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Frankfurt : Koreaner kaufen Hochhäuser

265 Millionen wert: der „Gallileo“. Bild: Fricke, Helmut

Gewerbeimmobilien in Frankfurt sind gefragt wie lange nicht. Skyper, Gallileo und Goetheplaza sind nun verkauft. Großes Interesse zeigen vor allem die Koreaner.

          Die Altersversorgung der Koreaner wird in Frankfurt gesichert: Der „Gallileo“, ein gläserner Büroturm im Bankenviertel, gehört nun sechs koreanischen Pensionskassen und Versicherungen. Abgewickelt hat den Kauf vor wenigen Tagen zwar das deutsche Immobilienunternehmen IVG, dessen Fonds formell als neuer Eigentümer auftritt. Finanziert wurde er aber mit dem Geld koreanischer Ko-Investoren.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es ist der erste größere Zuschlag für koreanische Investoren in Deutschlands Immobilienmarkt. Und es dürfte nicht der letzte sein: „Dort wurde jede Menge Geld gesammelt, das angelegt werden muss. Wir werden künftig mehr Investoren aus fernen Ländern sehen“, sagt der Makler Oliver Barth, Niederlassungsleiter von BNP Paribas Real Estate. Dass ausländische Investoren in Frankfurt aktiv sind, ist keine Seltenheit. 36 Prozent der Käufer von Gewerbeimmobilien kamen nach Angaben des Maklerhauses Jones Lang LaSalle im ersten Halbjahr 2013 aus dem Ausland. Eigentlich ist der Anteil sogar noch höher: Die IVG wird jedoch in den Statistiken als deutscher Käufer geführt - trotz des Geldes aus Korea.

          Dreistellige Millionenbeiträge

          Die asiatischen Rentenkassen sind auf ihrem Einkaufsbummel über den Frankfurter Büromarkt nicht allein. Weil Frankfurter Immobilien als besonders sichere Geldanlage gelten, greifen in- und ausländische Fonds, Versicherungen, Pensionskassen und private Anleger derzeit so beherzt zu wie lange nicht: Immobilien im Wert von 1,8 Milliarden Euro wechselten laut Jones Lang LaSalle allein im ersten Halbjahr den Besitzer, die Summe ist doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Mehr Geld wurde in keiner anderen deutschen Stadt investiert.

          Drei Gebäude, die jeweils für einen dreistelligen Millionenbetrag verkauft wurden, machten fast die Hälfte des gesamten Investitionsvolumens aus. Allein der Turm „Gallileo“, den die Commerzbank verkauft hat, aber weiter als Mieter nutzt, war seinen Käufern etwa 265 Millionen Euro wert, heißt es vom Maklerhaus Nai Apollo. Besonders viel gezahlt wurde auch für das Bürohochhaus „Skyper“, das ein Fonds für angeblich sogar mehr als 300 Millionen Euro an die Allianz Real Estate verkauft hat. Stolz war offenbar auch der Preis für den noch im Bau befindlichen Büro- und Geschäftshauses „One Goetheplaza“ am Goetheplatz. Wie es heißt, hat es die IVG für mehr als 200 Millionen Euro von der Freo-Gruppe erworben.

          Etliche weitere Häuser stehen zum Verkauf

          Zirka 100 Millionen Euro hat das israelische Unternehmen Aurec dem Vernehmen nach für das Bürohaus Bockenheimer Warte ausgegeben. Der Büroturm „T11“ an der Taunusanlage, der derzeit von Freo saniert wird, war Marktgerüchten zufolge wiederum der IVG rund 80Millionen Euro wert. Die Spezialfonds des angeschlagenen Unternehmens haben somit für knapp 600 Millionen Euro allein in Frankfurt eingekauft.

          Etliche weitere Häuser stehen zum Verkauf. Die Makler gehen in ihren Prognosen zwar nicht davon aus, dass man den Halbjahreswert einfach verdoppeln kann, um auf die Jahressumme zu kommen. Bertram Koch, der die Abteilung regionales Investment bei BNP leitet, spricht aber schon jetzt von einem „Sensationsjahr“ und rechnet mit mehr als drei Milliarden Euro Umsatz. Der Rekord von 2007, als in Frankfurt Gewerbeimmobilien im Wert von fast acht Milliarden Euro verkauft wurden, wird also wohl nicht erreicht.

          Stabile Marktsituation

          Laut Christian Kadel, der das Büroinvestment-Geschäft bei Jones Lang LaSalle in Frankfurt leitet, sind aber einige weitere „Großtransaktionen“ absehbar. Angebote im Umfang von 2,3 Milliarden Euro seien derzeit „in Bearbeitung“. Dass alle Geschäfte auch zustande kommen, ist unwahrscheinlich. Es ist auf dem Frankfurter Investmentmarkt ein offenes Geheimnis, dass zum Beispiel der Büroturm „Tower 185“ im Europaviertel zum Verkauf steht. Auch Objekte in B-Lagen seien gefragt, meint Kadel. Der hohe Anlagedruck und die hohe Nachfrage treiben nach Angaben des Maklerhauses CBRE auch die Preise nach oben.

          Nicht nur Bürohäuser sind gefragt. Zwar entfallen auf sie 70 Prozent der investierten Summe. Aber auch für Einzelhandelsimmobilien wurden 360 Millionen Euro ausgegeben. Die Frankfurter Gebäude gelten als sichere Geldanlage: Anders als in anderen Ländern ist die Renditeentwicklung sehr stabil, ohne große Ausschläge nach oben und unten. Die Spitzenrendite für Büroimmobilien betrug im zweiten Quartal 4,75Prozent, für innerstädtische Geschäftshäuser lag sie bei 4,2 Prozent. Mehr Geld kann man derzeit mit Logistikimmobilien verdienen, für sie beträgt die Rendite 6,5 Prozent.

          Dass Frankfurt so hoch im Kurs steht, liegt an der stabilen Marktsituation. Als „langweilig, aber ohne Risiko“ beschreibt Barth die Lage. „Egal, was man in Deutschland heutzutage kauft - es ist immer noch besser, als Geld auf dem Festgeldkonto zu haben“, sagt Koch.

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