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Frankfurt : Gemeinsam gegen Jugendkriminalität

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Zusammen unter einem Dach: Im Haus des Jugendrechts in Frankfurt arbeiten Polizei, Justiz und Gerichtshilfe zusammen. Bild: dpa

In Frankfurt eröffnet ein weiteres Haus des Jugendrechts. Die enge Zusammenarbeit von Polizei, Justiz und Gerichtshilfe soll auch helfen, salafistische Straftaten zu verhindern. Aber das Haus machte zur Eröffnung nicht den besten Eindruck.

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          Der Haupteingang wegen eines Brandanschlags geschlossen, im Inneren noch nicht alle Kabel hinter Verkleidungen versteckt: Zur Eröffnung machte das Haus des Jugendrechts im Frankfurter Mertonviertel nicht den besten Eindruck. Trotzdem gehe von diesem Tag ein wichtiges Signal aus, sagte der hessische Innenminister Peter Beuth: „Der Rechtsstaat lässt sich so etwas nicht gefallen.“ Der CDU-Politiker meinte damit das Feuer, das Randalierer vergangene Woche offenbar im Umfeld der Blockupy-Krawalle an der Pforte des Hauses gelegt hatten. Davon wollen sich die Mitarbeiter nicht beirren lassen.

          18 Polizisten, acht Angestellte der Jugendgerichtshilfe und drei Staatsanwälte werden fortan in dem Haus Tür an Tür und Hand in Hand ihren Aufgaben nachgehen. Zudem betreibt der Evangelische Regionalverband dort eine Stelle für seinen Täter-Opfer-Ausgleich, um außergerichtliche Einigungen zu finden. Der Verein Kinder- und Jugendhilfe arbeitet ebenfalls in dem Gebäude. Jugendliche sollen dort Berufs-, Schuldner- und Drogenberatung erhalten sowie Anti-Gewalt-Trainings absolvieren können.

          Straftaten schneller beurteilt

          Das Haus ist das dritte und größte seiner Art in Hessen und für 18 Stadtteile im Frankfurter Norden zuständig, darunter Bonames, Kalbach und Nieder-Eschbach. Die schwierige Standortsuche hatte das Projekt verzögert. Um die Immobilie im Mertonviertel umzubauen, haben die Partner knapp eine Million Euro investiert. Schon Ende 2010 hatte eine solche Einrichtung in Wiesbaden die Arbeit aufgenommen, kurz darauf öffnete das Haus in Frankfurt-Höchst. Die Erfahrungen seien überwiegend positiv, sagte die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU). Niemand bestreite mehr, dass es ein sinnvolles Projekt sei. Die enge Kommunikation zwischen den Behörden schaffe die Möglichkeit, Straftaten schnelle Konsequenzen folgen zu lassen, sagte sie. Auf diese Art könnten die Partner verhindern, dass Jugendliche in die Kriminalität abglitten. Innenminister Beuth ergänzte, dass die Nähe der Polizisten zu den Jugendlichen helfe, besser auf die einzelnen Fälle einzugehen.

          Eine wichtige Rolle spielt dabei der Täter-Opfer-Ausgleich. In bestimmten Fällen lasse sich so eine Lösung vermitteln, ohne die Justiz zu belasten, sagte Pfarrer Jürgen Mattis vom Evangelischen Regionalverband. In 90 Prozent der Fälle, in denen ein solcher Ausgleich gesucht werde, werde das Verfahren danach eingestellt. „Das bietet die Chance zum Verzeihen.“

          Auch Salafisten besser im Blick

          Sich jeder Straftat individuell anzunehmen führt dazu, dass die Verfahren trotz der kurzen Wege im Haus des Jugendrechts nicht unbedingt schneller abgeschlossen werden. Doch den Jugendlichen gerecht zu werden könne auf Dauer Kriminalität verhindern und so Kosten vermeiden, heißt es aus dem Justizministerium. Nach Einschätzung des Leitenden Frankfurter Oberstaatsanwalts, Albrecht Schreiber, können die Häuser des Jugendrechts auch dazu beitragen, salafistische Straftaten zu verhindern. Die Arbeitstiefe je Fall sei höher, sagte er. So könnten auch Jugendliche erreicht werden, die kriminell würden und von denen bekannt sei, dass sie sich in der Salafisten-Szene bewegten.

          Derzeit gibt es nach Aussage des Justizministeriums dennoch keine konkreten Pläne für weitere Häuser des Jugendrechts in Hessen. Die Landesregierung werde entsprechende Projekte aber gern unterstützen, wenn es dafür Bedarf gebe und die Kommunen ihren Beitrag leisteten.

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