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Hilfe für Obdachlose : Kaffee und ein bisschen Wärme

Ohne Anspruch auf Unterstützung: Viele der Obdachlosen stammen aus Osteuropa. Bild: Helmut Fricke

Wenn die Berufspendler kommen, müssen Obdachlose ihre Nachtlager im Frankfurter Hauptbahnhof verlassen. Im ehemaligen Kindermuseum an der Hauptwache werden sie morgens betreut. Eine Dauerlösung ist das nicht.

          Emil schüttet sich Kaffee nach. Mit beiden Händen umklammert er die Tasse, ihm ist kalt. Mit Schnaps funktioniere das Aufwärmen nicht, sagt er, das habe er schon versucht. Den Reißverschluss seiner Jacke hat er bis zum Hals hochgezogen, die Kälte steckt ihm in den Knochen. Und das, obwohl es in den Räumen des ehemaligen Kindermuseums warm ist, fast schon stickig. Es riecht nach Heizungsluft, Kaffee und Alkohol.

          Marie Lisa Kehler

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gemeinsam mit 73 Männern und Frauen ist Emil an diesem Morgen hierher gekommen. Er will sich aufwärmen. Die Nacht hat er in der B-Ebene der Hauptwache verbracht. Es ist erst sein zweiter Tag auf den Straßen Frankfurts. Am Wochenende fliegt Emil wieder zurück nach Bulgarien. Dort habe er eine Wohnung, ein geregeltes Leben, sogar ein festes Einkommen als Bademeister.

          Ohne Papiere keine Arbeit, ohne Arbeit kein Geld

          Emil ist nach Frankfurt gekommen, um seinen Sohn „wieder nach Hause“ zu holen. Der habe in Deutschland ein neues Leben beginnen wollen. Aber ihm seien Geld und Papiere gestohlen worden. „Einfach zapzerap“, sagt Emil. Ohne Papiere keine Arbeit, ohne Arbeit kein Geld. Also hat der 66 Jahre alte Vater seine Ersparnisse zusammengekratzt, um seinem Sohn in Deutschland zu helfen. Er hat für beide ein Flugticket nach Sofia gekauft. Um einen vorläufigen Pass bei der Botschaft zu beantragen, habe er an seine Geldreserven gemusst. Hotelübernachtungen seien da nicht mehr drin gewesen, sagt Emil. Bis der Flieger geht, lebt er mit seinem Sohn auf der Straße. Das Angebot, sich morgens in den Räumen des ehemaligen Kindermuseums aufzuwärmen, nimmt er gerne an.

          95 Menschen haben in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ihr Lager in der B-Ebene der Hauptwache aufgeschlagen. Wenn in den Morgenstunden die S- und U-Bahnen die Berufspendler ausspucken, müssen die Obdachlosen wieder verschwinden. Andere Orte, an denen man sich vor der Kälte schützen kann, öffnen erst um 8 Uhr. Die zweistündige Lücke konnte erst vor einer Woche geschlossen werden. Zuvor hatte Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) lange nach geeigneten Räumen gesucht. Sie sollten bezahlbar und zentral gelegen sein. Dafür, dass erst im Februar eine Lösung für die Wintermonate präsentiert wurde, musste Birkenfeld Kritik einstecken. „Hier ist es jetzt ideal“, sagt die Sozialdezernentin bei einem Besuch am Mittwoch. „Das ist ein niedrigschwelliges Angebot, das wir den Menschen hier machen können.“ Wer hierher komme, müsse keine Fragen beantworten.

          Suche nach einer Dauerlösung

          Trotzdem handele es sich nur um eine Übergangslösung. „Es ist eine Frage der Zeit, bis wir hier wieder rausmüssen“, sagt die Dezernentin. In die Räume soll schon bald das „Museum of Modern Electronic Music“ einziehen. Bis zum Herbst werde die Suche nach einer Dauerlösung abgeschlossen sein, kündigte Birkenfeld an.

          Die meisten Männer und Frauen, die an diesem Morgen vor ihrem Kaffee sitzen, stammen aus Osteuropa. Sie haben zwar ein Aufenthaltsrecht, bekommen aber keine finanzielle Unterstützung vom deutschen Staat. Da sie nicht leistungsberechtigt sind, dürfen sie auch nicht die Übernachtungsangebote nutzen, die die Stadt wohnungslosen Menschen normalerweise macht. In der B-Ebene werden sie nur nachts geduldet. Manche betteln tagsüber, andere versuchen, mit Straßenmusik oder Flaschensammeln ihr Einkommen zu sichern. Um Geld zu sparen, nehmen nach Birkenfelds Worten viele ein Leben auf der Straße in Kauf. „Auch im Winter.“ „Das, was wir hier machen, ist Überlebenshilfe“, sagt Elfi Ilgmann-Weiß vom Verein für soziale Heimstätten, der das Wintercafé betreibt. Essen, Trinken, ein bisschen Wärme – das ist schon mehr als rechtlich vorgeschrieben. Die Kosten für diese „Überlebenshilfe“, also Ausgaben für Personal, Heizung und Essen, sind im Haushalt eingestellt, unter dem Titel „Hilfe für Arbeitsmigranten aus Europa“.

          Um kurz vor zehn ist das Café fast leer. Eine Frau, Mitte fünfzig, packt ihre Sachen. Rucksack, Isomatte, Winterjacke. Sie wisse noch nicht genau, wohin sie gehe. Sie plane ohnehin ungern. Als die Tür hinter ihr zufällt, sagt sie leise: „Tschüss – bis morgen.“

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