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Mord am Frankfurter Bahnhof : Entscheidende Überwachungskamera soll defekt gewesen sein

Zeichen der Trauer an Gleis 7 am Frankfurter Hauptbahnhof Bild: dpa

Der Tod eines achtjährigen Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof lässt noch immer viele Fragen offen. Nun werten Ermittler Videos vom Tatort aus. Ausgerechnet eine entscheidende Überwachungskamera soll jedoch unbrauchbar sein.

          Nach dem Mord an einem acht Jahre alten Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof wertet die Polizei verstärkt Videos von Zeugen aus. Wie eine Sprecherin gestern mitteilte, ist umfangreiches Bildmaterial eingegangen, das nun von den Ermittlern gesichtet wird. Dazu zählten Videos und Fotos, die vor, während und nach der Tat an Gleis 7 aufgenommen wurden.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie der „Focus“ unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, soll eine Überwachungskamera, die zum Tatzeitpunkt das Geschehen auf dem Bahnsteig aufzeichnen sollte, defekt gewesen sein. Folglich habe der Tathergang nicht aufgenommen werden können.

          Die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigte das auf Anfrage nicht. Sie sagte, es habe von Beginn der Ermittlungen an ausreichend Bildmaterial gegeben, die die Tat gezeigt hätten und die in den ersten Tagen nach der Tat ausgewertet worden seien. Von welchen Kameras des Hauptbahnhofs diese Videos stammten, dazu machte die Sprecherin aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben.   

          Polizei sucht nach weiteren Hinweisen

          Die Polizei hat unterdessen den Kanal, über den Zeugen ihre Videos der Tat hochladen konnten, abgeschaltet. Weiterhin erreichbar ist das Hinweistelefon unter der Nummer 75 55 11 99 sowie die E-Mail-Adresse hinweise-hauptbahnhof@polizei-hinweise.de.

          Wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Anfrage weiterhin mitteilte, ist das Motiv des mutmaßlichen Täters nach wie vor offen, er habe sich bisher nicht weiter geäußert. Das psychiatrische Gutachten sei in Auftrag gegeben worden, das Ergebnis werde aber voraussichtlich erst in einigen Wochen vorliegen.

          Die Polizei hält es weiter für möglich, dass die psychische Erkrankung des Mannes nur bedingt etwas mit der Tat zu tun haben könnte. Möglicherweise, heißt es aus Ermittlerkreisen, könnten auch andere Motive eine Rolle spielen. Das gelte es nun auch über die Sichtung der Videos herauszufinden.

          Eltern des ermordeten Kindes melden sich zu Wort

          Unterdessen haben sich gestern erstmals die Eltern des getöteten Jungen zu Wort gemeldet. Über einen Anwalt, der sie in dem Verfahren als Nebenkläger vertritt, ließen sie mitteilen, dass sie „von der enormen Hilfsbereitschaft und breiten öffentlichen Anteilnahme an dem Schicksal ihres kleinen Sohnes sehr gerührt“ gewesen seien.

          „Die Bilder des Blumenmeeres am Gleis 7 des Frankfurter Hauptbahnhofes, das von vielen Menschen gezeigte Beileid sowie die Hilfsangebote der hessischen Landesregierung empfinden sie als ermutigende Zeichen von Menschlichkeit angesichts dieser grausamen Tat.“ Nicht nur die Eltern hätten auf tragische Weise ihren Sohn verloren, sondern auch die Schwester ihren geliebten Bruder. „Wenn der Tod ihres Kindes dazu beiträgt, die Sicherheit in der Öffentlichkeit und an Bahnhöfen zu verbessern“, so der Anwalt, „wäre dies für sie ein Trost.“

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