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Frankfurt-Höchst : Ungeteilte Aufmerksamkeit

Wandlung West: Der Bolongaropalast in Frankfurt-Höchst soll nach der Sanierung zu einem Kulturpalast werden Bild: Müller, Norbert

Von einem wirtschaftlichen und sozialen Niedergang von Frankfurt-Höchst kann nicht mehr die Rede sein. Vieles im Stadtteil bewegt sich inzwischen zum Guten. Die Besuche des Oberbürgermeisters tragen dazu bei.

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          Es sind zwei Fauxpas: ein kleiner und ein mittelgroßer. Beide wären seiner Vorgängerin im Amt, Petra Roth (CDU), wohl nicht unterlaufen. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der auch Dezernent der westlichen Stadtteile ist, vermittelt den Eindruck, sich in dieser Rolle noch finden zu müssen. Traditionell lud einst Petra Roth im Dezember zu einem „Jahresgespräch“ nach Höchst. Vertreter von sozialen, kulturellen, gewerblichen, administrativen und anderen wichtigen Einrichtungen versammelten sich dann im historischen Kapellensaal des Bolongaropalasts. Dort bilanzierte das Stadtoberhaupt die Erfolge und Entwicklungen der neun Stadtteile des rund 120 000 Einwohner zählenden und somit größten Ortsbezirks - wobei allerdings Höchst stets im Mittelpunkt stand.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Oberbürgermeister Peter Feldmann führt die Tradition fort. Die kleine Ungeschicklichkeit, die er sich dabei leistete: Wegen enger Termine - Sitzungen des Fraport-Aufsichtsrates und des Magistrats im Römer, so Feldmann - musste das Jahresgespräch, an dem in der Regel gut zwei Dutzend Gäste teilnehmen, kurzfristig um eine Woche verschoben werden. Höchst hintanstehen zu lassen, das wäre Roth nie passiert. Sie wäre allenfalls eine gute halbe Stunde zu spät in den Kapellensaal gestürmt. Auch wäre sie dabei wohl nicht in folgendes mittelgroße Fettnäpfchen getreten: So formulierte Feldmann gleich zu Beginn seiner Rede das Lob, dass „der Stellenwert, den Höchst inzwischen hat, auch im Alltag zu sehen ist“. Einige der Höchster dürften ob des Wörtchens „inzwischen“ geschluckt haben.

          Kleinod West: Der Höchster Stadtpark ist herausgeputzt worden

          Höchst ist seit jeher das bestimmende Quartier im Westen der Stadt. 1927 wurde es eingemeindet. Zuvor besaß es im Gegensatz zu den meisten anderen von Frankfurt einverleibten Umlandgemeinden die 1355 verliehenen Stadtrechte. Wichtige Industrieansiedlungen, eine charmante Altstadt, bedeutende historische Bauten wie etwa die vorromanische Justinuskirche, ein Palast, zwei Schlösser, museale Einrichtungen und vielfältige kulturelle Angebote - der Fokus im Westen der Stadt liegt ganz klar auf Höchst. Davon zeugt auch wieder der städtische Leistungsbericht, den Feldmann für die neun westlichen Stadtteile im Bolongaropalast vorlegte. Gut ein Viertel der für den Ortsbezirk auf 26 Seiten aufgelisteten 428 Einzelprojekte ist Höchst zuzuordnen.

          „Es tut sich so viel im Stadtteil, und es stehen noch viele wichtige Vorhaben an“, bestätigt der Leiter der Verwaltungsstelle Höchst, Henning Brandt, der sozusagen der örtliche Statthalter ist. Er schwärmt etwa vom Höchster Stadtpark, der für gut drei Millionen Euro fast fertig grunderneuert worden ist. Gerade in diesem nordöstlichen Teil von Höchst entwickle sich viel, sagt Brandt. In der Tat: Das ehemalige Areal von Möbelcity Wesner zwischen Kurmainzer Straße und Breuerwiesenstraße etwa ist nicht wiederzuerkennen. Geförderte Mietwohnungen und ein Seniorenpflegeheim sind entstanden, und das als Pilotprojekt geltende Haus des Jugendrechts, in dem Polizei, Justiz und Jugendgerichtshilfe enger zusammenarbeiten, ist ansässig. Voraussichtlich bis Sommer 2015 sollen zwei weitere Wohnblöcke fertiggestellt werden. Unweit davon ist die alte Justizvollzugsanstalt von einem Bauunternehmen erworben worden, das an der Hospital- und Gerlachstraße eine drei- bis fünfgeschossige Wohnbebauung anstrebt. Der von mehrere Meter hohen Mauern umgebene Gefängniskomplex soll 107 Eigentumswohnungen weichen.

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