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Geothermie-Bohrung : Frankfurt ist eine heiße Stadt

Ab ins heiße Frankfurt: Oberflächennahe Erdwärme kann wertvoll sein. Bild: Kolb, Marie-Luise

Frankfurt ist ein Hotspot der Erdwärme: Unter der Stadt schlummert großes Potential an nachhaltiger Energie. Eine Testbohrung am Rebstockbad weckt nun Hoffnung auf Geothermie als beständigen Baustein für die angestrebte Energiewende.

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          Am Anfang ist es wie ein Bohren durch Butter. Fast im Minutentakt schieben die Fahrzeugführer des Spezialunternehmens für Erdbohrungen die gut drei Meter langen Metallelemente nach, mit denen sie das Bohrgerät in die Tiefe verlängern. 100 Meter sollen es am Ende werden in der Hoffnung auf wichtige und erfreuliche Erkenntnisse. Direkt neben dem alten Rebstockbad, das seit Mai geschlossen ist und sich im Rückbau befindet, frisst sich das Bohrgerät in den Boden, um den Experten des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umweltschutz, Umwelt und Geologie Daten über Temperaturen und Leitfähigkeit des Bodens zu liefern. Die Hoffnung ist, dass Erdwärme Energie und Wärme liefern könnte, die bei der Unterhaltung des Neubaus des Rebstockbads Einsparungen bringen kann.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Bergleute sagen ,Vor der Hacke ist es dunkel‘“, sagt der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) beim Beginn der Bohrung. Eine gewisse Vorsicht ist also geboten. Sein Ministerium finanziert 17 Testbohrungen in Hessen, die Kommunen beantragt hatten. Die gut einwöchigen Arbeiten sollen Hinweise liefern, von denen auch Unternehmer und Privatleute profitieren sollen, die eine Nutzung von Geothermie erwägen. Die Kosten für eine Testbohrung ohne Analyse der Daten liegen bei gut 10.000 Euro, eine Rendite gibt es trotz Fördergeldern durch den Bund von 35 bis 45 Prozent im Erfolgsfall erst nach Jahren. Für Karsten McGovern ist die Geothermie, die jene Wärme zu nutzen versucht, die in der Nähe der Erdoberfläche von den mehr als 5000 Grad im Erdkern übrigbliebt, mit großen Hoffnungen verbunden.

          „Unabhängige Energiequellen“

          „Wir brauchen auch Energiequellen, die unabhängig von Sonne oder Wind stetig verfügbar sind, wenn die Energiewende gelingen soll“, sagt der Geschäftsführer der Landes-Energieagentur Hessen (LEA), die das Projekt mit dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie abwickelt. „Wir sollten die Chance nutzen, die in der Erde liegt. Die Erde ist immer gleich warm.“ Und in rund 100 Metern gerade unterhalb von Frankfurt sogar vergleichbar heiß. Die Stadt ist nämlich im wahrsten Sinne des Wortes eine heiße Stadt, ein Hotspot der Erdwärme.

          Zwischen Gutleutstraße und Senckenberganlage beispielsweise werden als Spitzenwerte Temperaturen von 24 Grad gemessen, während im Umland nur selten einmal 15 Grad übertroffen werden. Deswegen gibt es bereits 280 Erdwärmeprojekte in Frankfurt. Von den 24 Grad kämen über in der Tiefe erwärmtes Wasser an der Erdoberfläche gut 18 Grad an, die direkt genutzt oder auch in Energie umgewandelt werden könnten. Ein gutes Geothermiesystem soll unter diesen Bedingungen mit einem Energieeinsatz von einem Kilowatt gut viereinhalb Kilowatt gewinnen.

          Meter um Meter: Ein Fahrzeugführer am Bohrgerät für die Probebohrungen.
          Meter um Meter: Ein Fahrzeugführer am Bohrgerät für die Probebohrungen. : Bild: Kolb, Marie-Luise

          Das Rebstockgelände ist nun noch Neuland, weswegen die Stadt sich auf Anregung der Architekten des neuen Rebstockbads, dessen Fertigstellung für 2025 geplant ist, genau hier um eine Testbohrung beworben hat. Im Erfolgsfall könnten die Bäderbetriebe profitieren, indem sie bei der Versorgung des Bades, für das ein Mix aus nachhaltigen  Energien geplant ist, Kosten einsparen könnten. „Vielleicht trägt das dazu bei, dass wir im Rebstockbad gegenüber dem Haushaltsansatz deutlich Kosten sparen können“, sagt Mike Josef (SPD), der als Sportdezernent auch für die Bäderbetriebe verantwortlich ist.

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          Sven Rumohr vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie ist beim Start der Bohrungen optimistisch, er sagt aber auch, dass drei Faktoren entscheidend sind für die Erfolgsaussichten: „Es geht natürlich zunächst um die Temperatur da unten in 100 Metern Tiefe, dann spielt die Wärmeleitfähigkeit der darüber  liegenden Schichten eine Rolle und zuletzt kann es Bohrrisiken geben, die Kosten verursachen können. Wenn beispielsweise Kalkschichten so ausgeprägt seien, dass der zum Bohren benötigte Wasserkreislauf abfließe, dann müssten zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, die Zeit und Geld verschlingen. Die Erkenntnisse der Bohrung seien deshalb wichtig für Hausbesitzer oder auch Unternehmen in der Umgebung, weil sich für deren Grund und Boden Rückschlüsse ziehen ließen auf Erfolgsaussichten.

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