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Frankfurt : Im Westend gehen fast alle aufs Gymnasium

Vermutlich auf dem Weg ins Gymnasium: Eltern aus Frankfurt wollen häufig diese Schulart für ihre Kinder. Bild: dpa

Die Schullaufbahn hängt davon ab, in welchem Stadtteil ein Kind aufwächst. Während im Westend fast 90 Prozent aufs Gymnasium wechseln, sind es in Fechenheim kaum 30 Prozent.

          Dass ein Zusammenhang zwischen Wohnort und Schulkarriere besteht, wird kaum jemanden überraschen. Erstaunlich ist aber, wie groß die Unterschiede zwischen den Stadtteilen sind. Laut Daten, die jetzt von der Stadt veröffentlicht wurden, wechselten zu Beginn des vergangenen Schuljahres in Westend-Süd 89Prozent der Viertklässler auf ein Gymnasium. Ähnlich hohe Übergangsquoten hatten Sachsenhausen-Süd (86,3Prozent) und Westend-Nord (85Prozent). Zur selben Zeit setzten in Fechenheim hingegen nur 28,1Prozent der Grundschüler den Bildungsweg auf dem Gymnasium fort. Fast genauso niedrig lag der Anteil in Heddernheim und Sossenheim (jeweils 29,5Prozent) und in Zeilsheim (29,7Prozent).

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Stadtweit beträgt die Übergangsquote auf die Gymnasien 50,9Prozent, wie das Bürgeramt Statistik und Wahlen weiter mitteilt. Von den 4586 Frankfurter Grundschülern wählten 2334 den direkten Weg zum Abitur. Auf eine Integrierte Gesamtschule (IGS) wechselten 24,9Prozent, auf eine Realschule 16,9Prozent und auf eine Hauptschule 7,3Prozent. Zu den beiden letztgenannten gehören auch die Fünftklässler in den jeweiligen Zweigen der Kooperativen Gesamtschulen. Außerdem werden die Neuzugänge der Förderstufen zu den Hauptschülern gezählt.

          Überproportional viele

          Aufschlussreich ist die Statistik auch mit Blick auf die einpendelnden Fünftklässler, also auf Kinder, die nach dem Besuch der Grundschule in einer Nachbarkommune auf eine weiterführende Schule in Frankfurt gewechselt sind. Zum vergangenen Schuljahr waren dies 359 Jungen und Mädchen, mithin 7,3 Prozent der Fünftklässler. Von ihnen gingen überproportional viele auf ein Gymnasium, nämlich mehr als zwei Drittel. 19,8 Prozent wählten eine Integrierte Gesamtschule, während nur 11,1 Prozent auf eine Real- und 2,2Prozent auf eine Hauptschule gingen. Die Kinder aus dem Umland einbezogen, erh öht sich die Übergangsquote der Frankfurter Gymnasien auf 52,1Prozent.

          Ein nach Stadtteilen stark differenziertes Bild ergibt sich nicht nur für die Gymnasien. So wechselte weder ein Bornheimer noch ein Preungesheimer Kind auf eine Hauptschule. In Westend-Nord, Nordend-Ost und Gallus lag der Hauptschul-Anteil unter einem Prozent. Dagegen besuchten in Nieder-Eschbach fast 40 Prozent nach der Grundschule eine Hauptschule, gefolgt mit deutlichem Abstand von Schülern aus Bonames (28,8 Prozent) und Harheim (26,8 Prozent).

          Verteilung der Schulen zu berücksichtigen

          Die Quote der Grundschüler, die auf eine Realschule wechselten, lag zwischen 3,1 (Westend-Süd) und 34,8Prozent (Sossenheim). Weniger als vier Prozent betrug sie auch in Kalbach-Riedberg, Sachsenhausen-Süd und Westend-Süd. Außer in Sossenheim entschieden sich auch in Höchst und Fechenheim rund ein Drittel für diese Schulform. Die größte Spannbreite gab es bei den Integrierten Gesamtschulen. In Bonames und Nieder-Eschbach betrug die Übergangsquote null, in Zeilsheim und Schwanheim besuchte dagegen jeder zweite Fünftklässler eine IGS.

          Wie jede Statistik bedarf auch diese der Interpretation. Dabei ist vor allem die Verteilung der Schulen über die Stadtteile zu berücksichtigen. Im Westend gibt es zum Beispiel mehrere große Gymnasien, aber keine Realschule und keine staatliche IGS. Somit spricht die Wohnortnähe für die Gymnasien, selbst wenn das Kind nur eine Realschulempfehlung hat oder die Eltern eigentlich eine IGS bevorzugen. In Fechenheim hingegen gibt es kein Gymnasium, mit der Heinrich-Kraft-Schule aber eine IGS und überdies den Realschulzweig der Konrad-Haenisch-Schule. Das dürfte Eltern, die ihren Kindern den weiten Weg etwa zum Heinrich-von-Gagern-Gymnasium im Ostend ersparen wollen, dazu bewegen, sie zunächst auf eine der wohnortnahen Schulen zu schicken. Vermutlich werden viele von ihnen aber nach dem mittleren Abschluss in eine gymnasiale Oberstufe wechseln und dort Abitur machen. Dies wird von der städtischen Statistik, die nur die Übertritte in die fünften Klassen zählt, jedoch nicht ausgewiesen.

          40 Prozent Hauptschulanteil

          So ist auch zu erklären, warum so gut wie niemand aus dem Gallus auf eine Hauptschule wechselt: Es gibt dort keine. Im Stadtteil gehen Kinder mit Haupt- oder Realschulempfehlung auf die Paul-Hindemith-Schule, womit sich wiederum der hohe IGS-Anteil im Gallus erklärt. Dass der Hauptschul-Anteil in Nieder-Eschbach 40 Prozent beträgt, dürfte an der Otto-Hahn-Schule liegen. Als eine von zwei verbliebenen Kooperativen Gesamtschulen führt sie die Kinder im Hauptschulzweig gesondert auf, während sie in einer IGS statistisch verschwinden würden.

          Den umgekehrten Effekt auf die Statistik haben die Integrierten Gesamtschulen in Zeilsheim, Niederursel und Nordend-Ost. So dürfte es an der IGS Nordend liegen, dass die Übertrittsquote auf die Gymnasien im bürgerlichen Nordend-Ost niedriger als im angeblichen Problemstadtteil Bonames ausfällt.

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