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Frankfurt hat 700 000 Einwohner : Glückliche Kinder, glücklicher Magistrat

Könnte der 700 000. Frankfurter sein: der am 12. Juni geborene Mikail, gestern zu Besuch bei Peter Feldmann im Römer Bild: dpa

Kaum im Amt, und prompt hat Frankfurt 700000 Einwohner: Kein schlechter Einstand für Peter Feldmann.

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          Was ist anders geworden? Peter Feldmann redet sich nicht um Kopf und Kragen. Wie es bei seiner Vorgängerin öfter der Fall war, wenn sie etwa kurzerhand aus dem Münchener Ifo-Institut das Info-Institut machte oder aus einem Herrn Hattendorf neben sich einen Herrn Hattenmüller, was den armen Kommunikationschef der Messe noch lange verfolgen wird. Peter Feldmann redet überhaupt kürzer und konzentrierter, er schweift nicht ab wie seine Vorgängerin, die gerne noch unterbrachte, was ihr tags zuvor einer brühwarm erzählt hatte. Und natürlich: Peter Feldmann ist zwar jetzt der Chef im Römer, aber er ist dort noch nicht zu Hause wie seine Vorgängerin, und wenn er zum Beispiel in den ehrwürdigen Magistratsitzungssaal geht, dann bewegt er sich noch in einem fremden Raum, er stapft nicht eben rüber in sein zweites Wohnzimmer.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Gestern nahm der neue Frankfurter Oberbürgermeister an den schweren Tischen dort Platz, weil er zu seiner ersten großen Pressekonferenz geladen hatte, für die sich durch eine glückliche Fügung ein überaus erfreuliches Ereignis anbot, die Ankunft des 700000. Frankfurters nämlich. Das hatte sein Büro nett arrangiert. Nach einer methodisch nicht einfachen Berechnung der zuständigen Behörde mit dem seltsamen Titel „Bürgeramt, Statistik und Wahlen“ muss dieser 700000. Frankfurter am 12.Juni das Licht der Welt erblickt haben, und von den 21Neugeborenen jenes Tages waren immerhin acht mit ihren Eltern gekommen, weshalb Feldmann und der für das Bürgeramt zuständige Stadtrat Volker Stein von zwei Babys eingerahmt wurden, auf die die Tonlage der beiden Herren offenbar beruhigend wirkte. Jedenfalls machten sie keinen Mucks.

          Feldmann hat nicht mehr im falschen Moment die Hände in der Hosentasche

          Was soll man zum 700000. Frankfurter sagen? Dass Frankfurt ein Magnet sei, dass Frankfurt eine internationale Stadt sei, dass die Stadtregierung alles dafür tun werde, dass sich junge Familien wohl fühlten. Das alles sagte Feldmann gestern Mittag denn auch, aber nicht viel mehr, was erfreulich war, weil ja alle noch zu tun hatten. Er sagte auch noch, der Magistrat wolle dafür sorgen, dass die Kinder in Frankfurt nicht in Armut groß werden müssten. Eine Selbstverständlichkeit, die seine Vorgängerin nicht eigens betont hätte, aber gut, Kinderarmut war eines der Themen, mit der er die Wahl gewonnen hat, das wird dann wohl noch öfter zu hören sein.

          Feldmann hat nicht mehr im falschen Moment die Hände in der Hosentasche, ihm fiel gestern auch nicht ein, den Römer abermals „Bunker“ zu nennen. Er kam im schwarzen Anzug mit weinroter Krawatte, und die jungen Eltern freuten sich wirklich, einmal dem Stadtoberhaupt ihres Wohnorts die Hand schütteln zu können. Dem Stadtrat zu seiner Linken schlug er auf die Schulter, dann durfte Stein prognostizieren, dass zum Ende des Jahrzehnts die Bevölkerungszahl womöglich sogar bei 725000 liegen werde, sofern sie der Zensus 2011 nicht zuvor scharf nach unten korrigiere und man einen neuen Anlauf nehmen müsse.

          Ein Termin in völliger Harmonie

          Es war ein Termin in völliger Harmonie, zu der beitrug, dass zu den anwesenden Neugeborenen auch Leonardo Martin Neupert-Wentz zählte, Enkel des früheren Planungsdezernenten Martin Wentz, der Frankfurt vorangebracht hat. Auch mit 700000Einwohnern bleibt die Stadt halt ein Dorf. „Es geht um glückliche Kinder und nicht um einen glücklichen Magistrat“, scherzte der Oberbürgermeister. Bester Laune war der Magistrat, soweit anwesend, gestern aber schon. Und Feldmann hat das alles nicht schlecht gemacht.

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