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Brexit : Frankfurt statt London

Licht aus: Frankfurt gilt vielen als Favorit bei der Nachfolgefrage zum Finanzplatz London. Bild: AFP

Der bevorstehende EU-Austritt Großbritanniens zieht seine Kreise: Eine aktuelle Umfrage sieht gute Chancen für Frankfurt von einem möglichen Abgang der Banken aus London zu profitieren.

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          Die Stadt Frankfurt ist der attraktivste Standort für in London vertretene Finanzdienstleister, die aufgrund des bevorstehenden EU-Austritts Großbritanniens erwägen, Teile ihrer Geschäftsaktivitäten ins Ausland zu verlegen. Das ist das zentrale Ergebnis einer vor dem Referendum veranstalteten Befragung der Boston Consulting Group, an der rund 360 leitende Banker vor allem aus Großbritannien, aber auch aus Frankreich, Amerika und Deutschland teilgenommen haben.

          Daniel Schleidt
          Stellvertretender Koordinator der Wirtschaftsredaktion in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Unternehmensberatung hat in ihrer Studie vierzehn wichtige Standortkriterien definiert und die Banker nicht nur die Bedeutung der einzelnen Kriterien bewerten lassen, sondern auch abgefragt, wo sie diese am besten erfüllt sehen. Demnach schneidet Frankfurt unter den vermeintlich favorisierten Standorten, die für die Verlagerung von Geschäft und Arbeitsplätzen aus der Bankenstadt London in Frage kommen, in der Summe der Kriterien für die Standortentscheidung am besten ab.

          Nähe zur EZB ist den Bankern nicht wichtig

          Auf den Plätzen zwei und drei folgen New York und Dublin. Als wichtigsten Grund, sich für oder gegen einen Standort zu entscheiden, gaben die Befragten die wirtschaftliche Stabilität und das Rating des Ziellandes an, hier wurde Frankfurt gegenüber New York und Dublin, aber auch gegenüber den übrigen Kandidaten Singapur, Amsterdam, Luxemburg, Hong Kong, Paris und Madrid am besten bewertet. Auch in der ebenfalls als bedeutend eingestuften Kategorie „Politische Stabilität im Zielland“ landet Frankfurt auf Rang eins.

          Diesen Spitzenplatz hält die Stadt zudem in den bei den Befragten für ihre Standortentscheidung als weniger wichtig eingestuften Kriterien Wohnungsmarkt und Effizienz der Bürokratie. Auch die Zahl qualifizierter Arbeitskräfte in Frankfurt und deren Fachwissen wird als wichtig und gut eingeschätzt. Überraschend dagegen ist, dass die befragten Banker die Nähe zu Regulierungsinstitutionen und Aufsichtsfunktionen als recht unwichtig eingestuft haben, wenngleich Frankfurt hier wenig überraschend gut abschneidet.

          Unsicherheit unter den Banken ist groß

          Weniger gut weg kommt die Stadt dagegen beim wichtigen Kriterium des Steuersystems, wo Luxemburg und Dublin erwartungsgemäß vorne liegen. Aber auch die Attraktivität von Stadt und Umgebung wird bemängelt, hier gelten Metropolen wie Paris, Madrid und New York als weitaus interessanter. Auch die Landessprache in Deutschland wird kritisiert.

          Der Deutschland-Chef von Boston Consulting, Carsten Kratz, sagte, rund zwei Drittel der Banken seien der Studie zufolge noch nicht auf die Verlagerung von Geschäft aus London in andere Städte vorbereitet, zudem sei unter den Teilnehmern die Unsicherheit über den Ausgang der Austrittsverhandlungen noch sehr groß. 77 Prozent der Banker rechnen damit, dass es innerhalb von weniger als zwei Jahren zu Standortverlagerungen kommen werde. Dabei gehen sie davon aus, dass 20 Prozent der Stellen im Bankensektor aus dem Land abfließen könnten.

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