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Geschäft mit dem 3D-Drucker : Konkurrenzkampf in drei Dimensionen

  • -Aktualisiert am

Papierloses Drucken: Für diesen Schädel eines Dinosauriers braucht man einen speziellen Kunststoff, der dann meist von einem Laser erwärmt wird. Bild: Norbert Müller

In Frankfurt haben sich inzwischen drei Geschäfte auf das 3D-Drucken spezialisiert - wie die Neu-Unternehmer Kunden von ihren 3D-Druckern überzeugen wollen.

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          Die Hoffnungen sind groß. Jedes siebte IT-Unternehmen rechnet laut einer Umfrage damit, dass 3D-Drucker die Wirtschaft revolutionieren werden. Vor einem Jahr glaubten das nur drei Prozent. Das fand der Hightech-Verband Bitkom in Befragungen heraus. „3D-Drucker werden einen enormen Einfluss auf große Teile der Wirtschaft haben“, sagt Bitkom-Präsident Dieter Kempf.

          Auch in Frankfurt macht sich der Aufschwung der 3D-Drucker-Branche bemerkbar. Drei Unternehmen mit unterschiedlichen Strategien haben sich im vergangenen Jahr am Main niedergelassen und einen kleinen Konkurrenzkampf begonnen. Eines haben sie gemeinsam: Nach eigenen Aussagen brummt das Geschäft.

          Das Ich aus dem 3D-Drucker

          NC3D verkauft seit Anfang August an der Brückenstraße in Sachsenhausen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Friedrichshafen hat sich auf dreidimensionale Porträts spezialisiert, die es mit 80 Kameras in einer eigens dafür entwickelten Kabine schießt. Zwischen sechseinhalb und 38 Zentimeter groß sind die Abbilder der Kunden, aus farbigen Mineralpulverschichten gefertigt. Je nach Größe liegen die Preise zwischen 99 und 1299 Euro. Accessoires werden mit weiteren 35 Euro berechnet. Die zehn und fünfzehn Zentimeter hohen Modelle verkauften sich am besten, berichtet eine Verkäuferin, das teuerste habe hingegen noch niemand bestellt. Gerade einmal zwei Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen in Frankfurt, die Figuren lässt es in Friedrichshafen drucken.

          Manchmal sind nach den Kameraaufnahmen Details nicht korrekt dargestellt, so dass Designer das Modell am Computer nachbearbeiten müssen. Daher kann es nach Unternehmensangaben bis zu zwei Wochen dauern, bis der Kunde den dreidimensionalen Druck in den Händen hält. Wer wolle, könne die Figur zudem an einen Sockel befestigen lassen, damit sie fest stehe. Auch könne man sich hier Maschinenteile nachdrucken lassen und 3D-Drucker kaufen, sagt die Verkäuferin - auch wenn im grün-weiß gestalteten Laden kein Modell zu sehen ist.

          Wie in einem Apple-Store

          Ende Oktober hat auch die Konkurrenz von iGo3D eine Filiale in Frankfurt eröffnet. Die Geschäftsführung der im Vorjahr gegründeten Kette sitzt in Oldenburg - mit Ablegern in mehreren deutschen Großstädten, aber auch in Russland und Polen. Franchisenehmer Frank Hertling bewirtschaftet außer der Filiale in Stuttgart auch den Laden am Eschenheimer Turm. Mehrere Drucker brummen hinter der Glasfront des Ladens vor sich hin. Ein wenig erinnert das Design seines Ladens an einen Apple-Store.

          Wenn seine beiden Geschäfte gut liefen, könne er sich vorstellen, noch weitere Filialen zu eröffnen. Die zwei ersten Monate seien schon einmal sehr gut gelaufen. Rund 40 Prozent seines Umsatzes machten die beliebten Körperscans aus. Genauso viel bringe der Verkauf der Drucker und des Zubehörs ein, die übrigen 20 Prozent entfielen auf Dienstleistungen: Modelle und Maschinenteile für Bastler, das Bauamt und Hochschulen.

          Frankfurter Trendsetter 3D Scraper

          Hertling erledigt die Aufträge mit einem überdimensionalen, 70 000 Euro teuren 3D-Drucker im Keller. Außer Kunststoff lässt er aus Polymergips fertigen, die Preise für die 15 bis 35 Zentimeter messenden Produkte bewegen sich zwischen 220 und 890 Euro. Damit sind große Figuren günstiger als bei NC3D, die zwergenhaft kleinen aber teurer. Mit denen würde er wegen des gleichen Aufwands sonst kaum Geld verdienen, begründet dies der Geschäftsführer. Accessoires wie Taschen und Musikinstrumente kosten einen Aufpreis zwischen 39 und 99 Euro.

          Während jene beiden Anbieter erst kürzlich ihre Zelte in Frankfurt aufschlugen, ist 3D Scaper so etwas wie der Trendsetter gewesen. Geschäftsführer Thomas Mörsdorf hat den Laden im April 2014 eröffnet, ohne eine Kette im Hintergrund zu wissen. 230 Euro kostet das 15 Zentimeter hohe Einsteigermodell, immerhin schon in Farbe. In Schritten von zweieinhalb Zentimetern reicht das Angebot bis zum 990 Euro teuren Premiummodell, das 35 Zentimeter misst. Preislich liegt 3D Scaper sowohl bei den kleinen als auch bei großen Modellen ein kleines Stück über iGo3D.

          Stillhalten für das Abbild

          Komplexe Modelle lässt Mörsdorf in den Niederlanden fertigen - dafür fehlt ihm das Equipment in Frankfurt. Dennoch: Spätestens zwei Wochen nach den Kameraaufnahmen will Mörsdorf dem Kunden sein gewünschtes Ergebnis übergeben, schneller ist auch die Konkurrenz nicht.

          Immerhin steht der 3D Scaper selbst im Geschäft an der Bockenheimer Warte, 60 Kameras sind rund um den roten Kreis auf einem flachen Podest positioniert. Darauf muss sich der Kunde stellen - und stillhalten. Der gedruckte dreidimensionale Weihnachtsmann grüßte zur Weihnachtszeit aus dem unaufgeräumten Schaufenster, in dem gedruckte Handyschalen und das sogenannte Filament ausgestellt sind. Das ist gewissermaßen die Tinte des 3D-Druckers, sie ähnelt in ihren Kunststofffäden einem aufgerollten Gartenschlauch.

          Der gerade hereinkommende Kunde braucht kein Filament, er ist aus einem anderen Grund da. Seinen kleinen Hund wolle er abholen, sagt der Mann. Wahrscheinlich meint er aber nur dessen dreidimensionales Abbild.

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