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Nationale Flüge : Ein Verbot träfe Frankfurt ins Mark

Schon der frühere Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Mayrhuber hatte immer wieder gesagt, dass die Lufthansa gut auf alle Flüge unter 400 Kilometern verzichten könne. Der Aufwand stehe kaum im Verhältnis zum Ertrag. Tatsächlich sind inzwischen 97 Prozent der innerdeutschen Lufthansa-Flüge länger als 400 Kilometer.

Bei Fraport ist zu hören, dass man nicht unter weniger Inlandsflügen leiden würde, wenn die Deutsche Bahn liefern könne. Dann sei die Drehscheiben-Funktion nicht tangiert, im Gegenteil: Die freiwerdenden Slots seien dann für Interkontinentalflüge frei, für die es eine große Nachfrage gebe.

Klimabilanz muss schnell besser werden

Ungeachtet dessen ist nicht anzunehmen, dass es bald keine oder kaum mehr Flüge innerhalb Deutschlands gibt. In Frankfurt legte der Inlandsverkehr im vergangenen Jahr um 4,8 Prozent zu. Das ist wesentlich den Berlin-Verbindungen geschuldet, die 2018 um satte 17,2 Prozent gewachsen sind. Die Luftverkehrswirtschaft weist in der Klimadiskussion gerne darauf hin, dass die Flüge innerhalb Deutschlands lediglich für 0,3 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich seien. Die Zahl stammt allerdings von 2015.

Ungeachtet dessen spricht viel dafür, dass die Klimabilanz schnell besser werden muss. Deshalb fassen Politik und Luftverkehrswirtschaft auch andere Wege ins Auge, um die Belastungen durch die Emissionen des Luftverkehrs zu reduzieren. So bietet die Lufthansa ihren Kunden an, die Folgen ihrer Flüge fürs Klima mit nachhaltigem Treibstoff zumindest teilweise zu kompensieren. Dazu dient die Internetplattform „Compensaid“. Eine Kompensation von bis zu 80 Prozent der Emissionen sei damit möglich.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht durchaus Chancen, die Klimabelastung durch den Luftverkehr in den nächsten zehn Jahren erheblich zu reduzieren. Wenn es gelinge, synthetischen Treibstoff aus regenerativem Strom im sogenannten Power-to-Liquid-Verfahren in ausreichenden Mengen zu produzieren, sei eine Verringerung um zehn Prozent zu erreichen. Dass regulärer Luftverkehr in absehbarer Zeit ganz ohne die Verbrennung von Kerosin möglich ist, hält er aber für ausgeschlossen.

Auf die Herstellung von synthetischem Kerosin setzt auch die hessische Landesregierung. Hessen soll in einer Pilotanlage für klimaneutral hergestellte Kraftstoffe die Entwicklung und Produktion synthetischen Flugzeugkerosins vorantreiben. Dabei wird etwa aus Windenergie gewonnener Strom in Treibstoff gewandelt im Power-to-Liquid-Verfahren. Dieser synthetische Treibstoff kann zudem weitgehend frei von Schadstoffen wie Schwefel und dergleichen gehalten werden. Der richtige Ort, um an diesen klimaneutralen Treibstoffen zu forschen, sie zu erproben und in den Betrieb zu bringen, sei Frankfurt. Ungeachtet dessen forderte der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir in Leipzig auch, die Luftverkehrswirtschaft müsse den Kerosinverbrauch weiter reduzieren durch effizientere Flugzeuge.

Die Umweltorganisation Greenpeace hält es allerdings für unmöglich, die Folgen des Flugverkehrs alleine mit synthetischen Kraftstoffen und Kompensationszahlungen zu nivellieren. Auch Greenpeace plädiert deshalb für eine Verlagerung des Flugverkehrs innerhalb Deutschlands auf die Schiene.

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