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Sozialwohnungen fehlen : Frankfurter Wohnungsamt schlägt Alarm

Jemand zu Hause? In Frankfurt gibt es zu wenig günstigen Wohnraum. Bild: dpa

In Hessens größter Stadt fehlen Sozialwohnungen. Die Zahl der Wohnungssuchenden ist stark gestiegen, und die Flüchtlinge sind noch gar nicht in der Statistik erfasst.

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          Die Zahl der Haushalte, die auf eine Sozialwohnung warten, ist in Frankfurt zum Jahresende 2014 um 11,2 Prozent auf 9273 gestiegen. Ein Jahr zuvor hatten sich noch 8230 Haushalte als wohnungssuchend registrieren lassen. Das geht aus dem aktuellen Tätigkeitsbericht des Wohnungsamts hervor. Die Behörde spricht von dem höchsten Zuwachs an Wohnungssuchenden innerhalb eines Jahres seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen. Die Entwicklung im Jahr 2014 sei „alarmierend“, heißt es in dem Bericht. In den vergangenen fünf Jahren sei die Zahl der wohnungssuchenden Haushalte um rund 22 Prozent gestiegen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Unter den Wohnungssuchenden sind die Flüchtlinge noch nicht berücksichtigt. Asylbewerber können sich erst um eine Sozialwohnung bewerben, wenn ihr Aufenthaltsstatus geklärt ist. Weil das Verfahren in der Regel einige Monate in Anspruch nimmt, sind die Flüchtlinge bisher noch nicht in der Statistik des Wohnungsamts erfasst. Zurzeit leben nach Auskunft des Sozialdezernats 3800 zugewiesene Asylbewerber in Frankfurt, hinzu kommen 750 unbegleitete Minderjährige, von denen 250 der Stadt fest zugewiesen worden sind. Für 2016 rechnet das Dezernat mit 10.000 weiteren Asylbewerbern in Frankfurt.

          Mangel durch Flüchtlinge weiter verschärft

          Zurzeit leben die Asylbewerber noch in Übergangswohnheimen. Das Sozialdezernat rechnet damit, dass ein großer Teil der Menschen, die bleiben dürfen, sich nicht aus eigener Kraft auf dem freien Wohnungsmarkt versorgen kann und auf Sozialwohnungen angewiesen sein wird. „Wir kämpfen hier noch an der Übergangsfront. Das größte Problem kommt noch“, sagt die Sprecherin.

          Die städtischen Behörden gehen davon aus, dass sich der Mangel an Sozialwohnungen durch die Flüchtlinge zusätzlich verschärfen wird. „Da kommt zahlenmäßig noch etwas auf uns zu“, sagt der Sprecher des Planungsdezernats. Außerdem können anerkannte Asylanten ihren Wohnort frei wählen. Weil in Großstädten wie Frankfurt das Angebot an Arbeitsplätzen vergleichsweise gut ist, könnten weitere Migranten aus strukturschwachen Gegenden hierherziehen.

          Wie aus dem Bericht des Wohnungsamts hervorgeht, stehen schon derzeit nicht genügend Sozialwohnungen zur Verfügung. Im Gegenteil: Die seit Jahren rückläufige Zahl ist weiter gesunken, allerdings nicht mehr so stark wie in den Vorjahren. Zum Stichtag 31.Dezember 2014 gab es in Frankfurt 27.535 Sozialwohnungen, im Vorjahr waren es noch 428 Wohnungen mehr.

          Abschmelzen der Bestände geförderten Wohnraums

          Wie das Planungsdezernat mitteilt, kommen noch einige Wohnungen hinzu, über die die Stadt dank Belegrechten verfügen kann. Insgesamt stünden derzeit 30.695 Wohnungen zu einer subventionierten Sozialwohnungsmiete von 5,50 Euro pro Quadratmeter zur Verfügung. Zu diesen nach dem ersten Förderweg geförderten Sozialwohnungen kommen noch 3886 nach dem Mittelstandsprogramm geförderte Wohnungen hinzu, für die höhere Einkommensgrenzen und etwas höhere Mieten gelten.

          Der Bestand an Sozialwohnungen hat rapide abgenommen, weil immer mehr Wohnungen aus der zeitlichen Bindung gefallen sind. Anfang der neunziger Jahre gab es noch fast 68.000 Sozialwohnungen im Stadtgebiet, 2001 waren es fast 40.000. In den neunziger Jahren fielen 2500 Sozialwohnungen im Jahr, in der darauffolgenden Dekade 1000 Sozialwohnungen jährlich aus der Bindung, zuletzt waren es noch jeweils 160.

          Das Planungsdezernat hofft, den Schwund an Sozialwohnungen nicht nur zu bremsen, sondern den Trend umkehren zu können. Die Stadt hat mit ihrer Wohnungsgesellschaft ABG vereinbart, dass für rund 1500 Wohnungen die Bindung verlängert wird, um ein weiteres Abschmelzen der Bestände an öffentlich gefördertem Wohnraum zu verhindern. „Wir gehen davon aus, dass wir die Trendwende in den nächsten Monaten hinbekommen“, sagt der Sprecher des Planungsdezernats.

          „Auch Kommunen im Umland sind in der Pflicht“

          Aber es mangelt nicht nur an Sozialwohnungen. Selbst bei einer starken Bautätigkeit dürfte es länger dauern, bis die hohe Nachfrage nach Wohnraum gesättigt ist. In Frankfurt fehlen derzeit rund 30000 Wohnungen zu einem ausgeglichenen Wohnungsmarkt. Laut dem Bericht des Wohnungsamts stehen 371790Wohnungen im Stadtgebiet 401421Haushalte gegenüber. Das entspricht einem Versorgungsgrad von 92,6Prozent. Die Differenz zwischen der Anzahl von Wohnungen und Haushalten ergibt sich beispielsweise durch junge Ehepaare, die noch in einer elterlichen Wohnung leben, weil sie kein passendes eigenes Heim finden. Die durchschnittliche Haushaltsgröße beträgt 1,83Personen.

          Fast die Hälfte der Sozialwohnungen in Frankfurt gehört der ABG, die sich bei Neubauprojekten verpflichtet hat, 38 Prozent der Wohnungen im öffentlich geförderten Wohnungsbau zu errichten – also klassische Sozialwohnungen sowie nach dem Mittelstandsprogramm geförderte Wohnungen. Geschäftsführer Frank Junker sieht nicht nur die Stadt Frankfurt in der Pflicht. Auch die Kommunen im Umland müssten sich stärker im sozialen Wohnungsbau engagieren. „Die Wohnraumversorgung kann nicht kleinstaatlich geregelt werden“, sagt er. In der Region gebe es noch hohe Flächenpotentiale für Bauland. Junker appelliert an die Nachbarkommunen: „Es wäre an allen, zu sagen, wir müssen uns der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum widmen.“

          Junker sieht auch die Landesregierung in der Pflicht, den Bau von Sozialwohnungen zu steuern. Er spricht sich für eine verbindliche Quotenregelung in der Region aus. Dies sei in jedem Fall besser, als Sozialwohnungen isoliert an einem Ort und in einem neuen Stadtteil zu bündeln.

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