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Faire Mode : Jeans-Kauf ohne schlechtes Gewissen

Massenware: An Jeans herrscht im Einzelhandel kein Mangel - umweltfreundlich hergestellte Marken muss der Verbraucher aber suchen. Bild: dapd

Gibt es das überhaupt? Die korrekt hergestellte Hose, die auch noch gut aussieht und bezahlbar ist? Eine Spurensuche.

          3 Min.

          Eine neue Jeans soll es sein. Das Unterfangen ist anspruchsvoll. Für eine Frau, die keine zwanzig mehr ist, ist es schon schwierig genug, eine Jeans zu finden, die eine gute Figur macht. Gerade in Zeiten, in denen Slim- und Skinny-Modelle angesagt sind und sich in der Umkleidekabine neben dem Hinterteil auch der Frust breitmacht.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun soll die Hose auch noch korrekt hergestellt sein, also bio und fair. Man kennt ja die Bilder und Berichte von jungen Menschen, die in kargen Hallen, umgeben von Bergen von Jeans, ohne Mundschutz und Handschuhe an Stoffen schrubben, schmirgeln und reißen, damit die Hosen aussehen, als würden sie schon seit Jahren rücksichtslos zu jeder Gelegenheit getragen. Mit dem Begriff Veredelung werden die gesundheitsgefährdenden Arbeiten vornehm umschrieben. Auf einem ganz anderen Blatt steht, wie viel Wasser und Chemie beim Anbau konventioneller Baumwolle eingesetzt wird und später beim Färben. Jeanshosen sind auch in der Produktion besonders durstig.

          Frankfurter Geschäfte mit fairen Jeans

          Dass die Herstellung von Mode auch umweltschonender und fairer geht, beweisen seit Jahren Unternehmen wie Hess Natur und Grüne Erde. Und sie bemühen sich, den Stil zu verbessern. Hinzu kommen kleine Label, die Wert auf gute Stoffe und Produktionsbedingungen sowie Design legen, wie etwa das Kölner Label Armedangels. Deren Angebot kann man aber oft nur online kaufen. Ein Geschäft, das Armedangels-Jeans verkauft, konnten wir zum Beispiel in Frankfurt nicht finden.

          Das heißt aber nicht, dass es keine grünen Jeanshosen im Frankfurter Einzelhandel gibt. Zu den Adressen gehören die Filialen von Hess Natur und Grüne Erde an der Kaiserstraße (jeweils mit Hausmarke), Maas Natur (Hausmarke) an der Leipziger Straße, Organicc (K.O.I., Sey) an der Berger Straße und Manufactum (Good Society, Wunderwerk) am Opernturm. Der Edelversender hat im vergangenen Herbst fünf neue Label mit ins Mode-Sortiment genommen, die nachhaltig arbeiten. Auch die Jeans- und Modeboutique The Listener im Geschäftshaus Ma an der Stefanstraße hat eine Öko-Marke (Nudie Jeans) im Programm.

          Preisspanne reicht von 99 bis 179 Euro

          Woanders, etwa bei C&A, gibt es immerhin Jeans aus Bio-Baumwolle, allerdings nicht zertifiziert, und dass die Bio-Baumwollhose mit 29 Euro nicht teurer ist als die konventionelle, macht einen stutzig. Im Kaufhaus Peek & Cloppenburg werden wir auf die Marke Citizen of Humanity verwiesen, weil die Produktion überwiegend in Amerika stattfinde. An der Hose ist aber nichts bio, dafür ist sie ziemlich teuer.

          Zusammenfassend lässt sich nach einer Einkaufstour sagen: Die meisten Händler haben die gesuchten Hosen im Programm, also mit geradem, etwas weiterem Bein und normaler Taillenhöhe - „straight“, „bootcut“ oder „regular fit“ heißen solche Modelle in der Branchensprache. Die Hosen (siehe auch Info-Kasten) sehen in der Regel wie richtige Denim-Vertreter aus, und man muss für sie auch kein Vermögen ausgeben. Die Preisspanne reicht von 99 bis 179 Euro. Als Herstellungsorte werden Länder wie Bulgarien, Polen, Türkei und Italien im „made in“ genannt. Es gibt die Hosen in verschiedenen, authentischen Blau-Tönen, meistens mit einem Anteil von 2 Prozent Elasthan bei 98 Prozent Bio-Baumwolle und mal mehr, mal weniger modisch im Schnitt. Den Unterschied machen außer der Passform auch Details wie Taschen, Nähte und Knöpfe oder auch die Wahl zwischen 32er und 34er Länge.

