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Elternproteste : Frisch aus der Schulkantine

So nicht: Fastfood soll es in den Frankfurter Schulen künftig nur noch in Ausnahmefällen geben. Bild: dpa

Für ein gesünderes Essen in der Schulkantine: Die Stadt Frankfurt hat auf die Elternproteste reagiert und will nachbessern. Von den Mensa-Betreibern wird künftig einiges erwartet.

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          Die Frankfurter Schulkantinen sollen frischer kochen und mehr Lebensmittel aus der Region beziehen. In Ausschreibungen für die Catering-Verträge sollen sich die Mensa-Betreiber verpflichten, mindestens ein Drittel Bio-Produkte und weniger Vorgefertigtes zu verwenden. Die Chancen von kleinen und mittleren Unternehmen, bei den städtischen Ausschreibungen zum Zug zu kommen, sollen steigen, die Schulgemeinden sollen mehr mitentscheiden dürfen und besser informiert werden.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das sind einige Punkte eines Maßnahmenpakets, das der Magistrat gestern gutgeheißen und dem Stadtparlament zum Beschluss vorgelegt hat. Entwickelt wurden die Vorschläge, die maßgeblich für die Entwicklung neuer Vergabekriterien sein sollen, von einer Arbeitsgruppe, in der neben Ämtern und Ernährungsfachleuten auch der Stadtelternbeirat und der Stadtschülerrat vertreten waren.

          Proteste gegen das Essen

          Ausgangspunkt des jetzt von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) vorgestellten Pakets waren Elternproteste an mehreren Frankfurter Schulen, die sich insbesondere gegen den französischen Großcaterer Sodexo gerichtet hatten. So waren im Mai 2018 rund 500 Schüler der IGS Nordend, nachdem Sodexo sich in einer Ausschreibung gegen das an der Schule etablierte, familiengeführte Küchenteam durchgesetzt hatte, in einem Protestmarsch vor den Unternehmenssitz in Rüsselsheim gezogen. Anfang dieses Jahres hatte die Elisabethenschule nach langen fruchtlosen Bemühungen um eine höhere Qualität des Schulessens und eine bessere Zusammenarbeit mit Sodexo einen „Mensa-Streik“ ausgerufen. Daraufhin hatte der Konzern angekündigt, sich für die anstehende Verlängerung des Catering-Vertrags an dem Gymnasium nicht mehr zu bewerben.

          Dass mit den höheren Ansprüchen an die Schulverpflegung auch die Kosten steigen, nimmt der Magistrat in Kauf. „Wer hochwertige Lebensmittel einkauft und diese sorgfältig zubereitet, kann dies nicht zu Billigpreisen tun“, heißt es in der Vorlage an die Stadtverordneten. Und weiter: „Qualität hat ihren Preis.“ Allerdings sollen nicht die Eltern zur Kasse gebeten werden – geplant ist vielmehr, die Mehrkosten aus dem kommunalen Bildungsetat zu begleichen.

          „Die Ausgabe eines warmen Mittagessens ist für die Stadt Frankfurt verpflichtend und soll die Gesunderhaltung, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler fördern“, argumentiert der Magistrat. Angesichts der Entwicklung zum Ganztagsunterricht sei ein „attraktives und schmackhaftes“ Essen auch eine Frage der Bildung. „Eine pädagogisch gestaltete Mittagspause inklusive Mittagessen ist ein zentraler Baustein in der Bildungslandschaft der Frankfurter Schulen.“

          Hoher Wert auf Nachhaltigkeit

          Von den Caterern erwartet die Stadt, dass sie auf die ökologische und gesellschaftliche Nachhaltigkeit der Lebensmittel achten. Die Quote der Bio-Produkte soll von 10 auf 30 Prozent steigen, außerdem soll auf fairen Handel sowie saisonale und regionale Erzeugung geachtet werden. Auch ansonsten sollen die Mensabetreiber Umwelt und Ressourcen schonen: Sie sind angehalten, auf unnötige Verpackungen und Einweggeschirr zu verzichten, Speisereste wenn möglich wiederzuverwenden und lange Transportwege zu vermeiden.

          Ziel ist es zudem, den Kantinenbetrieb besser in das Schulleben einzubeziehen. Die Schulkonferenz soll ein „Verpflegungsleitbild“ beschließen und es mit dem Küchenteam weiterentwickeln. Damit sich kleine, lokale Betriebe leichter an den Ausschreibungen beteiligen können, sollen die Lose unterteilt werden. Bisher wurden die Catering-Verträge oft für mehrere Schulen zusammen vergeben, womit Großbetriebe im Vorteil waren. Im „Essenskonzept“ der Bewerber sollen praktische und pädagogische Aspekte Erwähnung finden, zum Beispiel, ob hungrige Schüler einen Nachschlag bekommen, oder ob das Küchenteam ein gemeinsames Plätzchenbacken in der Adventszeit oder eine schulische Themenwoche unterstützt.

          Kochen sollen die Caterer direkt in der Schule oder in einer benachbarten Schule, vorgefertigte Produkte der „Convenience-Stufen 3 bis 5“ – beispielsweise Instantsuppen, Puddingpulver oder Aufback-Pizza – sollen sie nur noch in Ausnahmefällen verwenden. Bei Gerichten mit Schweinefleisch ist alternativ zum Beispiel Rind, Geflügel oder Lamm anzubieten, es muss täglich ein vegetarisches Gericht geben, und Getränke wie Wasser und Tee sollen im Essenspreis enthalten sein. Der „Trend zur fleischlosen Ernährung“ soll berücksichtigt werden, und in keinem Gericht, auch nicht in Snacks oder Kioskartikeln, darf Formfleisch oder Analogkäse enthalten sein.

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