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Bahnhofsviertelnacht : Ein Blick hinter die Bordelltüren

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An diesem Donnerstag lädt das Frankfurter Bahnhofsviertel wieder zu seinem alljährlichen Straßenfest ein. Bild: Pepaj, Marina

Die Bahnhofsviertelnacht soll das Image des Frankfurter Stadtteils aufpolieren. Die Stadt erwartet bis zu 50.000 Besucher. Sie sollen auch die unbequemen Themen des Viertels kennenlernen.

          Sehr elegant sehen sie aus, die Sänger der Oper, als sie die Bahnhofsviertelnacht eröffnen. Ihre Lieder sind allerdings weder gediegen noch zurückhaltend. Voller Leidenschaft singen die Herren über Sex, der Tag und Nacht dauere. Mit ihrer Liederauswahl liegen sie gar nicht so verkehrt. Denn obwohl Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) in seiner Rede die Vielfalt des Viertels herausstellt und dabei verrät, dass er zu einem der vielen türkischen Friseure dort gehe, scheinen die Besucher hauptsächlich am Rotlicht interessiert zu sein. Vor allem junge Frauen nutzen die Gelegenheit, einen Blick in das ein oder andere Bordell zu werfen. In der langen Schlange, die sich vor einem der Etablissements gebildet hat, ist das weibliche Geschlecht sogar unter sich. Rein dürfen zunächst alle, doch im Obergeschoss ist Schluss: zu viele Besucherinnen.

          Nur 20 Personen sind je Führung erlaubt. „Und hier drin sind mindestens 60“, sagt der Sicherheitsmann, der den Überschuss wieder mit nach unten nimmt. Vor die Tür setzt er allerdings keine. Stattdessen nimmt er die jungen Frauen mit in sein Büro. Dort zeigt er ihnen die Bildschirme mit den Videoaufnahmen der Überwachungskameras. „Und falls mal was ist?“, will eine Besucherin wissen. „Dann können die Damen auf einen Alarmknopf drücken“, sagt der Sicherheitsmann. Er greift zum Hörer und wählt eine Nummer. „Mal schauen, ob sie rangeht.“ Die Besucherinnen können währenddessen auf einem der Bildschirme verfolgen, wie eine Frau in knapper Wäsche ans Telefon geht. „Drück’ mal den Alarmknopf“, sagte der Sicherheitsmann und zeigt auf die Wand, an der ein paar Sekunden später ein rotes Licht blinkt.

          Auf der Bühne sorgen Künstler aus der Region für die musikalische Unterhaltung. Bilderstrecke

          Aber die Leute kämen nicht her, um Probleme zu machen, sagt er, ehe er seine Gäste wieder nach draußen begleitet. Nicht, ohne ihnen noch mit auf den Weg zu geben, dass der Beruf nichts für sie sei. Das Gespräch mit dem Sicherheitsmann sei immerhin etwas gewesen, wenn man auch den Rest des Bordells nicht gesehen habe, sagt eine der Frauen draußen und zieht weiter. Denn auch die Restaurants, von israelisch bis zu georgisch, sowie die vielen Organisationen des Viertels haben ihre Türen geöffnet. Die Menge an Besuchern ist am frühen Abend dennoch überschaubar. Das mag am Nieselregen liegen. Oder daran, dass die Eintracht ein Heimspiel hatte.

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