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Hundekot-Tüten in Parks : Kleiner Beutel gegen großes Ärgernis

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Saubere Sache: Aus Spendern wie hier am Mainufer können die Tüten unentgeltlich gezogen werden. Bild: Waldner, Amadeus

Die Stadt erwägt, künftig keine Tüten zum Aufsammeln von Hundekot mehr anzubieten. In den Stadtteilen regt sich Protest gegen diese Idee.

          Bernd Roser ist schon oft jeden Posten seiner Ausgaben durchgegangen, um zu prüfen, wo er noch sparen könnte. Der Leiter der städtischen Grünpflege muss seinen Etat kürzen. Mit Amtsleiter Stephan Heldmann hat er laut darüber nachgedacht, ob das Grünflächenamt nicht darauf verzichten kann, unentgeltlich Hundekot-Tüten in Parks und Grünflächen zur Verfügung zu stellen. 20.000 Euro im Jahr könnte Roser auf diese Weise sparen, weil er die Tüten nicht mehr kaufen müsste. Dass die Mitarbeiter auch Zeit gewönnen, weil sie die rund 100 Hundekottütenspender nicht mehr bestücken müssten, hat er nicht mit eingerechnet.

          Doch noch ist die Einsparung nicht beschlossen, zunächst einmal werden bloß keine Tüten mehr nachbestellt. Aber schon darauf reagieren viele Ortsbeiräte verärgert. Noch ist offen, wie Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) in dieser Sache entscheidet. Das Grünflächenamt zieht in Betracht, alle Ortsbeiräte zum Gespräch einzuladen, um gemeinsam zu überlegen, welche Leistung des Amts stattdessen wegfallen könnte.

          Die Einsparung sei gering

          „Ordnung und Sauberkeit sind wichtig“, sagt der Nieder-Erlenbacher Ortsvorsteher Matthias Mehl. Auf die Hundekot-Tüten zu verzichten, heißt für den CDU-Politiker, an der falschen Stelle zu sparen. Vor allem sei es „lächerlich“, leere Tütenspender in der Stadt stehen zu lassen. Sie abzubauen, koste aber auch Geld, sagt der Ortspolitiker. Mehl fordert von der Stadt, an dem Angebot festzuhalten. Die Einsparung sei gering, der Verzicht auf die Tüten aber für die Bürger stark zu spüren.

          In Nieder-Erlenbach hatte sich der Ortsbeirat seinerzeit vehement dafür eingesetzt, dass im Naherholungsgebiet am Erlenbach die Tütenspender aufgestellt wurden. Zuvor hatten zu viele „Tretminen“ den Erlenbachern das Spazierengehen vermiest. Mehl weist vor allem auf Kindergartengruppen wie die „Wiesenwichtel“ hin, die so oft wie möglich in der Natur unterwegs seien. Die Erzieherinnen seien es leid gewesen, am Ende des Tages unzählige Kindergummistiefel von Kot zu befreien.

          Genug Geld durch  Hundesteuer

          Auch am Riedberg waren erst im Mai 2013 am Topographischen Weg, der den Bonifatius- mit dem Kätcheslachpark verbindet, zwei Tütenspender aufgestellt worden. Das habe sich bewährt, teilte der Ortsbeirat jetzt mit. Hundehalter hätten die Beutel benutzt, wie man an den in der Nähe aufgestellten Mülleimern habe sehen können, und die angrenzenden Wiesen, Felder und Wege seien sauberer geworden.

          Am Riedberg wie in Nieder-Erlenbach machen Ortspolitiker diese Rechnung auf: Mit rund 1,5 Millionen Euro nehme die Stadt ausreichend Geld durch die Hundesteuer ein, um den Hundebesitzern die kleinen Plastiktüten zur Verfügung zu stellen – so wie es jede größere Stadt tue. Die Überlegungen im Grünflächenamt, dieses Angebot zu streichen, seien „inakzeptabel“.

          „Seit Jahren ein großes Ärgernis“

          Im Amt heißt es dagegen, es sei den Hundehaltern durchaus zuzumuten, selbst einen Beutel für die Exkremente ihrer Vierbeiner mitzunehmen. Solche Tüten gebe es im übrigen für wenig Geld in jedem Drogeriemarkt zu kaufen. Die Stadt beklagt zudem, dass die Tütenspender immer wieder beschädigt und mancherorts die Beutel vollständig entwendet würden. Richtig gut funktioniert es laut Grünflächenamt eigentlich nur dort, wo sich Anwohner als ehrenamtliche Helfer meldeten, um die Stationen regelmäßig zu füllen und nach dem Rechten zu sehen.

          „Ich würde mir so sehr wünschen, dass die Hundebesitzer einmal mit dem gleichen Elan sich für die Hinterlassenschaften ihres Lieblings verantwortlich fühlen, wie sie die Tiere mit Zuneigung und Liebe überschütten“, sagt Claudia Gabriel, Leiterin der Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“. Damit wäre allen geholfen, meint sie. „Der Hundekot ist einfach seit Jahren ein großes Ärgernis.“

          Kaum Ordnungswidrige ertappt

          Dabei verhängt Frankfurt hohe Bußgelder gegen verantwortungslose Halter. 90 Euro kostet es den Hundebesitzer, wenn er das große Geschäft seines Tiers an der Straße liegen lässt, 130 Euro sind es in der Grünanlage, und 180 Euro werden auf dem Kinderspielplatz fällig. Die Verwaltungsgebühr von 23,50 Euro kommt noch hinzu. Nur in der Landeshauptstadt Wiesbaden kann ein liegengebliebener Hundehaufen noch teurer werden – zwischen 100 und 250 Euro. In den vergangenen beiden Jahren mussten dort allerdings gerade einmal 36 Hundehalter zahlen.

          Wie viel die Stadt Frankfurt durch die Bußgelder einnimmt, darüber führt niemand Buch. Allzu viel wird es nicht sein, denn Herrchen oder Frauchen muss auf frischer Tat ertappt werden. Stabstellenleiterin Gabriel würde sich denn auch mehr Kontrollen wünschen. Doch dafür fehlt das Geld.

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