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Achtjähriger vor ICE gestoßen : Innenminister Seehofer unterbricht Urlaub

Vom Zug überrollt: Ein Junge soll am Frankfurter Hauptbahnhof von einem Mann auf die Gleise gestoßen worden sein. Bild: dpa

Im Frankfurter Hauptbahnhof hat ein Mann aus Eritrea ein Kind und dessen Mutter auf die Gleise gestoßen. Der Junge wurde von einem ICE tödlich erfasst.

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          Am Frankfurter Hauptbahnhof ist ein Kind von einem Zug überrollt worden. Laut einer Sprecherin der Polizei Frankfurt stieß ein 40 Jahre alter Mann eritreischer Herkunft den acht Jahre alten Jungen und dessen Mutter auf die Gleise. Das Kind wurde von einem einfahrenden ICE erfasst. Mehrere Zeugen hatten nach Auskunft der Polizei den Vorfall beobachtet. Demnach soll der mutmaßliche Täter seine Opfer zielgerichtet auf das Gleis gestoßen haben.

          Alexander Davydov

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Kind kam dabei ums Leben. Die 40 Jahre alte Mutter überlebte verletzt und konnte sich auf einen Fußweg zwischen den Gleisen retten. Der mutmaßliche Täter soll im Anschluss versucht haben, eine weitere Person auf die Gleise zu stoßen, die sich jedoch in Sicherheit bringen konnte. Die Polizei bestätigte die Festnahme des Verdächtigen. Demnach gäbe es keine erkennbare Verbindung zwischen dem mutmaßlichen Täter und den Opfern.

          Es sei zunächst unklar, ob der Mann polizeibekannt sei. Bei der Mutter und dem Kind handelt es sich nach Informationen der F.A.Z. um Deutsche. Sie hatten an Gleis 7 auf den einfahrenden ICE gewartet,  als der mutmaßliche Täter sie plötzlich in Richtung der Bahnsteigkante schob und auf die Gleise stieß. Trotz Abbremsens konnte der Lokführer den Zug nicht rechtzeitig zum Stehen bringen. „Das Kind wurde vom Zug überrollt und tödlich verletzt, es starb noch im Gleisbett“, sagte ein Polizeisprecher.

          Mehrere Gleise mussten gesperrt werden. Wie die Rhein-Main-Verkehrsgesellschaft vermeldete, kam es in Folge der Tat zu zahlreichen Ausfällen, Verspätungen und Umleitungen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort.

          Reaktionen aus der Politik

          Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier zeigte sich in einer Stellungnahme angesichts der Tat fassungslos: „Der Tod eines Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof erschüttert mich. Ich spreche der Familie mein tief empfundenes Mitgefühl aus.“

          Günter Rudolph, der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, warnte davor, „diesen grauenvollen Mord“ zu instrumentalisieren. Es liege nun an Polizei und Staatsanwaltschaft die Umstände der Tat aufzuklären.

          AfD-Fraktionschefin Alice Weidel sprach von einer abscheulichen Tat. Zugleich setzte Weidel sie in Verbindung zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. „Schützt endlich die Bürger unseres Landes - statt der grenzenlosen Willkommenskultur!“, schrieb sie bei Twitter.

          Großeinsatz am Frankfurter Hauptbahnhof: Mehrere Augenzeugen mussten medizinisch betreut werden.

          Bundesinnenminister Horst Seehofer hat bekannt gegeben, seinen Urlaub zu unterbrechen. Der Minister wolle sich mit Vertretern der Sicherheitsbehörden treffen, sagte ein Sprecher des Ministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet.

          Seehofer unterbricht Urlaub

          „Angesichts mehrerer schwerwiegender Taten in jüngerer Zeit“ wolle er die Chefs der Sicherheitsbehörden treffen, erklärte der Minister per Mitteilung.  Seehofer sei tief bestürzt über den Vorfall. Er wünsche Angehörigen und Freunden des getöteten Jungen Kraft. „Die Hintergründe für das abscheuliche Verbrechen sind derzeit noch unklar. Es ist jetzt die Aufgabe der Ermittlungsbehörden, diese schnellstmöglich und umfassend aufzuklären“, so Seehofer. „Der Täter wird für die Tat mit allen rechtsstaatlichen Mitteln zu Verantwortung gezogen werden.“ Soweit nötig stelle er dem Land Hessen jede Unterstützung etwa der Bundespolizei oder des Bundeskriminalamts zur Verfügung.

          Vor etwa einer Woche wurde eine Frau im nordrhein-westfälischen Voerde auf die Gleise vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Der mutmaßliche Täter war aktenkundig und hat das ihm unbekannte 34 Jahre alte Opfer offenbar zufällig ausgesucht. Das Amtsgericht Duisburg erließ gegen den 28 Jahre alten Mann Haftbefehl wegen Mordes. Dem in Deutschland geborenen serbischen Staatsbürger wird vorgeworfen, heimtückisch und aus Mordlust gehandelt zu haben. Die Frau erlag noch vor Ort ihren Verletzungen.

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