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Frankfurt : KfW eröffnet Kultur-Villa im Westend

Der Vorstand: Ulrich Schröder und Edeltraud Leibrock. Bild: Röth, Frank

Mit ihrer eigenen Stiftung, Lesungen und Ausstellungen will die staatliche Förderbank sich stärker in die Frankfurter Gesellschaft einbringen - wie viele andere Geldhäuser auch.

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          Hier und da hängt Tapete von der Decke, auf dem Fischgrätparkett hat abgerissener Teppichboden dicke Kleberränder hinterlassen. In einem Raum erinnert eine mit feinem Marmor und Spiegel versehene Nische noch daran, dass sich die Unternehmerfamilie Sondheimer hier früher, im noch jungen 20. Jahrhundert, gewaschen hat. Eine spannende Mischung aus Bürgerlichkeit und Provisorium für eine Ausstellung junger Kunst. Die staatliche Förderbank KfW will die Villa an der Bockenheimer Landstraße 102 in Frankfurt, die bis 2005 als Literaturhaus genutzt wurde, wieder mit Leben füllen. Die neu gegründete KfW-Stiftung hat dort ihren Sitz und zeigt mit der Ausstellung „Home Stories“ mit Werken von Künstlern der Städelschule und des Berliner Hauses Bethanien schon einmal, wie sie ihren Auftrag versteht.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Aktionen der Stiftung sollten immer einen Bezug zur Arbeit der Förderbank haben, sagte Ulrich Schröder gestern, der sowohl den Vorstand der Bank als auch jenen der Stiftung leitet. Und so wolle man als internationale Förderbank nicht wie viele andere Frankfurter Banken auch, einfach nur zeitgenössische Kunst fördern, sondern zum Beispiel junge Künstler, die sich um den interkulturellen Austausch kümmerten. Wie Khaled Barakeh, syrischer Student der Städelschule, der für sein Werk „Regarding the pain of others“ eine Totenbahre aus seinem Heimatland zersägt und in eine Art Fernsehsessel umgewandelt hat.

          „Brücke in die sonstige Zivilgesellschaft“

          Was bislang unter dem Schlagwort Corporate Social Responsibility (CSR) an verschiedenen Stellen in der KfW angesiedelt war, hat die Förderbank nun in ihrer Stiftung gebündelt. Dadurch will sie stärker in der Frankfurter Gesellschaft präsent sein, wie Schröder sagte. Sie ist dabei in bester Gesellschaft mit den anderen Frankfurter Großbanken. Deutsche Bank, Commerzbank, DZ-Bank, sie alle fördern über ihre Stiftungen Künstler, soziale Einrichtungen oder Sportvereine - und nebenbei ihr Renommee.

          Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, kann viele Gründe aufzählen, weshalb Unternehmen und Banken eine solche Einrichtung gründen. Eine Stiftung biete eine „Brücke in die sonstige Zivilgesellschaft“, sagt Fleisch. Für viele Umweltorganisationen etwa käme eine Zusammenarbeit mit einem Konzern nie in Frage. „Aber eine gemeinnützige Stiftung gibt ihnen das Gefühl: die ist eine von uns.“

          Bisherige Engagements sollen weitergeführt werden

          Ein weiterer Grund, den auch Schröder nannte, sei, dass die rechtlich eigenständige Stiftung in ihrem Tun unabhängig vom jeweiligen Geschäftserfolg des Unternehmens sei. „Wenn ein Unternehmen Sparprogramme aufsetzt und gleichzeitig moderne Kunst und Stockhausen-Konzerte mit einigen Millionen Euro unterstützt, führt das zu Unverständnis“, sagt Fleisch. Gleichzeitig sei bürgerliches Engagement aber nur glaubwürdig, wenn es auf Dauer ausgelegt sei. Auch die KfW will eigentlich, dass die Stiftung ihre Aktivität aus den Erträgen des Stiftungskapitals von 20 Millionen Euro finanziert. Neben „Kunst und Kultur“ will sie vor allem „Umwelt und Klima“, „Verantwortliches Unternehmertum“ und „Soziales Engagement“ unterstützen. Das Budget dafür solle wie bisher 1,2 bis 1,5 Millionen Euro betragen. Da ein solcher Betrag im aktuellen Zinsumfeld aber kaum zu verdienen sein werde, rechnet Schröder damit, dass die Förderbank vorerst Zustiftungen machen werde, um die Summe zu garantieren.

          Die bisherigen Engagements etwa in Frankfurt beim Senckenberg-Museum, dem Palmengarten und dem Zoo, sollen weitergeführt werden, versicherte Schröder. Gemeinsam mit dem Zoo vergibt die Stiftung am 10. April sogar zum ersten Mal den „Bernhard-Grzimek-Preis für Biodiversität“, der mit 50000 Euro dotiert ist. Einige kleinere Förderungen, die nicht in eines der vier Themenfelder passten, würden aber aufgegeben, sagte er. Und er gab auch eine klare Ansage an die Stadt, dass die Bank für die Förderung anderer Kulturbauten, etwa auf dem geplanten Kulturcampus Bockenheim, oder für eine Erweiterung des Senckenberg-Museums, vorerst nicht zur Verfügung stehe. Die Bank habe schließlich für die Villa fünf bis sechs Millionen Euro gezahlt und stecke noch einmal mehrere Millionen in die Renovierung. Bis 2016 soll das nun „Villa 102“ genannte Gebäude möglichst originalgetreu restauriert sein.

          Da die KfW das benachbarte Gebäude abreißen lässt und dort ein neues mit Tiefgarage bauen will, soll der derzeit vor allem als Parkplatz genutzte Garten um die Villa wieder zu einem Park umgestaltet werden. Schröders Vorstandskollegin Edeltraud Leibrock hofft, dass die Stiftung diesen Garten auch dann schon für Veranstaltungen nutzen kann, wenn in der Villa noch gebaut wird.

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