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Care1 Corona Pass : Mit App zurück in die Normalität

Um sich ins Restaurant setzen zu können, müssen sich die Kunden auf die Kontaktnachverfolgung einstellen - helfen kann die App der Frankfurter. Bild: dpa

Drei Frankfurter Jungunternehmer haben innerhalb weniger Wochen eine neue Corona-App entwickelt. Von der Kontaktverfolgung bis hin zum Testtermin soll sie alles abdecken, was man in Pandemie-Zeiten braucht.

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          In immer mehr Städten und Kreisen haben die Biergärten und Straßencafés schon geöffnet. Kinos, Museen und Theater kommen hinzu, vielleicht ist sogar bald wieder ein Abend in der Bar oder im Club möglich. Doch das Prozedere für Gäste und Gastwirte ist kompliziert und aufwändig – häufig müssen Kontaktbögen immer noch von Hand ausgefüllt werden, bei der Informationsübermittlung an die Gesundheitsämter hakt es.

          Matthias Trautsch
          Koordination Reportage Rhein-Main.

          Damit soll nach dem Willen der drei Frankfurter Jungunternehmer Andre Braun, Marko Kraemer und Lennard Henning Arand jetzt Schluss sein. Ihre Firma, die Plutus GmbH, hat mit Unterstützung des Neu-Isenburger Investors Care1 innerhalb weniger Wochen die App „Care1 Corona Pass“ entwickelt.

          „Full-Service-Lösung“

          Seit ein paar Tagen ist die App im Google Play Store und im App Store von Apple abrufbar. Der 18 Jahre alte Braun und der 16 Jahre alte Kraemer sprechen von einer „digitalen Full-Service-Lösung“ und einem „ganzheitlichen Ansatz“. Momentan befindet sich die App noch in einem recht frühen Stadium, nicht alles läuft fehlerfrei und es sind noch nicht viele Anbieter registriert. Das soll sich nach dem Willen der Entwickler jedoch schnell ändern.

          Anders als bei Konkurrenzprodukten wie der Luca-App und bei der Corona-Warn-App der Bundesregierung sei es von Anfang an nicht nur um Kontaktverfolgung gegangen, sondern um eine umfassende Prävention gegen die Ausbreitung von Covid-19 sowie um einen einfachen Weg zurück in die Normalität des täglichen Lebens.

          Die Software stehe allen zur Verfügung, die am Prozess des Impfens, Testens, der Erfassung und Prüfung von Daten sowie der Nachverfolgung beteiligt sind: Bürgern, Teststationen, Inhabern gastronomischer und kultureller Stätten, Gesundheitsämtern sowie Ärzten und Impfzentren. Je nach Rolle in diesem Prozess gebe es unterschiedliche Versionen der Software, teils über das Smartphone, teils auch über das Web.

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          ANMELDEN

          Ziel ist, dass sich die Bürger die App auf ihr Handy laden und darüber einen Termin an einer der registrierten Teststationen in der Nähe vereinbaren können. Das Ergebnis muss dann nicht mehr per E-Mail abgerufen werden, sondern erscheint direkt in der App.

          Ein positives Resultat kann an das Gesundheitsamt gemeldet werden, ein negatives erlaubt für acht Stunden den Besuch etwa von teilnehmenden Restaurants oder Theatern, denkbar sind auch Schwimmbäder, Fitnessclubs, Massagesalons – also aller Orte, an denen nur Menschen zusammenkommen sollten, die nicht infektiös sind.

          Anbieter in der Nähe, die mit dem „Care1 Corona Pass“ arbeiten, sollen in einer Übersicht in der App erscheinen. Am Eingang müssen die Nutzer lediglich den QR-Code vorzeigen, der in der App erscheint, ihre Kontaktdaten werden automatisch übermittelt.

          Finanziert von Sasan Tabib

          Da sich die Grafik binnen weniger Sekunden erneuert, soll ein Betrug – zum Beispiel durch Abfotografieren – ausgeschlossen sein. Der Datenschutz, etwa bei der Nachverfolgung von Infektionsketten, ist nach Angaben Brauns gewährleistet.

          Finanziert wurde die Entwicklung von Sasan Tabib, der mit seinem Neu-Isenburger Unternehmen Chip One mit elektronischen Bauteilen handelt, der mit der Schwesterfirma Care1 aber auch Antigen-Schnelltests, Handschuhe, Schutzkleidung und andere medizinische Produkte vertreibt.

          Er sei von der Idee des jungen Entwickler-Teams gleich angetan gewesen, sagt Tabib. Deshalb habe er die Kosten übernommen und den Programmierern seine in der Testbranche erfahrenen Berater zur Seite gestellt.

          Finanziert wurde die Entwicklung der App von Unternehmer Sasan Tabib.
          Finanziert wurde die Entwicklung der App von Unternehmer Sasan Tabib. : Bild: Michael Braunschädel

          Die Nutzung der Software ist nicht nur für Bürger, sondern auch für die professionellen und staatlichen Anwender kostenlos, Entwickler und Investor wollen mit dem „Care1 Corona Pass“ nach eigenen Angaben nichts verdienen.

          Braun und Kraemer sagen, sie gehörten mit der Plutus GmbH zwar – wie viele Betriebe der Digitalbranche – zu den Gewinnern der Corona-Pandemie, doch angenehm sei der Gedanke nicht, ein Krisenprofiteur zu sein.

          Durch die App sei es möglich, sich für die Gesellschaft einzusetzen. Hinzu komme auch die persönliche Motivation. „Wir haben einfach keinen Bock mehr, auf die Rückkehr zur Normalität zu warten“, sagt Braun.

          Angesichts einer Vielzahl von Covid-19-Apps, die momentan auf den Markt kommen, ist es ungewiss, welche Systeme sich durchsetzen. Der 43 Jahre alte Tabib gibt sich im Hinblick darauf gelassen.

          Gesundheitsamt prüft Möglichkeiten

          „Wenn sich die Leute am Ende für eine andere App entscheiden, die ihr Leben verbessert, ist das für mich auch okay.“ In der Zusammenarbeit mit den jungen Entwicklern sehe er in jedem Fall eine große Zukunft. „Und was Corona betrifft, hoffe ich vor allem, dass sich das Thema bald erledigt hat.“

          Momentan steht das Entwicklerteam in Kontakt mit professionellen und öffentlichen Anwendern, die überlegen, das System einzusetzen. Unter anderem prüft das Frankfurter Gesundheitsamt die Möglichkeiten der App.

          Nötig seien Lösungen, „wie wir alle wieder zurück ins soziale Miteinander kommen können“, sagt Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen). „Mit einer digitalen Anwendung, die uns vom Buchen eines Antigentests bis hin zum Einchecken am Veranstaltungsort und der Nachverfolgung der Kontakte alles bietet, ist das möglich.“

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