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Frankfurt : Katholiken planen wichtige Reformschritte

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Eine Kirche mit klaren Konturen: der Frankfurter Dom vor dem Abendhimmel. Bild: dpa

Die Kirche in Frankfurt sieht die Zeit für Veränderungen gekommen und lädt zu einer Synode ein. Alles soll offen ausgesprochen werden, auch wenn nicht jeder Vorschlag gleich verwirklicht wird.

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          Niemand weiß, wer in diesem Jahr der neue Limburger Bischof werden wird. Jeder weiß, dass das Erbe, das er antritt, nicht leicht ist. Denn das Beben, das Franz-Peter Tebartz-van Elst verursacht hat, wirkt noch immer nach: in Gestalt von Fragen nach Grenzen kirchlicher Amtsautorität und gutem Konflikt-Management, nach Erscheinungsformen der Kirche in der Welt von heute und größtmöglicher Transparenz von Finanzen.

          Die katholische Kirche in Frankfurt will sich Fragen wie diesen stellen und Ideen für Reformschritte sammeln - solche, die in der Stadt in die Tat umgesetzt werden können, und solche, deren Verwirklichung einen längeren Atem braucht. Dazu findet am 16. Januar ein Stadtkirchenforum statt, das erste dieser Art. Rund 100 Teilnehmer haben sich bis jetzt zu der Synode angemeldet. Geht es nach Stadtdekan Johannes zu Eltz, „soll über alles ohne Denk- und Redeverbot“ gesprochen werden. Konkrete Beschlüsse soll dann der neue Stadtsynodalrat fassen, der sich im April konstituiert.

          Anspruchsvolles Programm der Synode

          Zu Reformen, die sich in der Stadtkirche realisieren lassen, zählt Eltz zum Beispiel eine neue Kultur des Zuhörens. „Überall da, wo es sinnvoll möglich ist“, solle Gläubigen, Mitarbeitern und Gremien die Möglichkeit zu Rückmeldungen gegeben werden. Dahinter steht für den Stadtdekan die entscheidende Haltung, Vertrauen in das Kirchenvolk zu haben und Kritik nicht aus dem Weg zu gehen.

          Ein anderes Beispiel nennt Rolf Glaser, Dekan des Dekanats Frankfurt-Höchst und einer der Initiatoren der Synode: die Einrichtung einer Ombudsstelle, die in Konfliktfällen angerufen werden kann und deren Entscheidungen bindend sind, etwa bei Streit innerhalb der neuen Großgemeinden. Auch Christoph Hefter, dem Vorsitzenden der Stadtversammlung, des höchsten Laiengremiums der Katholiken, sind konkrete Reformschritte wichtig. „Wir wollen nicht lamentieren und vom Bistum oder Rom Änderungen fordern, sondern selbst etwas tun.“ Das ist auch Eltz ein zentrales Anliegen, und er sieht genug Spielraum für „Modernisierungen, die zu Frankfurt gut passen“.

          Das Programm, das sich die Synode vorgenommen hat, ist sehr anspruchsvoll, zumal sie auch über Reformideen sprechen wird, über deren Realisierung die Stadtkirche nicht entscheiden kann - zum Beispiel über offizielle Segnungsfeiern für wiederverheiratete Geschiedene oder homosexuelle Paare. Trotzdem kann in Fragen wie dieser ein wichtiger Impuls von der Versammlung ausgehen, an der Lebenswirklichkeit von Gläubigen nicht vorbeizusehen. „Die Kirche beharrt zu sehr auf Themen, die diese Wirklichkeit nicht mehr berühren“, urteilt Hefter.

          Synode soll zu einmütigen Ergebnissen kommen

          Die Synode wird mit Sicherheit aufmerksam verfolgt werden - vielleicht von anderen Bezirken des Bistums Limburg, die Ähnliches planen, mit Sicherheit aber von der Bistumsleitung selbst. „Große Bedenken“ gebe es nicht, versichert der Bistumssprecher. Eltz habe mit dem Apostolischen Administrator über die Synode gesprochen, und es sei positiv, dass sich die Stadtkirche auf die Suche nach neuen Perspektiven mache.

          Dennoch dürfte man in Limburg angesichts der sich anbahnenden Vorbereitungen für die Bischofssuche und der Verantwortung gegenüber dem Vatikan, für einen geordneten Übergang zu sorgen, einigermaßen gespannt auf die Beratungen und Beschlüsse schauen. Eltz wird die Versammlung jedenfalls bitten, in den Beratungen die Gesamtkirche nicht aus dem Blick zu verlieren, wie er sagt. Das solle aber die freie Meinungsäußerung keineswegs einschränken. Über kirchenrechtlich Relevantes werde man später im Stadtsynodalrat sprechen, wenn es um konkrete Beschlüsse gehe. Wichtig ist dem Stadtdekan, dass die Synode zu einmütigen Ergebnissen kommt, die dann „Praxis der gesamten Stadtkirche“ werden können.

          „Kirche, die Jesus nachfolgt, ist auch politisch unterwegs“

          Die Idee zu der Stadtsynode war Ende 2014 entstanden, nachdem klar war, dass es nach dem Weggang Tebartz-van Elsts keine Diözesansynode geben würde, denn sie kann ohne einen regelrechten Bischof nicht stattfinden. Es gab die Sorge, dass das Bistum in eine Erstarrung geraten könnte und so Chancen für Veränderungen vertan würden. So erhofft sich Hefter nun von der Stadtsynode „Mut und Zuversicht, etwas anzugehen“.

          Das erwartet auch Caritasdirektorin Gaby Hagmans. Sie war an der Vorbereitung der Versammlung ebenfalls beteiligt und wird an ihr teilnehmen. Hagmans ist erst nach dem Konflikt des Bistums mit Tebartz-van Elst nach Frankfurt gekommen, weiß aber natürlich um ihn. Von der Synode verspricht sie sich einen neuen Schwung für die Frankfurter Kirche, ja sogar einen „ersten Schritt“ zu einer neuen Vision. „Wir haben dafür einen großen Gestaltungsspielraum.“

          Besonders wichtig ist Hagmans, dass sich die Frankfurter Kirche zu ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung bekennt und an Diskussionen über Werte teilnimmt. Sie weiß, dass dieses Denken in der Stadtkirche Tradition hat, wünscht sich aber wieder ein stärkeres Bewusstsein dafür. Denn eines ist für Hagmans klar: „Eine Kirche, die Jesus nachfolgt, ist auch politisch unterwegs.“

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