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Frankfurt : Industrie liegt bei Gewerbesteuer knapp vor Banken

Bild: F.A.Z.

Bei den Gewerbesteuerzahlungen liegt die Industrie gemessen an der Summe nur hauchdünn vor den Banken. Doch zahlt das verarbeitende einen weit überproportionalem Anteil. Der Handel spielt nur eine geringe Rolle.

          Geld wird in Frankfurt besonders in der Industrie verdient. Dies geht aus dem von der Frankfurter Kämmerei erstellten Branchenspiegel hervor. Demnach haben sich die Gewerbesteuer-Vorauszahlungen der 100 größten Betriebe in der Stadt zuletzt auf 835 Millionen Euro summiert - 287 Millionen Euro davon entfielen auf das verarbeitende Gewerbe. Das entspricht einem Anteil von 34,4 Prozent (siehe Grafik). Alle Banken zusammen kommen auf 34,3 Prozent.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Steuerzufluss aus der Industrie erscheint aber umso beeindruckender, als solche Betriebe nur sieben Prozent der 100 größten Steuerzahler in Frankfurt ausmachen, die Banken aber 42 Prozent. Die Firmen aus dem Handel, einem Geschäft mit eher kleinen Gewinnspannen, kommen auf den gleichen Anteil, haben aber nur 18,6 Millionen Euro an Vorauszahlungen geleistet. Als größter Gewerbesteuerzahler gilt der Arzneimittelhersteller Sanofi.

          Fraport unter „Sonstige“

          Der Anteil der ausländischen Banken an den Großunternehmen ist dreimal größer als jener der Industriebetriebe. Diese Kreditinstitute stellen ein Fünftel der 100 größten Steuerzahler und haben Frankfurt zuletzt 87,3 Millionen Euro an Gewerbesteuern überwiesen. Das ist geringfügig mehr als vor Jahresfrist und entspricht 10,5 Prozent des Gesamtaufkommens. Dagegen haben die noch unter den Folgen der Finanzkrise leidenden Inlandsbanken, nach 83,3 Millionen Euro vor einem Jahr, 136,5 Millionen Euro überwiesen. Diese Summe steht für 16,3 Prozent aller Zahlungen aus dem Kreis der 100 Betriebe, in dem inländische Kreditinstitute elf Prozent ausmachen und damit ebenso viel wie sonstige Geldhäuser. Gleichwohl bleibt der Anteil der in- und ausländischen Banken an den Gewerbesteuer-Vorauszahlungen kleiner als ihr Anteil unter den größten Steuerzahlern, bei der Industrie ist das Gegenteil der Fall.

          Nach der Industrie erscheinen die unter „Sonstige“ zusammengefassten Firmen, darunter Fraport und Infraserv, weiter als ergiebigste Gewerbesteuerquelle: Sie zahlten 214,3 Millionen Euro oder 25,7 Prozent des Gesamtvolumens und stehen für 36 Prozent der 100 größten Unternehmen. Nur eine geringe Rolle spielen in dieser Statistik die Strom- und Wasserversorger. Aus ihren Reihen hat Frankfurt zuletzt acht Millionen Euro an Gewerbesteuer-Vorauszahlungen erhalten. Das ist in etwa so viel, wie vor einem Jahr geflossen ist, und entspricht nur einem Prozent aller Vorauszahlungen.

          Das größte Tortenstück

          Um das verarbeitende Gewerbe in der Stadt zu stärken, arbeitet der Magistrat an einem Masterplan. Die Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes hatte Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) zuletzt beim Industriepolitischen Abend hervorgehoben: „Wir sind stolz, eine wunderbare Finanzbranche zu haben. Wir sind ebenso froh über die Unternehmen aus Logistik und Mobilität. Wir freuen uns über die Kreativen - aber das größte Tortenstück in dem Diagramm, das waren Sie, die Realwirtschaft“, sagte er mit Blick auf die Gewerbesteuer.

          “Mit sieben Prozent der Unternehmen mehr als 34 Prozent des Gewerbesteueraufkommens zu stemmen ist der deutlichste Beleg dafür, wie wichtig die Industrie für Frankfurt ist“, hob die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände auf Anfrage hervor. Industrieplatz und Finanzplatz bildeten das Rückgrat der Stadt. „Kluge Politik weiß das zu würdigen.“

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