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Teakwanmoodo in Moschee : Kampfkunst im Gebetsraum

  • -Aktualisiert am

Für Körper und Geist: Die Trainerinnen Sunny Graff (hinten links) und Daniele Mattern (hinten rechts) zeigen Bewegungsabläufe des Taekwonmoodo. Bild: Esra Klein

Sie kommen nicht um zu beten, sondern um ihre Kampfkünste zu verbessern: Beim Taekwonmoodo trainieren muslimische Frauen und Mädchen ihre Körper in einer Frankfurter Moschee.

          Barfuß steht Sunny Graff auf dem grünen Teppich des Frauen-Gebetsraums der Tarik-Ben-Ziad-Moschee. Seit drei Jahren ist sie Großmeisterin im Taekwondo, um die Hüfte trägt sie einen schwarzen Gürtel mit acht Streifen. In Kopfhöhe hält Graff eine schwarz-weiße Pratze, ein Schlagpolster in der Größe eines Boxhandschuhs. „Hana, dul, set“ schreit die Großmeisterin – die koreanischen Worte für „eins, zwei, drei“. Meryem Bayram schreit „Kiap“ und tritt mit der Ferse gegen die Pratze. Bayram trägt weiße Socken und ein schwarzes Kopftuch. Ihr weißer Dobok, ein Trainingsanzug, ist mit einem grünen Gürtel zusammengebunden.

          Jeden Donnerstag kommt Bayram mit anderen Frauen in den Gebetsraum der Tarik-Moschee – nicht, um zu beten, sondern, um gemeinsam Sport zu machen. Sie trainieren Taekwonmoodo: eine Kampfsportart, die auf koreanischem Taekwondo basiert, aber auch Elemente des Kung Fu, Tai Chi und Hapkido enthält. Seit mehr als vier Jahren gibt es das Kampfkunsttraining in der Moschee im Gallus an der Mönchhofstraße. Entwickelt hat sich das Angebot aus einem Selbstverteidigungskurs für Migrantinnen, den der Verein „Frauen in Bewegung“ dort zuvor angeboten hatte. Den Mitgliedern der Tarik-Moschee gefiel das so gut, dass daraus ein regelmäßiges Training entstand.

          Gebete tönen zwischendurch aus den Lautsprechern

          Vor 31 Jahren hat die gebürtige Amerikanerin Sunny Graff den Verein gegründet. Sie wollte erreichen, „dass jede Frau und jedes Mädchen einen Ort hat, wo sie ihre Stärke entdecken kann“, sagt die 64 Jahre alte Frau. 330 Mitglieder hat „Frauen in Bewegung“ mittlerweile, außer Kampfkunst und Selbstverteidigung bietet der Verein auch Gymnastik und Yoga an. Einzige Bedingung für die Mitgliedschaft: Frau sein. „Alter, Herkunft und Religion spielen bei uns keine Rolle“, sagt Graff. Deshalb hat das Training in der Moschee für sie einen besonderen Wert. „Wenn Frauen sehen, dass wir auch in der Moschee Kurse anbieten, wissen sie, dass wirklich jeder bei uns mitmachen kann.“

          Von den Gebeten, die zwischendurch aus den Lautsprechern tönen, lassen sich die Frauen in ihren Angriffs- und Verteidigungsübungen nicht stören. „Wir schreien dann nicht, aber trainieren ansonsten normal weiter“, sagt Meryem Bayram. Nur, wenn es Zeit für das Abendgebet ist, halten einige Musliminnen inne. „Das Nachtgebet können wir auch später nachholen, aber bei dem Abendgebet ist die Zeitspanne zu kurz“, sagt Bayram. Jede Woche nimmt sie mit ihrer 14 Jahre alten Tochter Fatma an dem Training teil. „Asiatische Kampfkunst zu machen ist ein Traum aus meiner Kindheit“, sagt sie. Tochter Fatma ist ebenso begeistert: „Ich habe auch schon Karate und Judo gemacht. Beim Taekwonmoodo würde ich es gerne bis zum Schwarzgurt schaffen.“

          Aufklärungsarbeit für das Angebot nötig

          In die Tarik-Moschee kommen Mutter und Tochter nur zum Training. Mitglied in dem islamischen Moschee-Verein sind sie nicht, so wenig wie viele andere Teilnehmerinnen. Auch muslimischen Glaubens müssen die Frauen nicht sein, um mitzutrainieren. Daniele Mattern ist mit Graff eine der wenigen Nichtmusliminnen in der Gruppe. Seit etwa einem Jahr leitet sie das Training. „Die Moschee ist wirklich sehr offen und kooperativ“, sagt sie. „Wir sind völlig frei in dem, was wir machen.“ Einmal in der Woche trifft sich Mattern auch vor der Moschee mit Mädchen und Frauen zum gemeinsamen Laufen.

          Der Tarik-Ben-Ziad-Verein steht hinter dem Angebot – auch, wenn zunächst Aufklärungsarbeit nötig war, wie Vorstandsmitglied Ahmed Araychi sagt. „Aber wir haben nur positive Erfahrungen gemacht. Die Kooperation zeigt, dass wir offen sind für alle“, meint Araychi. Der Austausch mit anderen Vereinen und Institutionen sei für die Moschee „sehr wichtig“. Sonntags zum Beispiel kommen auch einige Männer zum Karatetraining zusammen. Außerdem bietet der Verein Nachhilfeunterricht und Hilfen für Eltern an. In der Woche stellt er Flüchtlingen seine Räume für Deutschkurse zur Verfügung. „Sport und Bildung sind die zwei wichtigsten Säulen für Öffnung und Integration“, sagt Araychi. Auch hinter dem Taekwonmoodo-Angebot steckt für ihn mehr als nur der Sport. „Dadurch haben die Frauen die Möglichkeit, sich zu öffnen und mit nichtmuslimischen Frauen zusammenzukommen.“

          Kürzlich war Prüfungstag für die Kampfsportlerinnen. Die meisten Frauen haben nun den gelben oder grünen Gürtel, Trainerin Daniele Mattern hat den braunen geschafft. Doch von Großmeisterin Graff könne sie noch einiges lernen, meint sie. Am Ende des Trainings ruft die Trainerin die Frauen noch einmal zusammen. Alle knien sich im Kreis auf den Boden, einige schließen die Augen. Die Frauen schweigen. „Durch die meditativen Übungen kommt die Energie zu einem zurück“, sagt Graff. Als die Frauen die Moschee verlassen, rufen sich einige „Salam Aleikum“ hinterher.

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