          So punktet zwar eine solide, schlichte Bootcut-Jeans bei Grüne Erde (99 Euro), weil sie gut sitzt. Aber es gibt sie nur in einer Länge. Das Jeans-Programm beim Nachbarn Hess Natur ist ordentlich, die Hosen haben interessantere Details als die Hosen von Grüne Erde - etwa doppelte Nähte oder gestreifte Innentaschen-Futter. Die anprobierte Hose will aber nicht so recht sitzen, was man dem Anbieter aber nicht wirklich vorwerfen kann.

          Auch Knöpfe und Reißverschluss sind wichtig

          Positiv in der Jeans-Boutique The Listener fällt auf, wie viel die Mitarbeiter über ihre Marken und überhaupt das Thema Nachhaltigkeit wissen. Mit der schwedischen Marke Nudie Jeans hat The Listener eine seit langem anerkannte grüne Marke im Programm, die in Teilen auch alte Jeanshosen wieder verarbeitet. In jeder Hosentasche steckt eine kleine Firmenbroschüre mit solchen Informationen. Die Schnitte der Damen-Hosen sind aber eher etwas für schlanke Frauen. Wir versuchen ein Männer-Modell. Nudie-Modelle seien unisex, heißt es. Die Knöpfe gehen zu, aber das Luftholen wird schwierig. Fehlanzeige.

          Die letzte Station, das Kaufhaus Manufactum, entpuppt sich schließlich als Treffer. Good Society heißt die Lösung - ein amerikanisches Label, das seinen Sitz inzwischen in Hamburg hat. Die Verkäuferin bei Manufactum weiß sofort Bescheid, nimmt die Figur in Augenschein und greift drei Hosen heraus, die in Frage kommen könnten. Es gibt die Hosen auch in unterschiedlichen Farben und Längen.

          Die Straight-Hose für 125 Euro sitzt gleich nach dem Reinschlüpfen wie angegossen. Die leicht abgeschrägten Gesäßtaschen lassen das Hinterteil manierlicher erscheinen. Weitere Pluspunkte sind die farblich abgesetzten Nähte und die dunkle Farbe. Aus dem Manufactum-Mode-Katalog lernt man, was die Hose sonst noch bietet: einen Nietknopf aus recyceltem Kupfer mit einem Gegenknopf aus wiederaufbereitetem rostfreien Stahl sowie einen Reißverschluss aus nickelfreiem Messing. Herz, was willst du mehr.

          Die Guten

          Siegel: Jeanshosen, die ohne Gift und Ausbeutung produziert werden, erkennt der Verbraucher am GOTS-Siegel. Es steht nicht nur für einen Anteil von mindestens 70 Prozent Baumwolle aus biologischem Anbau und den weitgehenden Verzicht auf Chemie, sondern auch für einen Mindeststandard an sozialen Kriterien: keine Kinderarbeit, Arbeitsschutz, Mindestlöhne. Das Siegel IVN Best geht noch weiter, ist aber seltener. Ein großes Plus ist es, wenn ein Hersteller Mitglied in der Fair Wear Foundation ist. Die Nichtregierungsorganisation setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen ein und kontrolliert auch. Hess Natur, Nudie Jeans und Armedangels sind Mitglied.

          Marken: Zu den Jeansmarken und Händlern, die ganz oder teilweise nach GOTS-Standard arbeiten, zählen Gebrüder Stitch, Good Society, Grüne Erde, Hess Natur, Kings of Indigo (K.O.I.), Kuyichi, Nudie, Sey, Armedangels, Wunderwerk.

          Infos: Auf den Internetseiten www.utopia.de und www.getchanged.de gibt es weitere Informationen zu Jeans und Labeln.

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