidtstraße, 12. bis 16. Juni

          Ich fürchte nichts – nichts – als die Grenzen deiner Liebe. Lass auch Hindernisse wie Gebirge zwischen uns treten, ich will sie für Treppen nehmen und drüber hin in Luisens Arme fliegen.“ Kabale und Liebe Staatstheater Wiesbaden, Premiere 16. Juni, 19.30 Uhr

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